Grenzenloser Jubel über den Finaleinzug auch beim Cheftrainer Stefan Hübner (vorne links). Neben ihm Joe Worsley, rechts Arthur Nath.

Guter Schachzug mit Nath und van de Kamp

Überragender Ewert führt SVG zum 3. Mal ins Pokalfinale

Spannung, Drama, Emotionen: Willkommen im Theater der höchsten Volleyball-Gefühle – dieses Mal in der LKH Arena, früher in der Gellersenhalle oder in der CU Arena Hamburg. Wenn die SVG Lüneburg ein Heimspiel im Halbfinale des DVV-Pokals hat, dann liefert das alle Höhen und Tiefen einer außergewöhnlichen Aufführung. Aber Drama, das können die LüneHünen einfach! Und deshalb stehen sie nach einem 3:2 (28:30, 25:19, 20:25, 25:18, 15:10) in 126 Minuten gegen die WWK Volleys Herrsching zum dritten Mal nach 2015 und 2019 im Finale.

Schon Beginn nichts für schwache Nerven

Schon der erste Satz hatte alles, um die Nerven der 652 Fans – darunter auch einige aus Bayern – nachhaltig zu strapazieren. Denn lange sah es nach einer beruhigenden 1:0-Führung aus, doch nach vier vergebenen Satzbällen der SVG verwandelten die Gäste ihren dritten zum 28:30. Was für ein Kampf. SVG-Trainer Stefan Hübner setzte dabei wieder auf Pearson Eshenko im Mittelblock (statt Michel Schlien), und Außen kam etwas überraschend Auke van de Kamp für Arthur Nath in die Starting Six.

Ein Schachzug, der sich als goldrichtig erweisen sollte, zum einen, weil der Holländer in den beiden bisherigen Saisonduellen gegen Herrsching, einmal nach Einwechselung, überzeugt hatte. Zum anderen, weil Nath zuletzt etwas schwächelte. Vor allem aber war der Brasilianer auf diese Weise ein wichtiges Faustpfand für eine Einwechslung im – ungewohnten – Diagonalangriff, ohne sich während des Matches umstellen zu müssen. Denn diagonal hatte die SVG ein Problem: Jannik Pörner war mit Rückenschmerzen nicht spielfähig, wenngleich auf der Bank. Tim Stöhr, der dort auch spielen kann, war nach gerade überstandenen Rückenproblemen nicht topfit. Richard Peemüller war also einziger Mann für die Position des sogenannten Hauptangreifers.

Die Umstellungen schienen zu fruchten. Eshenko (3) und van de Kamp (5) waren gut im Spiel, die Hausherren legten ein 10:7 vor, führten bis in die Crunchtime, weil auch Dalton Solbrig (4) im Mittelblock fleißig punktete. Und weil vor allem Jordan Ewert (9) Herrsching das Fürchten lehrte, hieß es bald 24:22. Doch die Süddeutschen hatten dieses Mal, im Gegensatz zum Punktspiel zweieinhalb Wochen vorher, all ihre Kampfkraft mitgebracht und – siehe oben – holten sich diesen Satz noch.

Jordan Ewert auch im Block bockstark

Die SVG ließ sich aber nicht beirren und riss in Durchgang zwei das Spiel energisch an sich. Zwar tauchte van de Kamp ab und Peemüller immer noch nicht auf (2 Punkte, zuvor 1), dafür war Irrwisch Ewert überall und machte 8 Punkte – 4 davon bemerkenswerterweise mit Blocks -, brachte Herrschings Angreifer in der Mitte und Außen zum Staunen. Zudem punkteten Eshenko und Solbrig weiter zuverlässig, so dass die LüneHünen über 11:7 und 17:11 auf 21:14 davonzogen. Den Satzball zum 25:19 machte, klar, Ewert.

Abschnitt drei lief genau anders herum. Aus einem knappen Verlauf wurde eine klare Angelegenheit für die Bayern, aus einem 8:7 ein 8:12 und dann ein 9:14. Der starke Kapitän Tim Peter (7) und Diagonalangreifer Samuel Jeanlys (5) waren nun am auffälligsten und fanden auch das richtige Timing, mal Ewert zu blocken. Zudem gelangen Herrsching 3 Asse. Bei der SVG war inzwischen der in Satz zwei schon einmal kurz eingewechselte Nath dauerhaft für Peemüller auf dem Feld, führte sich mit einem Ass ein und machte zwei weitere Punkte, die Selbstvertrauen gaben. Der Satz war jedoch weg, 1:2.

Erneut kam das Team um den in der Annahme starken Libero Tyler Koslowsky (50%) zurück, nun angeführt von Nath. Herrsching konnte mit dem Brasilianer auf Diagonal gar nichts anfangen, 7 seiner 9 Angriffe verwandelte er und servierte auch noch ein Ass. Und da auch Ewert nun wieder unwiderstehlich war (6), brachen die Gäste ein. Sonst verstricken sie sich in solchen Situationen gerne in lange und heftige Diskussionen mit den Schiedsrichtern, das war dieses Mal mit dem unfehlbaren Challenge-System nicht möglich. Die im Match häufig beantragten Video-Beweise beider Teams brachten insgesamt nur eine zu korrigierende Entscheidung der Referees. So ging es über 12:8 und 18:12 zügig dem Satzausgleich entgegen.

