Außenseiter im Duell der Vizemeister
SVG will Zawiercie Siegen dennoch schwer machen
Neue Woche, anderer Wettbewerb: Nach zuletzt drei Bundesliga-Spielen innerhalb von sechs Tagen steht für die LüneHünen mal wieder die Champions League an – und das gegen den Favoriten auf Platz 1 in ihrem Pool D. Zum zweiten Heimspiel der Gruppenphase gastiert an diesem Dienstag (19 Uhr) Aluron CMC Warta Zawiercie in der LKH Arena, das polnische Topteam, das in der vorigen Saison erst im Finale der Königsklasse knapp mit 2:3 von Perugia (Italien) gestoppt wurde.
Im März 2025 bekam auch die SVG einen (doppelten) Eindruck von den Qualitäten des späteren Endspiel-Teilnehmers. Im Viertelfinale, das die LüneHünen durch außergewöhnliche Leistungen gegen Berlin in den Playoffs der Gruppenzweiten erreicht hatten, beendete Zawiercie den Höhenflug mit einem glatten 3:0 an der Ilmenau und einem 3:1 daheim. Wobei der Satz abgegeben wurde, nachdem das Weiterkommen schon feststand. Immerhin, es war der erste SVG-Satzgewinn gegen ein polnisches Team, das später auch Vizemeister in der Heimat wurde.
Nach der Club-WM Zeit zum Durchschnaufen gehabt
Wenig geändert hat sich seitdem personell beim Gegner, der folglich bei der Club-Weltmeisterschaft im Dezember Dritter unter acht Teams wurde und aktuell auch in der PlusLiga wieder vorne mitmischt: Fünfter mit fünf Punkten Rückstand auf Platz 1 – weil man sich gerade in der Zeit um die Club-WM herum den ein oder anderen Ausrutscher zu viel leistete: 2:3 gegen Danzig und 1:3 gegen Belchatow davor, 0:3 in Warschau direkt danach. Insgesamt sind es sogar fünf Niederlagen. Zuletzt konnte das Team etwas durchschnaufen, hatte zehn spielfreie Tage bis zum Freitag und konnte da dann gegen Abstiegskandidat Chelm (3:0) Kräfte und Stammspieler schonen.
Keine Frage, dass Zawiercie, in der Champions League mit sechs Punkten optimal dastehend, klar favorisiert ist. Die Mannschaft von Ex-Bundestrainer Michal Winiarski ist top besetzt, einziger „Schwachpunkt“ (wohlgemerkt in Anführungszeichen) ist vielleicht der Diagonalangriff. Diese Position ist nicht aus dem obersten Regal bestückt. Neuzugang Bartlomiej Boladz konnte Karol Butryn noch nicht ersetzen und hatte im Konkurrenzkampf gegen Kyle Ensing zuletzt oft das Nachsehen.
Ensing ist eigentlich ein klassischer zweiter Mann auf dieser Position, verlässlich, wenn er gebraucht wird, aber kein Spiele-Gewinner. In Zawiercie, davor St. Nazaire und Berlin, auch immer mal wieder in der US-Nationalmannschaft, sammelte der 28-Jährige dennoch beachtliche Erfolge, inklusive Olympia-Bronze 2024. Auch Boladz (31), im letzten Sommer aus Warschau gekommen, spielte ja schon in der Bundesliga, hinterließ aber in Friedrichshafen 2017 bis 2019 keine nachhaltigen Spuren, war in der ersten Saison sogar nur Ersatz hinter Daniel Malescha (heute Berlin).
