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Diagonalangreifer Lukas Maase, hier noch in einem Match gegen die SVG, kommt aus Friedrichshafen zu den LüeHünen. Foto: Kram

Maase will als Diagonalangreifer endlich mehr Verantwortung tragen

Aus Friedrichshafen erstmal zur Nationalmannschaft

Wie schon im Vorjahr ist es der SVG Lüneburg gelungen, einen Spieler vom VfB Friedrichshafen für sich zu gewinnen: Nach Zuspieler Joe Worsley im vergangenen Sommer kommt nun Lukas Maase vom Bodensee an die Ilmenau – ein Diagonalangreifer mit viel Potenzial, das sich hier voll entfalten soll, nachdem er bisher die Nummer 2 auf dieser Position beim Rekordmeister war.

Von Haus aus ist Maase eigentlich Mittelblocker. Doch nach seinem Wechsel 2018 vom Zweitligisten Delitzsch in die Bundesliga zu den powervolleys Düren erkannten Experten bald seine Entwicklungsmöglichkeit zum Diagonalangreifer – auch der bisherige Bundestrainer Andrea Giani. Maase, eigentlich bei einem Lehrgang der B-/U23-Mannschaft mit Stelian Moculescu und Stefan Hübner als Coaches, wurde von Giani 2019 zur A-Nationalmannschaft geholt, als die zum vorletzten Turnier der Nations League nach Brasilien flog. Dort gab der Newcomer beim 2:3 gegen Bulgarien sein Länderspieldebüt in der Mitte.

Umgeschult und auf neuer Position Feuer gefangen

In Düren blieb der 2,12-Meter-Hüne auch im zweiten Jahr Mittelblocker, im Kreis des DVV war ihm jedoch ein Wechsel der Position schmackhaft gemacht worden. Der erfolgte dann 2020 mit dem Gang nach Friedrichshafen, dessen Trainer Michael Warm ihn ebenfalls als Diagonalangreifer sah, wenn auch im Schatten des überragenden Shootingstars Linus Weber. Und in der abgelaufenen Saison hatte der gebürtige Dresdner den erfahrenen Nationalspieler Simon Hirsch vor sich, zeigte aber bei seinen Einsätzen immer nachdrücklicher sein Talent – selbst in der Champions League wie im letzten Dezember im bulgarischen Pazardzihk (12 Punkte).

Beim DVV blieb Maase im Notizblock, als 2020 wegen Corona nur zwei Testländerspiele stattfanden, stand er auf dem Feld. 2021 wurde er fünfmal in der Nations League eingesetzt. Und auch jetzt wieder ist er nominiert, reist an diesem Dienstag in Kienbaum an. Nicht ausgeschlossen aber, dass der 23-Jährige im Nationaldress in der Mitte aushelfen muss, denn da ist in diesem Sommer das Personal knapp. „Das Gerücht habe ich auch schon gehört, weiß es aber noch nicht. Ich spiele beides gern und lasse alles auf mich zukommen, notfalls spiele ich auch Libero“, entgegnet er lachend, „wichtig ist für mich, dort auf enorm hohem Niveau zu trainieren.“

Bei der SVG soll sich das dann weiter auszahlen. „Ich habe jetzt zwei Jahre eine gute Ausbildung als Diagonalangreifer genossen. Nun bin ich bereit zu mehr. Ich will das Feld sehen und Verantwortung tragen, zeigen, was ich kann und den Lüneburgern helfen“, hat er natürlich auch mitbekommen, dass die dort in der vergangenen Saison große Probleme hatten. „Lüneburg war für mich schon länger eine Option. Ich habe mir schon im Dezember Gedanken gemacht, wie es für mich weitergehen soll. Als dann Stefan Hübner sich wieder mal gemeldet hat, war das Thema schnell erledigt für mich. Es ist ja ein absoluter Luxus, wenn man bei einem Wechsel den neuen Trainer schon gut kennt. Das ist für mich eine perfekte Lösung“, glaubt Maase, der den Positionswechsel „nicht eine Minute“ bereut hat. „Da kann ich viel mehr Einfluss auf das Spiel nehmen.“

Wie sehr er dazu bereit ist, musste auch die SVG schon leidvoll erfahren – im Pokalfinale Anfang März. Da wurde er zum Matchwinner, als es für die Häfler im dritten Satz eng wurde und sie klar zurücklagen: Mit 8 Punkten, davon 5 im entscheidenden vierten Satz, bei einer Erfolgsquote von 50%, brachte er den VfB wieder auf Kurs. Auch mit Düren hatte er 2020 im Pokalfinale gestanden, aber gegen Berlin verloren. Und am Bodensee wurde der am Sportgymnasium Dresden zum Volleyballer ausgebildete Junioren-Nationalspieler, dessen Schwester Rica Profi in Erfurt ist, dann zweimal Vizemeister. Aber auch Negativ-Erlebnisse wie die plötzliche Schließung der ZF Arena wegen Baufälligkeit und eine Odyssee durch verschiedene Hallen bis letztlich nach Ulm gehören zum Erfahrungsschatz.

