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Der Meister macht’s mit mehr Konsequenz

SVG unterliegt Berlin im Final-Auftaktmatch 1:3

Das war ein Final-Auftakt nach Maß – mindestens für alle, die ein intensives Duell der beiden besten deutschen Teams erwartet hatten. Den besseren Start der Best-of-five-Serie holten sich die Berlin Recycling Volleys, die der SVG eine 1:3 (20:25, 19:25, 25:18, 21:25)-Niederlage beibrachten. Die LüneHünen waren nach 0:2-Rückstand noch einmal eindrucksvoll ins Spiel gekommen, mussten sich dann aber der Konsequenz der Gäste geschlagen geben.

“Kompliment, Berlin war heute einfach besser”, zollte SVG-Chefcoach Stefan Hübner den Gästen Respekt für ihren Auftritt. “Das war bärenstark, mit unheimlich Druck im Aufschlag.”

Die 3200 Fans in der ausverkauften LKH Arena legten schon meisterreif los, ließen die Ränge bereits bei Spielbeginn brodeln. Beide Teams hatten auf ihre zuletzt eingespielte Starting Six gesetzt. Die Gäste verschafften sich schnell Respekt. Schon bei den ersten Ballwechseln machten sie es den LüneHünen schwer, Angriffe abzuschließen. Das Duell blieb zunächst offen: Berlin lag vorn, die SVG fand mit Wucht die Mittel, um wieder aufzuholen (4:4, 6:6). Oft ging es bis zum Punktgewinn in zweite oder dritte Aktionen.

Die SVG leistete sich jedoch zu viele Aufschlagfehler. Das war einer der Knackpunkte zur Satzmitte – auch, weil Berlin druckvoll blieb, wie Ex-LüneHüne Matt Knigge per Ass (13:17). Berlin behauptete die Vier-Punkte-Führung zum Start in die Crunchtime (16:20). Zwei Lüneburger Aufschlagfehler besiegelten den Berliner Satzgewinn. Die Gäste hatten sich das 0:1 mit viel Effizienz verdient, lagen in Angriff (41:62 % aus SVG-Sicht) und perfekter Annahme (16:46 %) klar vorn.

Berlin trumpft von der Linie auf

Auch im zweiten Satz blieb der Start zunächst offen. Erneut hatte Berlin früh Vorteile, ein Ass von Jackson Howe sorgte für das erste Lüneburger Highlight (4:4). Die SVG hielt die Gäste nun gut im Spiel, hatte aber Pech im Abschluss. Konsequenter waren da die Gäste, allen voran ihr Diagonaler: Jake Hanes knallte wiederholt harte Angriffe ins SVG-Feld. Zudem drehten die BR Volleys von der Linie eindrucksvoll auf: Einem Ass von Knigge (7:10) ließ Hanes gleich ein Doppelpack folgen (8:14, 8:15) – das Momentum lag nun klar bei den Gästen. Die SVG unterlag weiter dem Linien-Fluch, hatte sich nach zwei Sätzen schon zwölf Aufschlagfehler geleistet, bis Spielende wuchs die Zahl auf 23.

Eine Lüneburger Aufholjagd wurde damit früh zur Herkules-Aufgabe. Hanes zwang die SVG zum Abwehrfehler, baute mit seinem fünften Punkt im Satz die Führung auf sechs Punkte aus (10:16). Wenig später ein Wechsel auf der Lüneburger Diagonalposition: Chris Byam kam für Enlund, drei Punkte in Folge sendeten nochmal ein Lebenszeichen der Hausherren (15:21). Die SVG ließ weitere gute Aktionen folgen, doch ein weiterer Aufschlagfehler ließ den Abschnitt an die Gäste gehen (18:25).

SVG kämpft sich ins Spiel zurück

Im dritten Satz legte die SVG gut los: Ein Pipe-Angriff von Gruvaeus markierte die erste SVG-Führung des Spiels (1:0). Ab dem 8:7 lagen die Hausherren dann durchweg vorn. Zur Satzmitte war das LüneHünen-Gesicht zurück, das den Großteil der Saison prägte: Zwei Pipe-Angriffe von Daniel Gruvaeus (13:11, 14:12) erfreuten das Publikum. Als Byam nach einer Rally zum Block-Aus hämmerte, war das ein wichtiger Moment, der die Fans erneut mitriss (15:13). Eine Berliner Auszeit wirkte, brachte die Gäste wieder heran. In der Crunchtime hatte die SVG jedoch Wirkungstreffer im Köcher: Ein Zuspielerball von Santeri Välimaa (23:18) ließ die LKH Arena akustisch explodieren. Byam legte zwei Asse nach – die SVG war wieder im Spiel.

