
Im Dschungel lauert immer Gefahr
SVG will Schlusslicht Freiburg nicht unterschätzen
Auf in den Dschungel: Im dritten Bundesliga-Auswärtsspiel in Folge muss die SVG Lüneburg am Mittwoch (20 Uhr) bei der Freien Turnerschaft (FT) Freiburg in der stets stimmungsvollen „Act-Now-Halle“, genannt „Dschungel“, antreten. Trotz dieser besonderen Atmosphäre holten die LüneHünen dort – wie überhaupt gegen die Breisgauer – bisher stets drei Punkte. Das soll so bleiben. Die weite Tour in den Süden wird verbunden mit dem Pokalmatch am Sonntag in Friedrichshafen, der Reisetross macht nach dem Liga-Match einen dreitägigen Abstecher zum Olympia-Stützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg, bevor es dann weiter an den Bodensee geht.
Guter Dinge gingen die LüneHünen auf die Reise, der Formtrend geht nach oben, wenn auch nach dem Auftakt-0:3 trotz nun drei 3:0-Siegen noch nicht alles Gold ist, was glänzt. Chefcoach Stefan Hübner drückt es so aus: „Nach dem ersten Spiel, für dessen Ergebnis man viele Gründe heranziehen kann, stabilisiert es sich gerade ein bisschen. Und wir freuen uns auch, dass die Spieler selbst immer wieder kommen und an der oder anderen Sache noch arbeiten wollen. Da gibt es immer noch Sachen, bei denen die Abstimmung noch besser werden kann.“
Freiburg dagegen hat den Start mit drei 0:3-Schlappen, begonnen beim VCO Berlin, völlig vergurkt. Ernüchternd war schon die vergangene Saison für die Süddeutschen, die im Jahr zuvor noch als 7. in die Playoffs eingezogen waren. Fünf Punkte fehlten dazu nun als 9., nicht zuletzt durch ein Nachlassen in der entscheidenden Phase: In den letzten vier Hauptrundenspielen gab es durchweg Niederlagen. Und in den Wochen und Monaten zuvor hatte die „Affenbande“, wie sich die Mannschaft einst selbst getauft hat, viel Verletzungspech.
Erster größerer Umbruch mit Startschwierigkeiten
„Herausfordernder geht es kaum“, zog deshalb schließlich auch der langjährige Co-Trainer Wolfgang Beck Bilanz. „Es kam eigentlich nie Rhythmus auf“, beklagte er wochen- bis monatelange Ausfälle gleich mehrerer Stammspieler: Diagonalangreifer Brendan Mills, Zuspieler Fabian Hosch, die Mittelblocker Liam Kristjanson und Charles Figy, Außen Anton Jung und Libero Timothy McIntosh. In der Tat alles Leistungsträger. Drei von ihnen sind nun gar nicht mehr da. Mills, Kristjanson und McIntosh gingen, dazu beendeten die Urgesteine Fredrik Frisch und Lorenz Rudolf ihre Karrieren – ungewöhnlich viel Fluktuation bei der FT. Im Jahr zuvor ging nur ein Duo.
Kontinuität herrscht weiter auf dem Trainerposten, Chefcoach Jakob Schönhagen verlängerte seinen Vertrag um drei Jahre. Der 37-Jährige ist bereits seit 2017 im Amt. Bei der schwierigen Besetzung des Posten als Hauptangreifer fand er wieder eine überraschende Lösung: Yvo Lunsing heißt der vierte Diagonalangreifer in vier Jahren und dürfte wohl ebenso nur Insidern bekannt sein wie zuletzt Brendan Mills, der auf den überragenden Kevin Kobrine folgte.
Lunsing gehört zum erweiterten Kreis der holländischen Nationalmannschaft, dort ist aber die Konkurrenz mit Spielern wie Nimir Abdel-Aziz, Michiel Ahyi oder Sil Meijs groß. So war er weder in der European League noch bei der EM dabei. Aber der 23-Jährige, der aus Apeldoorn kam, gehörte zuletzt zu den Top 5 der erfolgreichsten Scorer in der „Eredivisie“ und ist ein gefürchteter Aufschläger. An der Schwarzwaldstraße brauchte er eine Weile zur Eingewöhnung, am Wochenende glänzte er erstmals: 20 Punkte beim 0:3 gegen die Volley Goats Mitteldeutschland.
Japanischer Außenangreifer nach Verletzung wieder fit
Auch sonst setzt FT ganz auf entwicklungsfähige, junge Akteure. Außen bereichert ein weiterer Japaner die Liga. Takumi Kameyama (25) kam als Leistungsträger des finnischen Doublesieger Hurrkikaani Loimaa in den Breisgau. Im Mittelblock soll US-Boy Owen Rose (23) den Kanadier Kristjanson ersetzen, beides B-Nationalspieler. Rose wird als Toptalent gepriesen, war zuletzt für die Penn State University bester Blocker der gesamten College-Liga. Zudem sorgt er mit druckvollen Sprungaufschlägen für Gefahr. Beide fielen aber wochenlang verletzt aus, Kayama feierte immerhin am Wochenende schon ein Kurzdebüt.
Rose wird derzeit vertreten von Peer Lindemann (24), aus der 2. Mannschaft aufgerückt. Er kam im Jahr davor von den Volley Goats nach Freiburg. Der neue Libero ist mit Jonas Peter (23) ein Nationalspieler der Schweiz, der in der European League und bei der EM stets im Kader stand, aber noch mit wenig Spielzeit. Zweiter Zuspieler, auch schon ins kalte Wasser geworfen, wurde Phillip Seils (19), vom VCO Berlin gekommen.
Angesichts des erneuten Verletzungspechs ist es wenig verwunderlich, dass die Breisgauer – zumal bisher ausschließlich auswärts angetreten – noch am Tabellenende stehen. Doch das wird sicher nicht so bleiben, stehen doch auch genug Etablierte um das neue Kapitäns-Duo Yannick Harms und Charles Figy im Kader.
(hre)