In Zawiercie sind meist eher andere aus der Starting Six, die fast immer identisch ist, seit Mittelblock-Routinier Yuriy Gladyr nach langer Verletzungspause im Dezember sein Comeback gab, die Entscheider: die Außen Aaron Russell (USA) und Bartosz Kwolek oder auch Kapitän Mateusz Bieniek, dreifacher Olympiastarter, der als Mittelblocker gerne mal bis zu 18 Punkte sammelte und schon mehrfach MVP in der PlusLiga wurde. Eingesetzt werden sie alle weiterhin vom Portugiesen Miguel Tavares, abgesichert von Libero-Neuzugang Jakub Popiwczak, lange Jahre Polens Nummer 2, inzwischen aber die 1.
Lernprozess bringt LüneHünen weiter
Muss man also fürchten, dass es für die SVG eine ähnliche Lehrstunde gibt wie gegen Liga-Konkurrent Rzeszow vor zwei Wochen? Mittelblocker Joscha Kunstmann setzt auf die Rückenstärkung der eigenen Fans: „Wir haben den Heimvorteil, den können wir nutzen. Ich bin fest überzeugt, dass wir ein gutes Spiel abliefern werden.” Aber natürlich ist ihm auch die Außenseiterrolle bewusst: „Wir wissen, dass wir nicht viel zu verlieren haben – und das ist als Mannschaft immer gut, weil man dann oft über sich hinauswächst.”
Das Match gegen Rzeszow hat bei dem Nationalspieler einigen Eindruck hinterlassen: „Man weiß, dass man auf einem sehr hohem Level Volleyball spielt – und dann kommt man in ein anderes Land und sieht, dass es da nochmal ein Level darüber gibt. Diese generelle Konstanz ist total beeindruckend und zunächst etwas einschüchternd. Das zeigt aber auch, wo es mit uns noch hingehen kann. Das traue ich uns genauso zu.”
Auch das Trainerteam spricht ja nach solchen Spielen immer wieder von einem Lernprozess, in dem die SVG noch steckt und der auch im Hinblick auf die Bundesliga-Playoffs hilft. Chefcoach Stefan Hübner betont auch jetzt wieder: „Champions League ist immer eine Riesen-Herausforderung. Physis, Schlaghärte, Kontinuität im Aufschlag sind da auf einem ganz anderen Level, auf das wir da treffen. Wir hoffen, dass wir als Team daran wachsen können und dass uns das in Richtung Playoffs stärker macht.“ Trotz dieser neuen Riesen-Herausforderung gilt aber: „Natürlich gehen wir in jedes Spiel mit der Zuversicht, dass wir ein gutes Spiel machen.”
(hre/gm)
Rund ums Spiel
Tickets: Die Sitzplatztickets sind fast vollständig vergriffen. Im Online-Ticketshop (tickets.svg-lueneburg.de) sind noch Stehplatztickets verfügbar – also: schnell sein!
Live-Bilder: Wer keine Karte mehr abbekommen oder keine Zeit hat, kann das Match auch im kostenpflichtigen Stream auf sporteurope.tv (kommentiert von Roman Gerth) verfolgen – oder später schauen.
Autogrammstunde: Nach dem Spiel erfüllen Joscha Kunstmann und Daniel Gruvaeus Autogramm- und Selfie-Wünsche der Fans im Unterrang (hinter dem Lüneblock).
Sonderzug nach Mannheim: Auch am Dienstag gibt es Tickets für den SVG-Sonderzug zum Zoi DVV-Pokalfinale am 28. Februar in Mannheim am Fanshop in der LKH Arena. Die Zugtickets gibt es außerdem auch im Online-Fanshop.
Pokal-Shirts: Voraussichtlich sind ab dem Spiel am Dienstag die Pokalfinal-Shirts im Fanshop in der Arena erhältlich – beachtet gern die aktuellen Infos auf den Social-Media-Kanälen der SVG.
Spieltagsflyer: Am Spieltag findet ihr im digitalen Spieltagsheft „Crunchtime“ wieder alle Infos rund ums Spiel. Schaut also gern am Dienstag in der Rubrik „Spieltagsflyer & Saisonheft“ der SVG-Website vorbei. Dort findet ihr übrigens auch die bisherigen Ausgaben.