Sternstunde gegen die SVG im Pokalfinale

Eine ähnliche Sternstunde wie im März in Mannheim hatte Maase auch im dritten Playoff-Viertelfinale beim 3:2 gegen Herrsching, als der K.o. drohte. Wieder schwächelte Hirsch, Maase spielte ab dem dritten Satz und verbuchte noch 11 Punkte (43%). Und auch im ersten Finale beim 3:2 in Berlin war er voll da: dauerhaft dabei ab dem 4. Satz, sammelte er noch 12 Punkte (45%). Zu beobachten – und zu hören – war in solchen Matches auch das gestiegene Selbstbewusstsein. In den Auszeiten der Crunchtimes forderte er vom Zuspielen mehr Bälle, Motto: setz‘ mich ein, ich verwandele! Darauf nun angesprochen, scheint ihm das fast unangenehm zu sein: „War das so deutlich? Man muss ja aufpassen – zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz ist ein schmaler Grad. Aber ich habe mich in diesen Situationen einfach gut gefühlt. Und letztlich gibt das ja auch dem Zuspieler ein gutes Gefühl, wenn man dann auch abliefert.“

Nun können sich die SVG-Fans freuen, dass er 2022/23 im neuen Trikot abliefert. Chefcoach Stefan Hübner hat erst einmal zufrieden registriert, dass sein neuer Diagonaler zuletzt immer mehr eingesetzt wurde: „Es ist natürlich gut, dass die Spielanteile höher geworden sind. Und es kann ihm und seiner weiteren Entwicklung nur gut tun, wenn er nun eine andere Rolle in einem Verein spielt, mal die Nummer 1 auf dieser Position, wo er ja auch ein überragender Blocker ist, einnimmt. Ich sehe da noch viel Potenzial, zumal er ja auch schon ein Jahr lang zusammen mit Joe Worsley als Zuspieler trainiert und gespielt hat.“

Und der Trainer sieht nicht nur rein sportliche Aspekte: „Lukas ist ein guter Typ, hat eine sehr positive Ausstrahlung und ist ein richtiger Teamplayer, kümmert sich viel um mannschaftliche Belange. Von daher traue ich ihm auch zu, dass er als deutscher Spieler in die Lücke schlüpfen kann, die durch den Rücktritt von Michel Schlien und Jannik Pörner im zwischenmenschlichen Bereich bei uns entstanden ist.“

NEWS aus der Szene

Happyend für den MTV Stuttgart in der Frauen-Bundesliga: Mit einem 3:0 (25:14, 25:20, 25:23) im fünften Playoff-Finale gegen den SC Potsdam sicherten sich die Süddeutschen die Meisterschaft – die zweite nach 2019. Der souveräne Hauptrunden-Erste hatte in der „best-of-5“-Serie gegen den Außenseiter 0:1 und 1:2 zurückgelegen

Zum 14. Mal in der Vereinsgeschichte ist Draisma Dynamo Meister der Niederlande. Der Verein aus Apeldoorn verteidigte den Titel durch drei Siege in der Serie „best of 5“ gegen Orion Doetinchem.

Drei 3:0-Siege gegen VT Menen brachten Knack Roeselare erneut die Meisterschaft in Belgien – der 13. Titel in der Vereinsgeschichte des regelmäßigen Champions-League-Starters.

Benfica Lissabon bleibt dominant, sicherte sich wie in den beiden Vorjahren in Portugal die Meisterschaft, nachdem der Hauptstadt-Club schon Pokalsieger geworden war und den Supercup gewonnen hatte. Die 10. Meisterschaft insgesamt brachten drei Finalsiege gegen den Stadtrivalen Sporting Lissabon.

Zuspieler und Jung-Nationalspieler Johannes Tille (früher Herrsching) hat mit St. Nazaire den Aufstieg in Frankreichs 1. Liga geschafft und mit starken Leistungen entscheidend dazu beigetragen.

Beach-NEWS

Mit einem 2. Platz haben Chantal Laboureur/Sarah Schulz auf der „World Beach Pro Tour“ beim Turnier der Kategorie Challenge in Doha (Katar) überrascht. Die deutschen Meisterinnen mussten sich erst im Finale den Brasilianerinnen Barbara/Carol geschlagen geben (0:2). Fünfte wurden die Duos Nils Ehlers/Clemens Wickler und Cinja Tillmann/Svenja Müller, Neunte Karla Borger/Julia Sude und Sandra Ittlinger/Isabel Schneider.

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