Keine Zeit für trübe Gedanken

Punktehatz für SVG geht nach Niederlage schon weiter

Es war ein ungewohntes Bild, lange Gesichter von LüneHünen zu sehen, die sich für immensen Aufwand nicht belohnen konnten und für die Spieler ein ungewohntes Gefühl, erstmals seit 15 Wochen und 12 Spielen nichts für das Punktekonto geholt zu haben. Doch es bleibt keine Zeit, diesem 1:3 gegen die Alpenvolleys Haching nachzutrauern, schon steht die nächste immens wichtige Aufgabe an: An diesem Mittwoch (19 Uhr) kommen die powervolleys Düren in die Gellersenhölle, ein weiterer Rivale im Kampf um die besten Playoff-Plätze. Noch gibt es dafür Tickets, auch an der Abendkasse.

Die Niederlage tat weh, auch weil die SVG mit ihren eigenen Waffen geschlagen wurde: aufopferungsvolle Feldabwehr, viele erfolgreiche Schnellangriffe über die Mitte, sehr hoher Druck im Aufschlag – all das zeigten die Gäste, gepaart mit einem schon unheimlichen Lauf beim Service, das kaum Fehler, aber ein wahres Gewitter an Assen hervorbrachte. So etwas geht wohl nur an einer internationalen Spitzenmannschaft spurlos vorbei. Die SVG war dagegen zunehmend beeindruckt. „Unser Spiel ist immer zerfahrener geworden, zusätzlich zu den vielen Assen ging unsere Eigenfehlerquote hoch“, analysierte Chefcoach Stefan Hübner.

Co-Trainer Bernd Schlesinger drückte das nach dem Match so aus: „Ich hoffe, dass die Jungs jetzt ein bisschen angefasst sind und gegen Düren aggressiver zu Werke gehen. Das war nicht unsere normale Leistung.“ Folgt nun also eine Trotzreaktion? Ein schneller Lernprozess? Gerade gegen den alten Rivalen Düren, gegen den Duelle – ob in der Bundesliga-Hauptrunde, in Playoffs oder im Pokal – längst Klassiker sind, wäre das in dieser Saisonphase besonders wertvoll.

 

Düren darf Anschluss nach oben nicht verlieren

Vier Punkte weniger als die SVG haben die Nordrhein-Westfalen bisher gesammelt, ein Sieg würde den Tabellensechsten also fein auf Distanz halten. „Einen Platz unter den ersten Vier möchten wir, wenn es geht, schon behalten“, nannte Schlesinger das Ziel im Hinblick auf die Playoffs. Denn das garantiert ein Heimspiel zum Start und bei einem eventuell nötigen dritten Spiel in der Best-of-3-Serie.

Da sind die Gäste also sogar noch mehr unter Druck, nachdem sie bisher eine eher wechselhafte Saison gespielt haben. Triumphen in Berlin zum Start (3:2) und in Frankfurt (3:1) stehen auch Pleiten wie daheim gegen Herrsching (2:3 nach 2:0-Führung) oder das unerklärlich deutliche 0:3 bei KW-Bestensee kürzlich gegenüber. Am Wochenende gab es aber wieder eine deutliche Steigerung gegen die Berlin Volleys, die am Rande einer Niederlage standen und sich nach einem 0:2-Rückstand nur mit viel Glück und dank einiger strittiger Entscheidungen noch 3:2 durchsetzten. Also kommt Düren auch mit einer Portion Wut im Bauch.

Während die SVG bisher nur wenige Personalsorgen hatte, traf es Düren im Saisonverlauf mehrfach und langfristig. Schon früh fiel Außenangreifer Lucas Coleman wegen einer Hüft-Operation aus. Im Hinspiel sorgte der Kanadier für 16 Punkte. Um die Lücke zu schließen, holten die Powervolleys keinen Geringeren als Björn Andrae: 280 Länderspiele, dreimal Deutschlands Volleyballer des Jahres, in seiner langen Karriere Profi in allen europäischen Top-Ligen. Er ist zwar fast 38 Jahre alt, aber immer noch topfit, wie er bis Ende der vergangenen Spielzeit bei KW-Bestensee und nun auch wieder in Düren bewies.

 

Bundesliga-Topscorer besonders im Fokus

Länger auf der Ausfallliste stand auch Mittelblocker Tim Broshog (Spitzname: Tower). Um den Jahreswechsel herum setzte ihn ein Muskelfaserriss sechs Wochen lang außer Gefecht. Gut vertreten wurde er in der Zeit aber von Youngster Lukas Maase. Der 20-jährige 2,12-Meter-Hüne, vom Zweitligisten Delitzsch im Sommer gekommen, erhielt prompt eine Vertragsverlängerung, sodass der Verein stolz verkündete: „Der Mittelblock für die kommende Saison steht.“ Broshog, der zuletzt mit Grippe flach lag, und auch Michael Andrei (Spitzname: Mount Mike) als Dritter im Bunde haben einen noch laufenden Kontrakt.

Besonderes Augenmerk bei Düren gilt aber Diagonalangreifer Sebastian Gevert. Der Chilene führt die Liste der Bundesliga-Topscorer mit großem Vorsprung an, sammelte in 15 Spielen schon 291 Punkte. Im Hinspiel stellte er beim 3:2-Erfolg seine Qualität mit 26 Punkten unter Beweis. Und enorm aufschlagstark ist er auch: 26 Zähler im Service übertreffen nur zwei: Giesens Michal Krisko und der Brasilianer Hugo von den Alpenvolleys (je 28). Da droht also erneut Ungemach.