Können die LüneHünen Euphorie und Leistungsniveau vom Ostersonnabend mit in die Max-Schmeling-Halle nehmen, wenn sie am Sonntag (16 Uhr) zum Viertelfinal-Showdown bei den Berlin Volleys antreten? Nach einem 1:1-Zwischenstand in der Best-of-3-Serie liegt die Sensation zumindest in der Luft, dass die SVG den amtierenden Meister rauskegelt.
Seit es die Playoffs gibt (Saison 2005/06), konnte noch nie ein Siebter der Hauptrunde (SVG) den Zweiten (Berlin) rauswerfen – oder ein Sechster (Herrsching) den Dritten (RheinMain) rauswerfen, was ja an diesem Wochenende auch möglich ist. „Wichtig ist, nicht so sehr an das Ergebnis zu denken, sondern den Fokus auf die Leistung zu legen – die muss stimmen, um eine Chance zu haben“, sah sich Hübner nach dem 3:1 zuletzt in der CU Arena einmal mehr in seiner Grundeinstellung bestätigt. Und nach zwei freien Ostertagen hat er seit Dienstag festgestellt: „Alle sind fit, alle sind heiß, das Trainings-Niveau ist gut.“
Und die Berliner sind nach einer für sich ohnehin unbefriedigend verlaufenden Saison zumindest verunsichert, droht doch das frühe Aus. So führte Trainer-Ikone Stelian Moculescu auch viele Einzel- und Teamgespräche bei den Charlottenburgern mit dem Fazit: „Ich glaube, das hat uns gut getan.“ Der SVG bescheinigte er zwar ein gutes zweites Spiel, aber: „Wir haben gar nicht so viel falsch gemacht, nur war Lüneburg wahrscheinlich den Tick entschlossener. Es waren im zweiten Match nur Kleinigkeiten, die uns zuvor im Heimspiel besser gelungen sind und hoffentlich am Sonntag auch wieder gelingen werden.“
Ungewöhnlich jedenfalls ist es, dass man sich im Lager des Meisters überhaupt so viele Gedanken über den Außenseiter macht. Selbstvertrauen war schließlich mal ein Baustein des Hauptstadtclubs, der in den vergangenen Jahren mit fünf Titeln in sechs Jahren seit 2012 die Bundesliga prägte. Und selbst auf europäischer Ebene schrieb er dicke Schlagzeilen, als er 2016 nach einem Scheitern in der Champions League im CEV-Cup weiterspielte und den dann noch gewann. Als Ausrichter des Final4-Turniers der Königsklasse im März 2015 mussten sich die Berliner für das Topturnier nicht qualifizieren, wurden dann im Endklassement Dritte.
Von dieser Dominanz ist in dieser Saison wenig geblieben. Im Supercup verloren gegen Friedrichshafen, Pokal-Niederlage im Viertelfinale daheim gegen Herrsching, Champions-League-K.o. im Playoff-12 mit zwei Niederlagen gegen Friedrichshafen, insgesamt fünf Pleiten in der Liga plus nun die im Viertelfinale von Hamburg. Das belegt, dass sich da eine große Ära dem Ende zuneigt – endgültig am Sonntag?

„Wir wollen weiter zusammen Spaß haben“, betonten schon vor Wochenfrist Topscorer Ryan Sclater und viele andere Spieler. Und sollte der Coup tatsächlich gelingen, ginge für die Fans der Spaß weiter gegen Friedrichshafen, das als einziger Viertelfinalist schon nach zwei Spielen weiter war. Der Modus sieht nämlich für die Zusammensetzung der Paarungen vor: 1. gegen 4. und 2. gegen 3. – und in einem Ranking der vier verbleibenden Teams wären die LüneHünen als Hauptrunden-7. dann eben leider Vierter.

Wer keine Gelegenheit hat, das Match in Berlin zu genießen, dem bietet sich in größerer Runde vor Ort eine Gelegenheit zu emotionaler Anteilnahme: In der Kirchgellerser Grill-Taverne „Alexander der Große“ (Stelios) gibt es ein Public Viewing.