
Klub-Porträt: Das ist Champions-League-Gegner Karlovarsko
Erst 2014 gegründet, aber schon viermal Meister
Die SVG Lüneburg hatte in der Bundesliga an diesem Wochenende frei – eine gute Gelegenheit, mal einen Blick auf die Teilnahme in der europäischen Königsklasse zu werfen. Denn es sind nur noch gut fünf Wochen, bevor da die Gruppenphase beginnt. Und für diese ist wiederum die erste von drei Qualifikationsrunden, in der noch zwei Starter gesucht werden, gerade gelaufen. Die CEV Champions League trägt jetzt übrigens dank eines Sponsors den Zusatz „XTB“.
Zugelost wurden den LüneHünen schon im Juli Warta Zawiercie (Polen), CV Guaguas Las Palmas (Spanien) und VK CEZ Karlovarsko (Tschechien), gegen den die Gruppenphase am 9. Dezember, 19 Uhr, mit einem Heimspiel beginnt.
Der Vorverkauf für alle drei Heim-Matches ist im Online-Ticketshop bereits freigeschaltet.
Die Vereinsgeschichte des amtierenden tschechischen Meisters ist noch jünger als die der 2006 aus der Taufe gehobenen SVG Lüneburg. Erst 2014 wurde der Volejbalový Klub (VK) Karlovarsko in der Stadt Karlovy Vary (deutsch: Karlsbad) gegründet – eine ungefähr 49.000 Einwohner zählende Kleinstadt in der Grenzregion zu Bayern und Sachsen. Sport hat dort einen hohen Stellenwert, u. a. durch Eishockey mit einem Erstligisten. Und seit gut einem Jahrzehnt eben durch den Volleyballverein.
Durch Thermalquellen weltberühmt geworden
Stark geprägt wird Karlsbad aber durch den Kurbetrieb, seit Thermalquellen dort entdeckt und ihre Heilwirkung erkannt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Entwicklung des Kur- und Badebetriebs richtig Fahrt auf. Heutzutage gehört Karlsbad zu den berühmtesten und traditionsreichsten Kurorten der Welt, wurde im Juli 2021 zusammen mit zehn anderen Kurorten Europas in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Das Städtchen ist auch sonst sehenswert. Und da die Entfernung zu Lüneburg „nur“ etwa 500 Kilometer beträgt, werden sicher viele SVG-Fans im Rückspiel dabei sein.
Karlovarsko wurde zwischendurch durch Prag und Budejovice etwas der Rang abgelaufen – mit der Relativierung, dass es auch zweite und dritte Plätze gab. In der vergangenen Saison aber folgte nach Meisterschaften 2018, 2021 und 2022 der vierte Titelgewinn in der „Extraliga“. Zum Pokaltriumph reichte es trotz stattlicher sieben Final-Teilnahmen (zuletzt 2025/26) noch nicht, nur zu zwei Erfolgen im Supercup zwischen Meister und Pokalsieger. International gab es den ersten Auftritt bereits 2015/16 im Challenge Cup, im Jahr darauf dann im CEV Cup und das Debüt in der Champions League schon 2018/19. Dort kam der Club aber noch nie über die Gruppenphase hinaus.
Größte internationale Erfolge waren fünfte Plätze im CEV Cup 2022, das Viertelfinale gegen Tours (0:3 und 1:3), und zuvor das Viertelfinale 2017, ebenfalls gegen die Franzosen (0:3 und 2:3), spätere Gewinner der Trophäe. In der vergangenen Saison, als die SVG Lüneburg bis in die Endspiele kam, wäre man sich fast schon begegnet. Karlovarsko schied aber in den Playoffs zum Viertelfinale gegen Maaseik knapp aus (3:2 und 1:3) – diese Belgier trafen ja dann später im Halbfinale auf die LüneHünen.
Großes Energie-Unternehmen gibt dem Klub Power
Seitdem hat sich die Mannschaft des italienischen Trainers Stefano Mascia stark verändert. Sieben Abgängen stehen acht Neuzugänge gegenüber, darunter Eric Burgräf, einer der Zuspieler der deutschen Nationalmannschaft (46 Länderspiele). Der 27-Jährige kam nach einer Saison vom rumänischen Meister Dinamo Bukarest, spielte davor in Herrsching, in Düren und beim VCO Berlin. Bekannt sind der SVG auch Mittelblocker Jakub Klajmon, bis zum Frühjahr in Haching, und der argentinische Libero Sebastian Closter. Der mittlerweile 37-Jährige war vor seinem Wechsel zwei Jahre lang Libero im französischen Chaumont und damit Gegner in der Gruppenphase der Königsklasse 2024/25. Weitere Spieler stellen wir hier im Newsletter in einer späteren Folge vor.
Das „CEZ“ im Vereinsnamen weist übrigens auf den Hauptpartner hin: die CEZ GROUP, das größte Energie-Unternehmen in Mittel- und Osteuropa mit Sitz in Prag. Der führende Konzern des Landes auf diesem Gebiet verdient sein Geld mit der Erzeugung, dem Handel und dem Vertrieb von Strom, Wärme und Erdgas sowie mit Kohleabbau, Energiedienstleistungen und Kernforschung. Er betreibt u.a. die tschechischen Kernkraftwerke Dukovany und Temelín sowie Kohle-, Wasser-, Wind-, Solar- und Biomasse-Anlagen.
(hre)