Linus Weber (r.) drehte ab Satz zwei mächtig auf und war selbst mehrfach gegen einen 3er-Block der SVG erfolgreich

Knappe Niederlage im ersten Spiel

2:0-Führung reicht LüneHünen nicht

Blitzstart bringt den Favoriten arg in Bedrängnis

Wie bitter ist das denn? Die LüneHünen haben eine Riesenchance verpasst, für eine der größten Überraschungen ihrer Vereinsgeschichte zu sorgen. Im ersten Playoff-Halbfinale führten sie am Sonntagabend schon 2:0 beim großen VfB Friedrichshafen, um dann doch mit einer 2:3 (25:17, 25:23, 20:25, 19:25, 9:15)-Niederlage vom Bodensee zurückzukehren. 1:0 für den hohen Favoriten steht es nun also in der Best-of-3-Serie, aber der Rekord-Meister und Rekord-Pokalgewinner hat gemerkt: Für den Einzug in die Endspielserie muss er alles geben – mit Sicherheit auch in Match 2 am Donnerstag (19 Uhr) in der Gellersenhalle.

Zwei Sätze lang zeigte die SVG eine grandiose Vorstellung gegen diesen Kontrahenten, dem sie in Bundesligazeiten bisher am häufigsten gegenüberstand, aber auch die schlechteste Bilanz aufweist. Höchst ärgerlich nur, dass die Übertragung im Stream schlichtweg eine Katastrophe war – große technische Probleme mit einem ständig instabilen Bild und mit dem Ton bekamen die Gastgeber in dieser ersten Spielphase einfach nicht in den Griff. Dass zudem auch wieder einmal nach dem Abpfiff kein Matchreport mit den statistischen Werten online zur Verfügung gestellt wurde, verstärkte das Ärgernis noch. Wir können diese Angaben im nächsten Newsletter dann leider nur nachliefern.

Mit starkem Lindberg lange erste Sahne

Was die LüneHünen aber darboten, war lange erste Sahne. Der Eingangssatz war überragend. Ruhig und abgeklärt warteten sie auf die besten Chancen im Angriff, die Abwehr um Libero Tyler Koslowsky rettete viele Bälle mit höchstem Einsatz, die Annahme war nahezu perfekt, beim 6:9 war die erste deutliche Führung herausgespielt, die zusätzlich Selbstvertrauen gab. Und als Gijs van Solkema mit einer starken Aufschlagserie maßgeblich für den Ausbau des Vorsprungs auf 17:11 sorgte, rieben sich viele Fans wohl verwundert die Augen. Der VfB war deutlich konsterniert.

Zu Durchgang zwei kam der VfB mit einem personell veränderten Team, und auch weil der vorher nicht zu sehende Diagonale Linus Weber jetzt langsam auftaute, wurde er gleichwertig. Die SVG aber ließ sich davon zunächst nicht irritieren, zumal Viktor Lindberg immer heißer lief und nahezu jeden seiner Angriffe versenkte – gefühlt mindestens 10. Dennoch wähnten sich die Häfler auf Kurs Wende, führten 16:13, als die SVG zurückschlug und ausglich (16:16). Der Satz war wieder offen, und dann kam die Video Challenge zum Tragen: ein vermeintlicher Aus-Ball von Michel Schlien und das 21:20 wurde nach Ansicht der Bilder umgewertet zum 20:21, ein VfB-Spieler hatte den Ball noch beührt. Diese Führung gaben die Gäste nicht mehr her. Lindberg machte den Satz zu, 0:2.

Aber auf der anderen Seite stand eben ein Gegner, der seit Jahrzehnten ununterbrochen Champions League spielt, mit Nationalspielern aller Herren Länder zuhauf, die schon alles erlebt haben, und mit einem ausgeglichen besetzten Kader, aus dem zwei Starting Six mühelos zu formieren sind. So kam nun mit Joe Worsley (für Dejan Vincic) ein neuer Zuspieler und mit Rares Balean (für Martti Juhkami) ein neuer Außen, später mit David Fiel für Marcus Böhme noch ein neuer Mittelblocker. Und Worsley lieferte sofort – nicht nur mit sehr variablen Zuspielen, auch mit knallharten, fast fehlerfreie Aufschlägen. An seiner Seite wurde Weber immer besser, Balean schoss sich ein, und in der Mitte packte Nehemiah Mote im Block immer öfter zu.

VfB steigert sich mit neuem Personal enorm

In Satz drei war der VfB nun präsenter als zuvor, doch die SVG hielt lange dagegen und den hochklassigen Schlagabtausch offen. Über 8:8, 12:9, 13:12 und 17:16 ging es auf Augenhöhe auf die Crunchtime zu, dann allerdings zogen die Häfler von 19:18 auf 22:18 vorentscheidend davon, obwohl bei der SVG Lindberg und Jordan Ewert weiter gute Angriffsquoten hatten. In Abschnitt vier lief es ähnlich. Nun sorgte bei den LüneHünen Michel Schlien für mehrere Punkte hintereinander, ein 9:7 des VfB kippte zum 9:10. Dank einer Aufschlagserie von Balean inklusive zweier Asse stellten die Gastgeber wieder auf klare Führung (19:13) und Weber trommelte in dieser Phase auch einen Ball nach dem anderen ins SVG-Feld – 2:2 und Tiebreak somit. Da war dann Weber sogar gegen Dreierblocks erfolgreich, ab einem 5:4 wuchs die Führung bis auf 10:4, damit war die Entscheiung gefallen.

„Die ersten beiden Sätze waren von uns überragend, mit wenig Fehlern, wohl das Beste, was wir in dieser Saison gespielt haben. Aber auch in den Sätzen drei und vier haben wir noch sehr gut angegriffen. Nur hat Friedrichshafen mit der Einwechslung von Worsley den Rhythmus gut verändert, was besonders Weber unheimlich effizient genutzt hat. Auf ihn haben wir leider keinen Zugriff mehr bekommen. Aber insgesamt waren wir nah dran – und das wollen wir auch im nächsten Spiel wieder sein“, bilanzierte Chefcoach Stefan Hübner und kündigte dem VfB einen neuerlichen schweren Gang an.

SVG: Lindberg, van Solkema, Peemüller, Krage, Ewert, Schlien, Koslowsky; eingewechselt: Gerken, Pörner, Craft.

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