LüneHünen verlangen Zawiercie eine ganze Menge ab
SVG bietet polnischem Topteam beim 0:3 Paroli
Niederlagen machen nie Spaß, dieses 0:3 (19:25, 21:25, 22:25) gegen Aluron CMC Warta Zawiercie fühlte sich für die SVG Lüneburg und ihre Fans aber fast wie ein Erfolg an. Denn die LüneHünen boten dem Finalisten der vergangenen Champions-League-Saison vor 3006 Fans in der LKH Arena in drei meist engen Sätzen gut Paroli und verlangten ihm in 76 Minuten nahezu die Bestleistung ab.
In ihrer dritten Königsklassen-Saison in Folge wird die SVG längst auch von den absoluten Topteams äußerst ernst genommen, personelle Experimente gönnt sich kein gegnerischer Chefcoach mehr. Auch Ex-Bundestrainer Michal Winiarski schickte Zawiercies derzeit nahezu beste Starting Six auf den Court, nur Bartosz Kwolek fehlte im Außenangriff. Und der polnische Vizemeister legte konzentriert los, merkte aber schnell: Ein Selbstgänger wird das nicht in Lüneburg.
Zawiercie ohne personelle Experimente
Denn die Hausherren ließen sich von einem schnellem Rückstand inklusive Ass zum 0:2 nicht beeindrucken, hatten beim 8:8 den Gleichstand hergestellt und wurden erstmals gefeiert wie bei einem Satzgewinn. Die gute Stimmung hielt auch an, als der Gegner konterte und dieses Mal sogar bis auf vier (12:16) und dann sogar sechs Punkte (13:19) davonzog. Denn die LüneHünen ließen nicht die Köpfe hängen, wollten sich unbedingt besser verkaufen als vor zwei Wochen beim deutlichen 0:3 in Rzeszow.
Und das gelang, auch wenn der Eingangssatz trotz zwischenzeitlicher Aufholjagd (16:20) verloren war. Denn die Annahme stand stabil und im zweiten Satz wurde auch die Angriffsquote besser. Da legten Zuspieler Santeri Välimaa & Co. zunächst – auch durch ein Välimaa-Ass – ein 3:0 vor. Doch was für eine Antwort des polnischen Top-Teams: Asse von Yuriy Gladyr und Miguel Tavares halfen zunächst zum 4:4-Ausgleich, dann entschieden sie mit engagierter Feldabwehr auch die ersten längeren Rallys für sich und führten plötzlich 12:9.
Doch die SVG hielt dagegen, zog selbst zwei weitere Asse aus dem Ärmel (Välimaa, Axel Larsen), wagte auch Angriffe per Pipe und hielt den Satz lange offen – mit 19:20 ging es in die Crunchtime. Beim 21:22 schien sogar ein durchaus verdienter Satzgewinn möglich, doch Zawiercie unterstrich seine Klasse mit drei Punkten in Serie, darunter zwei nach sehr langen Rallys. Besonders nach dem 21:24 wurde die SVG mit Sonderbeifall und Sprechchören gefeiert, obwohl Jakub Czerwinski letztlich den Punkt machte. Nach einem weiteren spektakulären Ballwechsel machte Mateusz Bieniek den Satz dann zu.
Die Feierstimmung der Lüneburger Fans steckte auch die etwa 70 mitgereisten Fans aus Polen an. Die „Jurassic Army“ zog in der zweiten Satzpause sogar per Polonaise auf der Zwischenebene rund um die Arena, trug so zu einem rundum großartigen Volleyballfest bei.
Mateusz Bieniek glänzt als Schnellangreifer
Bieniek war dann im dritten Durchgang ganz besonders im Fokus. Der Mittelblocker, knapp 32-jährig immerhin dreifacher Olympia-Teilnehmer, drehte richtig auf, machte dort acht seiner insgesamt 15 Punkte, und dies besonders durch Schnellangriffe in imponierendem Tempo – eine Augenweide. 71 % Angriffsquote hatte er am Ende, MVP wurde aber Außenangreifer Aaron Russell mit ebenfalls 15 Punkten. Beide konnten aber nicht verhindern, dass dieser Satz noch enger verlief. Nie ließ sich die SVG, die wieder ein 3:0 vorlegte, abschütteln (7:7, 10:12, 15:16, 19:21), bis Russell schließlich den Matchball verwandelte.
„Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben. Das war ein richtig gutes Spiel von uns“, lobte SVG-Chefcoach Stefan Hübner seine Mannen nach „einem Spiel auf sehr gutem Niveau“. Und er präzisierte: „Wir haben teils sehr gut aus der eigenen Annahme angegriffen, haben gut verteidigt, viele Blockberührungen gehabt und sind mutig geblieben auch nach Fehlern. Solche Spiele sind einfach Gold wert für den Lernprozess.“
SVG: Champlin (8 Punkte), Kunstmann (4), Välimaa (4), Gruvaeus (5), Howe (7), Enlund (11) – Takahashi; eingewechselt: Larsen (1)
(hre/gm)
Weitere Stimmen zum Spiel
Michal Winiarski (Cheftrainer Zawiercie): “Wir hatten ein schwieriges Spiel erwartet. Man konnte sehen, dass Lüneburg sehr gut gestartet ist. Und dann halfen uns in einem Moment unser Gegenangriff und auch die Fehler im Angriff von Lüneburg, das Spiel zu kontrollieren. Es gab einige knappe Situationen, aber wir lagen die ganze Zeit zwei, drei Punkte vorn. Im zweiten Satz war es ziemlich knapp, wir hatten einige leichte Fehler, bei denen wir ein wenig die Konzentration verloren haben. Aber für uns ist es wichtig, dass wir drei Punkte geholt haben, auch ohne einen Satz zu verlieren.”
Santeri Välimaa (SVG-Zuspieler): “Es war auf jeden Fall besser als in Rzeszow. Wir haben gezeigt, dass wir wirklich auf dieses Niveau gehören. Auch wenn sie nicht mit ihrer Stammsechs gespielt haben – zumindest fehlte ein Spieler -, haben sie dennoch gezeigt, warum sie zu den besten Mannschaften Polens und Europas gehören. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber das war ein gutes Zeichen für uns. Wir nehmen mit, dass wir näher gekommen sind. Wie wir näher an diese Mannschaften herankommen, ist eine mentale Frage. Wenn man Chancen bekommt, muss man wirklich clever und konzentriert sein, damit man diese Chancen auch immer nutzen kann, wenn sie sich bieten. Das ist der nächste Schritt für uns.”
Aaron Russell (Außenangreifer Zawiercie und MVP): “Wir haben uns definitiv auf ein hartes Spiel vorbereitet. Wir wissen, dass diese Mannschaft zu Hause sehr gut spielt und die Fans sehr laut sind und ihre Jungs lautstark unterstützen. Deshalb mussten wir mental wirklich stark sein. Wir konnten einige schwierige Aufschläge durchbringen und daraus Side-Outs erzielen. Unser Aufschlag lief generell ziemlich gut, brachte sie in schwierige Situationen und erleichterte uns die Arbeit. Nur hier und da haben wir ein wenig die Konzentration verloren. Da gibt es etwas, das wir besser machen können. Es ist gut, dass wir ein wenig zusätzlichen Druck spüren und diesen überwinden konnten.”