Im Tiebreak steht die Halle Kopf

Tiebreak also. Bei Herrsching stemmte sich vor allem Kapitän Peter (4) gegen das Aus der Endspielträume, bei der SVG war wieder einmal – wie so oft im 5. Satz – die Entschlossenheit bei Ewert besonders hoch (6). Als van de Kamp und der wieder einmal vorzügliche Zuspieler Joe Worsley hintereinander mit zwei Blocks die Führung auf 7:4 stellten, schien schon alles klar, doch der Gegner bäumte sich noch einmal auf. Dann aber zogen die LüneHünen von 8:7 auf 11:7 weg, u.a. mit einem Ass durch van de Kamp, das er vor dem Fanblock enthusiastisch abfeierte. Längst bejubelten die Zuschauer jede gute Aktion im Stehen, und als Nath dann nach einer langen Rally den Matchball versenkt hatte, gab es kein Halten mehr. Der Rest waren Jubel und Gesänge noch lange nach der Ehrung der MVP’s: Ewert natürlich mit seinen phantastischen insgesamt 32 Punkten und bei den Gästen Peter.

Die mehr als zwei Stunden Dramatik hatten auch Hübner alles abverlangt, völlig heiser sortierte der Coach das Gesehene: “Vieles, was am Sonnabend gegen Frankfurt nicht gut war – darunter auch mein Coaching – haben wir heute besser gemacht.” Moment – was war da mit Frankfurt? “Ich habe ja Ewert, obwohl er nicht schlecht war, im zweiten Satz auf die Bank geholt. Und ihn auch draußen gelassen, um ihn für heute zu schonen. Gegen Frankfurt hätte es ja auch ein langes Match werden können – zwei 5-Satz-Spiele wollte ich ihm nicht zumuten, da war er mir heute wichtiger. Jordi ist das Herz unseres Angriffsspiels.” Aber dann freute er sich, dass der Schachzug mit Nath diagonal aufgegangen war: “Wenn der Diagonalangreifer keinen guten Tag hat und es keine Alternative gibt, muss man mal mutig sein. Trainiert haben wir das vorher nicht extra. Außerdem hat auch van de Kamp das sehr gut gemacht heute, hat sich reingearbeitet, später auch die schweren Bälle gemacht und uns mal wieder mit seiner Emotionalität geholfen.”

Die SVG spielte mit (in Klammern die Punkte): Worsley (3), van de Kamp (14), Eshenko (10), Peemüller (3), Ewert (32), Solbrig (11); Koslowskiy. Eingewechselt: Schlien, Nath (12). – Herrschings Scorer: Peter (18), Mantha (16), Jeanlys (13), Ilic (9), Herr (7), van der Ent (6), Kaminski (3), Ferch (1).

NEWS aus der Szene

Während bei den Männern der Endspielgegner der SVG noch gesucht wird – das abgesagte Spiel Friedrichshafen gegen Berlin ist noch ohne neuen Termin –, steht bei den Frauen die Final-Paarung im DVV-Pokal schon fest: Der derzeitige Tabellenführer MTV Stuttgart schaltete den SC Münster mit 3:0 aus und trifft auf den aktuellen Meister Dresdner SC, der sich im Halbfinale mit 3:2 gegen den SC Potsdam durchsetzte.

Der Vorverkauf der Tickets für die Pokalfinals, eine Doppel-Veranstaltung am 6. März in Mannheim, war schon angelaufen, ist nun aber wegen der Corona-Pandemie und der unsicheren Zukunft erst einmal gestoppt. Sobald es die Lage zulässt, will der Verband weitere Kontingente freigeben. Die SVG gibt die Informationen dann umgehend auf all ihren Kanälen weiter.

Zu Deutschlands Volleyballern des Jahres wurden zum insgesamt vierten Mal Dürens Oldie Björn Andrae (40) und bei den Frauen zum fünften Mal in Folge Diagonalangreiferin Louisa Lippmenn (27, derzeit Savino Del Bene Scandicci/Italien) gewählt.

NEWS aus der Liga

Mit einem ungefährdeten Sieg im Nachholspiel gegen die Netzhoppers – ausgefallen am 21. November wegen Corona-Fällen bei KW – kam Frankfurt bis auf einen Punkt an den Tabellenzweiten Düren heran und hat noch zwei weitere Maches in der Hinterhand, um den Platz hinter Berlin zu erobern.

United Volleys Frankfurt – Netzhoppers KW-Bestensee 3:0

(25:19, 25:18, 25:17)

65 Min., 318 Zuschauer

MVP: Tsuiki (Ide) – Timmermann

Beste Scorer: Schöps (20), Staples (12), Lindberg (10) – Timmermann (11), Kaibald (8), Schulz (7)

SVG intern

Die LüneHünen samt Trainerteam und Staff sowie die Vereinsführung und Mitarbeiter der Geschäftsstelle wünschen allen Gönnern, Fans und Freunden eine Frohe Weihnacht, besinnliche und ruhige Tage.

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