Drei Serien von Assen zermürben die LüneHünen

Alpenvolleys Haching erschüttern mit brachialen Aufschlägen die Heimfestung beim 1:3

Die Alpenvolleys Haching waren auch im vierten Versuch nicht zu schlagen: Mit einem 3:1 (21:25, 25:19, 25:21, 25:17)-Erfolg eroberte der Spitzenreiter die bisher uneinnehmbare Heimfestung Gellersenhalle und unterstrich dabei eindrucksvoll seine Titelambitionen. Die LüneHünen blieben – mit gewachsenem Abstand nach oben – Dritte, spüren nun aber den Atem der übrigen Playoff-Konkurrenten im Nacken. So liegt Düren als Sechster nur noch vier Zähler zurück – und gegen Düren gibt es schon an diesem Mittwoch (19 Uhr) vor eigenen Fans in Reppenstedt den nächsten Hit. Karten dafür sind noch verfügbar.

Am Mittwoch nächster Heim-Hit gegen Düren

Dass die SVG Lüneburg das Punktekonto – zum erst zweiten Mal in dieser Saison – nicht weiter aufstocken konnte, ist ärgerlich, aber in der dicht gedrängten Bundesliga-Spitzengruppe kein Beinbruch. Und verdient war es auch, daran gibt es nichts zu deuteln. Zu stark präsentierte sich der Gegner aus dem Süden, war vor allem im Aufschlag eine Klasse für sich, glänzte auch im Bereich Annahme und machte nur ganz wenige Fehler. „Und wir haben es nicht geschafft, im Aufschlag den Druck auszuüben, den wir sonst ausüben können“, sprach der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger die Achillesferse bei der SVG an. Mit 19 Fehlern allein im Service und dazu einer Reihe liegen gelassener sicherer Chancen im Angriff (Ryan Sclater, Ray Szeto) war gegen diesen Kontrahenten nicht zu bestehen.

Das deutete sich zunächst nicht einmal ansatzweise an. Die SVG legte im ersten Satz ein 4:1 vor und riss die Fans danach trotz knapper werdender Führung zu Jubelstürmen hin – vor allem wegen spektakulärer Block-Abwehraktionen von Noah Baxpöhler, der die entsprechend emotional feierte. 16:15, 17:15, 18:15 – dreimal in Folge war der 2,09-Meter-LüneHüne zur Stelle, um des Gegners Angriffe mit Blocks in eigene Punkte umzuwandeln. Die Alpenvolleys waren beeindruckt und konnten diesen Rückstand nicht mehr verkürzen. Cody Kessel machte schließlich beim 25:21 den Deckel drauf – mit dem insgesamt fünften Block in diesem Satz.

„Irgendwie haben wir dann aber den Faden verloren“, sinnierte Michel Schlien später. Zudem wurde der Gegner immer stärker, hatte sich auf die Gegebenheiten in der ungewohnten Halle eingestellt – und zudem einen Sahnetag erwischt. Denn die Aufschläge erreichten eine selten gesehene Güte, die Abwehr der Gäste um Libero Florian Ringseis kämpfte zudem aufopferungsvoll. Einen schnellen, klaren Rückstand (3:8, 5:10, 9:13) hatte die SVG beim 13:13 wieder egalisiert, lag aber gleich wieder zurück.

Und dann kam Hugo…

Und dann kam einer der vier brasilianischen Könner Hachings zum Aufschlag: Hugo de Leon Guimaraes da Silva, kurz genannt „Hugo“. Vier Asse in Serie jagte er mit Präzision und Wucht über das Netz, stellte von 13:16 auf ein vorentscheidendes 13:19. Die SVG fand trotz ebenfalls guter Aktionen, wie zwei direkte Blockpunkte und ein Ass von Schlien, nicht wieder ins Match zurück, also Satzausgleich und 10-Minuten-Pause.

Aus dieser kam die SVG gestärkt und wurde wieder gleichwertig. Baxpöhler streute zwei Asse (mit Hilfe der niedrigen Hallendecke) ein, 5:2. Bei der ersten technischen Auszeit (8:6) und noch weit danach sah es gut aus für die Hoffnungen der Fans auf eine neuerliche Überraschung. Bis in der Rotation beim Gegner wieder „Hugo“ am Aufschlag war. Statt 11:10 hieß es plötzlich 11:16, zumal die Gäste auch das Quäntchen Glück auf ihre Seite gezogen hatten und lange, spektakuläre Rallys für sich entschieden.

Neun Asse hatte „Hugo“ am Ende auf dem Konto, dazu viele Aufschläge mit Wirkung und insgesamt bei 29 Versuchen nur zwei Fehler. Die SVG war trotz großem Kampfgeist und Aufholjagd bis auf zwei Punkte (18:20) machtlos, 21:25 und 1:2 nach Sätzen. Bis zur Mitte von Durchgang vier (11:12) blieb das Match offen, doch nun legte plötzlich Kirill Klets eine demoralisierende Aufschlagserie hin. Der russische Diagonale, am Ende bester Scorer (21 Punkte) vor Hugo (18), packte vier Asse in Serie vom 11:14 auf 11:17 aus und schmetterte noch ein paar Angriffspunkte hinterher. Einige LüneHünen ließen nun ganz ungewohnt Anzeichen von Resignation erkennen – doch wen wundert‘s? Der Gegner war in einem Flow, mit dieser Wucht und diesem unerschütterlichen Selbstvertrauen einfach nicht zu stoppen.

Auch Niederlagen können lehrreich sein

„Das tut extrem weh“, machte Baxpöhler kein Hehl aus seiner Enttäuschung, „wir müssen das jetzt schnell abhaken und am Mittwoch alles dafür geben, dass wir wieder punkten können.“ Und der sonst in der Annahme stets herausragende Libero Tyler Koslowsky, der dieses Mal nur auf eine Quote von 33% abgewehrter Bälle kam, war gefrustet: „So einen harten Job hatte ich noch nie, seit ich hier bin. Aber besser heute als im Pokalfinale oder in den Playoffs.“

Auch der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger sah nicht nur Negatives: „Diese Niederlage wird uns mit Sicherheit auch weiterbringen, an solchen Spielen kann man wachsen. Man kann ja schließlich nicht erwarten, dass Lüneburg jetzt immer nur gewinnt. Aber aus Spielen auf diesem hohen Niveau lernt man auch bei Niederlagen.“ Und auch Trainer Stefan Hübner sah keinen Grund, Trübsal zu blasen: „Wir werden dieses Spiel – wie jedes andere auch – nüchtern und unspektakulär aufarbeiten. Ärgerlich ist, dass wir völlig unsere Linie verloren haben, weil wir zu sehr beeindruckt waren von den Aufschlägen und Assen. Vor dieser Qualität Hachings muss man den Hut ziehen, das war wahnsinnig schwer für die Annahme. Aber die große Herausforderung ist dann, sein eigenes Spiel zusammenzuhalten – bei uns hat sich stattdessen die Eigenfehlerquote ständig erhöht.“

Die SVG spielte mit: Kessel, Schlien, Baxpöhler, Szeto, Scater, Schriemer, Koslowsky; eingewechselt: Pompe, van Solkema, Krage