Florian Krage, hier erfolgreich gegen Dorde Ilic, legte in Herrsching einen starken ersten Satz hin und blieb auch danach einer der Besten

Halbfinale perfekt!

LüneHünen bleiben hanseatisch cool

Triumph in Herrsching gleicht in vielen Dingen dem ersten dramatischen Viertelfinal-Duell

Halbfinale – zum 4. Mal in 7 Jahren Bundesliga! Die LüneHünen spielen weiter eine außergewöhnliche Saison, diese Mannschaft ist schon wieder über sich hinausgewachsen. Einem 3:2-Erfolg im ersten Playoff-Viertelfinale gegen die WWK Volleys Herrsching ließen sie auch auswärts einen 3:2 (25:21, 26:28, 25:22, 19:25, 15:13)-Sieg in einem nicht minder dramatischen Match folgen, stellten damit den Gesamtstand auf 2:0 und ersparten sich in der best-of-3-Serie einen dritten Vergleich. Die Rückreise erfolgte dennoch erst nach einer weiteren Übernachtung am Ammersee, die Triumphatoren hatten sich eine entspannte Nachtruhe redlich verdient. Und ein wenig gefeiert wurde sicherlich auch.

Nichts wirft die SVG aus der Bahn

Was war das noch einmal für ein verrückter Schlagabtausch, hochklassig und Nerven aufreibend wie am Mittwoch zuvor in der Gellersenhalle. Nerven aufreibend aber offenbar nur für die Fans, weniger für die Spieler um Kapitän Michel Schlien. Cool, selbstbewusst, von nichts aus der Spur zu bringen – so traten sie mit dem gewonnenen ersten Match im Rücken sofort wieder auf. Der starke, im ersten Satz sogar überragende Florian Krage (5 Punkte, 12 insgesamt) versenkte gleich mal einen Schnellangriff krachend, Zuspieler Gijs von Solkema – auch das ein Zeichen von Selbstbewusstsein – gönnte sich einen Punkt mit dem sogenannten zweiten Ball, ein weiterer Schnellangriff des späteren MVP Krage, und bis zur technischen Auszeit stand es schon 4:8.

Der Vorsprung wuchs bis auf 8:15, weil auch Jordan Ewert (4) und Viktor Lindberg (4) gleich wieder gut im Rhythmus waren. Herrsching blieb auf Distanz, auch als Trainer Max Hauser einen Personalwechsel vorgenommen und den überraschend zunächst auf der Bank schmorenden Jalen Penrose in den Diagonalangriff beordert hatte (für Jonas Kaminski). Als dann auch noch Jori Mantha zwei Angriffe wegen Übertritts abgepfiffen wurden und weitere leichte Eigenfehler der Bayern dazukamen, war der Eingangssatz für sie nach 26 Minuten weg.

Doch Penrose war nun auf Betriebstemperatur, wollte förmlich jeden Ball haben und bekam diese Forderung von Zuspieler Johannes Tille erfüllt. Die Folge: satte 13 Punkte inklusive 2 Assen in Satz zwei, Angriffs-Erfolgsquote überragende 67%. Doch die SVG ließ sich nicht ins Bockshorn jagen und hielt dagegen. Denn insbesondere Ewert (6), aber auch Lindberg (4) weiterhin sowie der eingewechselte Jannik Pörner (4) sammelten fleißig Punkte. Beim 23:23 (Block van Solkema) war alles wieder offen, beim 26:27 schließlich sogar der Satzgewinn nahe – doch nach langen Diskussionen ging der Punkt wegen einer vermeintlichen Antennenberührung des Balles dann an den Gegner. Mit einem Ass zum 28:26 legte Penrose nach, 1:1 also.

Penrose, immer wieder Penrose…

Die LüneHünen steckten es unbeeindruckt weg, übernahmen in Satz drei gleich wieder das Kommando – Krage beendete eine lange, heiß umkämpfte Rally mit dem 0:1. Im Gegensatz zum ersten Match blieben solche epischen Ballwechsel dieses Mal allerdings im Rahmen. Zwar glänzten beide Teams mit hohem Einsatz und spektakulären Rettungstaten in der Feldabwehr, viele Angriffe aber kamen schnell zum Abschluss – besonders bei Herrsching durch Penrose, der nicht lange fackelte und auch in diesem Satz ordentlich zuschlug (8 Punkte).