Mit dem Comeback-Bewusstsein gingen die LüneHünen in den vierten Satz. Doch auf gute Aktionen und Führungen der Gastgeber (6:5, 9:7) fand Berlin die richtigen Mittel. Nach dem 13:13 holten sich die Gäste die Führung. Die LüneHünen ließen sich zwar lange nicht abschütteln (13:15, 16:18, 18:20) und schlossen auch die anfangs deutliche Effizienzlücke in Angriff und Annahme, doch Berlin zog nun routiniert durch. Vor allem Hanes und seine harten Angriffe waren immer wieder erfolgreiche Mittel der Gäste – allein in der Crunchtime punktete Berlins Nummer 22 dreifach. Als nach 98 Spielminuten ein Lüneburger Angriff im Aus landete, konnten die Gäste über Satz- und Matchgewinn jubeln.

“Es war unheimlich schwer, ins Spiel zu kommen und die Angriffe ans Laufen zu kriegen”, machte Stefan Hübner im Anschluss Ursachen für das Ergebnis aus. “Wir haben uns schwer getan, im ersten Angriff zum Punkt zu kommen. Wir haben auch nicht gut aufgeschlagen. Das wurde im dritten Satz besser, aber im vierten Satz gab es wieder keine Wirkung. Dadurch haben wir Berlin nicht in den Griff bekommen. Wir haben uns einfach selbst schwer getan, den Gegner nicht genug unter Druck gesetzt. Mit dieser Disbalance kann man lange spielen – dann verliert man die Sätze.” Doch der Chefcoach sah auch Positives: “Es freut uns, dass die Mannschaft nicht aufgesteckt hat.”

Als MVP wurde Ex-LüneHüne Florian Krage-Brewitz ausgezeichnet. Topscorer war Jake Hanes, der 26 Punkte holte – darunter vier Asse – und mit 57 Prozent auf eine starke Angriffsquote kam. Bester Scorer der SVG war Christopher Byam (13 Punkte).

SVG: Champlin, Young, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Enlund – Takahashi; eingewechselt: Byam

(gm)

Weitere Stimmen zum Spiel:

Jackson Howe (SVG Lüneburg): “In den ersten beiden Sätzen haben wir einfach schlecht gespielt. Wir haben uns schwer getan, ins Spiel zu kommen, Berlin hat uns in Aufschlag-Annahme gekillt. Wir haben uns da selbst ein Loch gegraben, aus dem wir erst wieder rauskommen mussten – es ist einfacher, gut zu starten. Im dritten Satz haben wir Charakter gezeigt und auch klargemacht, wie wir spielen sollten. Wenn man gegen ein Team wie Berlin spielt, dann nutzen die einfach jeden Fehler aus. Wir müssen einfach ein höheres Niveau zeigen. Wir wissen, dass es jetzt in Berlin schwer wird. Jetzt kommt es darauf an, dass wir uns gut vorbereiten und dann das Beste zeigen, was wir können.”

Markus Steuerwald (Chefcoach Berlin Recycling Volleys): “Ein guter Start von unserer Seite, sehr aggressiv, es hat vieles gut funktioniert. Dann hat Stefan natürlich angepasst, damit mussten wir uns zurechtfinden. So wird es weitergehen in der Serie. Wir sind glücklich. Der erste Sieg ist sicher einiges wert, aber es ist noch ein langer Weg für uns. Jetzt ist aber klar: die Meisterschaft geht über die Max-Schmeling-Halle in Berlin – auch wenn die Serie bislang ist, dass immer die Auswärtsmannschaft gewinnt … Aber wir freuen uns, dass wir die Chance haben, zu Hause zu spielen. Wir haben den ersten Schritt gemacht, drei gibt es zu gehen – und es ist noch viel Arbeit vor uns.”

Matthew Knigge (Berlin Recycling Volleys): “Wir wussten, dass es ein harter Kampf wird. Es ist schwer, in dieser Halle zu spielen – aber wir haben mit richtig guter Energie losgelegt. Es war der Schlüssel unseres Erfolges heute, dass wir so stark und von uns überzeugt ins Spiel gegangen sind. Als Lüneburg im dritten Satz stärker wurde, hatten wir schon einiges an Selbstbewusstsein – und uns war klar, dass wir das Potenzial hatten, uns auch im vierten Satz durchzusetzen. Klar ist es eine Fünf-Spiele-Serie. Noch hat sich nichts geändert – aber wir haben jetzt nur noch zwei Spiele, die wir gewinnen müssen. Das einzige, worauf wir jetzt schauen, ist das Spiel am Samstag.”