Jordan Ewert ist voller Ehrgeiz

US-Amerikaner arbeitet immer weiter daran, sein höchstes Niveau zu erreichen

Zwei Planstellen auf der Position Außenangriff/Annahme sind in diesem Sommer frei bei den LüneHünen, nachdem Antti Ronkainen und Mike Michelau gegangen sind. Ein Nachfolger ist gefunden: Der US-Amerikaner Jordan Matthew Ewert ist Neuzugang Nummer drei für die Saison 2020/21 und kommt aus Spanien. Mit „Ushaia Ibiza Voley“ schloss er die vergangene Spielzeit in der SuperLiga auf Platz 4 ab, als sie Corona bedingt abgebrochen wurde. Der 23-Jährige kommt mit dem Ziel, „jeden Tag ein besserer Spieler zu werden und zu zeigen, dass ich auf hohem Niveau mithalten kann“.

Gute erste Profisaison in Spanien gespielt

Der erst 2005 gegründete Verein auf der Mittelmeer-Insel gehört seit einigen Jahren zu den Top 4 des Landes. Einen Titel gab es zwar noch nie, doch im Pokalwettbewerb Copa del Rey unterstrich Ibiza sein Qualität mit dem wiederholten Vorstoß ins Halbfinale, wo es aber im Februar ein knappes 2:3 gegen Spitzenreiter Almeria gab. Ewert, der auch in allen 20 Punktspielen zum Einsatz kam, zählte zu den Leistungsträgern der Saison und war 9. im Ranking der Außenangreifer mit 213 Punkten. Der 1,94-Meter-Mann hat seine Qualitäten eher im Angriff als in der Annahme, ist dabei aber kein Haudrauf, sondern nutzt viele seiner Chancen mit cleveren Aktionen (Wischer und Lobs).

„Er spielt mit einer gewissen Leichtigkeit, fast schon ein wenig lässig“, beschreibt SVG-Chefcoach Stefan Hübner den US-Boy. „Er ist ein sehr technischer Spieler, kein Brecher. Er ist insgesamt recht komplett, im Angriff auch gut aus dem Hinterfeld und zudem stabil in der Annahme. Und zuletzt hatte er einen sehr erfahrenen italienischen Trainer in einem soliden Verein,“ zählt Hübner auf, was ihn am Gesamtpaket überzeugt hat. Aber der Coach weiß auch, worauf er ein Auge haben muss: „Er hat einen hohen Anspruch an sich und andere, ist selbstbewusst und emotional, einer, der dem Team so eine gewisse Balance gibt – wenn er das nicht übertreibt.“

Bevor Ewert in die Liga auf der iberischen Halbinsel wechselte, spielte er bis 2019 drei Jahre lang für die „Cardinals“ der Stanford University (Kalifornien). Er zeigte aber noch früher seine Qualitäten, nahm schon an der U19-WM 2015 in Argentinien teil und spielte dann während des Studiums auch die U21-WM 2017 in Tschechien. Und im Dezember 2018 nahm der Rechtshänder sogar im US-Trainingscamp von Anaheim als einer von 80 eingeladenen Kandidaten an den Tryouts potenzieller Nationalspieler (A und B) teil. An der Uni Stanford studierte er Wissenschaft und Technik (Schwerpunkte: Organisationen, Technologie, Politik).

Überzeugend bei Junioren-Weltmeisterschaften

Der Kalifornier, geboren in Antioch, einer 100 000-Einwohner-Stadt etwa 110 Kilometer östlich von San Francisco, wechselte erst im Alter von 14 Jahren vom Fußball zum Volleyball, als er einen Wachstumsschub bekam. Schnell zeigte sich sein Talent und bald wurde es sein Ziel, Profi zu werden und in Europa zu spielen. Der erste Schritt nach Spanien war erfolgreich, aber: „Obwohl Ibiza ein toller Ort mit großartigen Menschen war, habe ich das Ziel, auf höchstem Niveau zu spielen. Damit ich das erreichen kann, muss ich mich stetig verbessern. Und da Deutschland eine starke Liga hat, die SVG Lüneburg ein tolles Konzept und einen großartigen Trainer hat, ist dies der beste Ort für meinen nächsten Schritt.“

Allerdings weitgehend ein Schritt ins Ungewisse, wie er einräumt: „Deutschland kenne ich noch nicht – außer von einem Fünf-Stunden-Aufenthalt auf dem Frankfurter Flughafen bei einer Durchreise.“ Und auch über die Bundesliga weiß er nicht wirklich viel, „nur, dass es da sehr viele sehr große Spieler gibt“, fügt er augenzwinkernd an. Ganz fremd aber ist ihm die neue Liga dann doch nicht, weil hier schon Freunde einen Vertrag bekamen. In der Jugend war Zuspieler Joe Worsley (Friedrichshafen) ein Teamkollege, im U21-Nationalteam spielte er zum Beispiel zusammen mit dem Diagonalen Kyle Ensing (Berlin).

„Weil ich nicht die Größe vieler anderer Volleyballer habe, musste ich in anderen Elementen besser als die meisten anderen Spieler sein. Fehlende Größe ist kein Nachteil, wenn man in der Lage ist, das durch kluge Entscheidungen zu kompensieren. Das hat mich zu einem vollständigerem Spieler gemacht, wenn es um Fähigkeiten geht, bei denen die Größe keine Rolle spielt, wie Passspiel, Annahme und Abwehr sowie Aufschlag“, antwortet er, nach seinen Stärken und Schwächen gefragt. Und selbstbewusst fügt der Neu-LüneHüne an: „Vielleicht wird man in mir nicht eine große physische Bedrohung sehen – aber ich will in der neuen Saison jedem das Gegenteil beweisen.“