Jedoch: Die LüneHünen waren in ihren Angriffsaktionen schwerer auszurechnen, kamen auch häufig durch die Mitte zum Zug. Die Punkte verteilten sich vor allem auf Krage (5), Ewert und Pörner (je 3), während Lindberg nun viel mit Annahmen eingedeckt wurde. Aus einem 4:8-Rückstand wurde so erst ein 10:10, dann ein 16:14 bis zur zweiten technischen Auszeit. Diese Führung gab die SVG nicht mehr her. Pörner verwandelte den Satzball, der Druck auf die Bayern war gewachsen nach der Niederlage im ersten Spiel und dem 1:2-Satzrückstand nun.

Doch die Aufs und Abs wie im ersten Duell gab es auch dieses Mal. Nun war das Team im Lederhosen-Look wieder am Zug, erhöhte den Aufschlagdruck und variierte seine Angriffe, während der wie aufgedreht spielende Penrose mal halblang machte und „nur“ 5 Punkte sammelte. Über 8:5 und 16:13 ging es auf die Crunchtime zu, die SVG kam einfach nicht mehr heran. Und Johannes Tille sorgte dann mit zwei Assen in Folge für den 2:2-Satzausgleich und wieder den Tiebreak.

Die Bayern wähnten sich im Vorteil, doch van Solkema zog ihnen gleich den Zahn, servierte zwei Aufschläge mit Wirkung und ein Ass – 0:3, Auszeit Herrsching. Dort war offensichtlich die Ansage, wieder Penrose mehr einzubinden. Und der bekam nun fast jeden Ball und packte tatsächlich noch einmal 6 Punkte zum grandiosen Endergebnis von 35 Punkten drauf. Dennoch hieß es beim Seitenwechsel 8:5 für die SVG. Erst als MVP Penrose per Ass auf 10:9 verkürzte, wurde es nochmal eng, das nächste Service aber setzte er ins Aus.

Schliens Block macht den Sack zu

Bei den LüneHünen ging nun der erstmals eingewechselte Theo Mohwinkel überraschend zur Aufschlaglinie. Und der 18-Jährige zeigte keine Nerven, servierte gut wie schon bei seinem Bundesliga-Debüt jüngst in Friedrichshafen und Penrose schmetterte ins Aus. 12:9, nächste Auszeit Herrsching. Bald danach stand es nur noch 13:12, als Ewert von einem Dreierblock eingefangen wurde. Doch den nächsten Punkt machte Ewert, 14:12, zwei Matchbälle. Herrschings Alleinunterhalter Penrose wehrte den ersten noch ab, 14:13. Dann wurde auch Lindberg bei gleich drei Angriffsversuchen geblockt, doch Michel Schlien, gerade erst seinen Vertrag bei den LüneHünen verlängert, blockte Penrose ebenso – Satz und Sieg für die SVG nach 133 Minuten Netto-Spielzeit und -Kampf.

„Das war so ziemlich die Kopie vom ersten Spiel, nur auf etwas besserem Niveau – und am Ende haben wir es hanseatisch cool für uns entschieden“, kommentierte Trainer Hübner augenzwinkernd den umjubelten Triumph, der „auf jeden Fall ein bisschen“ dann auch gefeiert wurde. Seine mutige Entscheidung, im Tiebreak noch Youngster Mohwinkel zu vertrauen („ohne Vorwarnung“), begründete er gelassen: „Morgens bei der Trainingseinheit hier hat er schon gut aufgeschlagen, wie überhaupt zuletzt immer im Training. Außerdem ist er noch völlig unbekümmert und denkt in so einer Situation nicht groß nach.“ Wie der Youngster, machte auch die SVG einfach ihr Ding und steht nun nach 2015, 2016 und 2019 erneut im Halbfinale.

SVG: Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Pörner, Gerken, Craft, Mohwinkel.

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