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Frankfurt bekommt keine Lizenz mehr

Bittere Pille für die ganze Volleyball-Bundesliga

Es köchelte schon länger vor sich hin, jetzt ist der Siedepunkt erreicht: Die Volleyball-Bundesliga (VBL) hat entschieden, dass die United Volleys Frankfurt keine Lizenz für die neue Saison 2022/23 in der Volleyball-Bundesliga der Männer bekommen. Die Liga, die gerade erst Zuwachs durch den turnusgemäßen Aufstieg (alle zwei Jahre) des Internatsteams VC Olympia Berlin bekommen hatte, schrumpft damit wieder auf neun Vereine.

„Die beauftragte Spielbetriebsgesellschaft United Volleys GmbH konnte die erforderliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch nach Einräumen mehrerer Nachfristen nicht nachweisen“, gab VBL-Geschäftsführer Daniel Sattler die Entscheidung bekannt. Der Lizenzierungsausschuss habe in den zurückliegenden Wochen seinen Ermessensspielraum voll ausgeschöpft. Die Erteilung der Lizenz sei insbesondere nicht möglich gewesen, weil die erforderlichen Einnahmenachweise für die Saison 2022/23 nicht hinterlegt werden konnten.

Fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit

Näher erläutern wollte das die VBL aufgrund der Vertraulichkeit des wirtschaftlichen Lizenzierungsverfahrens nicht. Wie leer die Kassen aber wohl sind, deutet ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) an: „Tim Zimmermann, der Volleyball-Abteilungsleiter der TG Rüsselsheim, die den Volleys ihre Bundesligalizenz zur Verfügung stellt, erklärte, dass der eigene Verein noch auf die fälligen Gebühren dafür warte“. Eine Kommunikation mit United-Geschäftsführer Alexander Korosek habe es seit zwei Monaten nicht mehr gegeben.

Und in einem späteren Artikel der FAZ heißt es: „In der vergangenen Saison hatten die Corona-Hilfen den Volleys noch über die höchsten finanziellen Hürden geholfen. Spieler und Trainer wurden regelmäßig bezahlt, andere Mitarbeiter und Dienstleister sollen noch auf größere Summen warten. Auch Fans, die während der Pandemie Tickets für Spiele erwarben, die dann gar nicht oder ohne Zuschauer ausgetragen wurden, sollen noch keine Rückerstattungen erhalten haben“.

Die jetzt getroffene Entscheidung der VBL genehmigte der Aufsichtsrat gemäß Ziffer 2.2 Lizenzstatut. Da der Verein auf Rechtsmittel gegen die Entscheidung verzichtete, ist sie rechtskräftig. Inwieweit sich der schon erstellte Bundesliga-Spielplan noch ändert und die Entscheidung noch auf die ausgeloste 1. Runde im DVV-Pokal auswirkt, soll zeitnah entschieden werden. Die United-Spieler wurden unterdessen aufgefordert, sich nach neuen Vereinen umzuschauen. Einer, der dänische Neuzugang Oskar Kjerstein Madsen aus Toulouse, ist schon fündig geworden, geht nun zum rumänischen Double-Gewinner Arcada Galati.

In der Saison 2014/15 sicherte sich in der 2. Liga Süd die TG 1862 Rüsselsheim den Aufstieg und ging ab 2015 als United Volleys Rhein-Main mit einem völlig neu zusammengestellten, ambitionierten Team im 30 Kilometer entfernten Frankfurt aufs Feld der Fraport-Arena (heutiger Name: Ballsporthalle). Rüsselsheim war fortan als eingetragener Verein der Lizenzgeber für diese Spielbetriebs-GmbH. Erste Erfolge stellten sich schnell ein, der Zuspruch in der Hessenmetropole blieb bescheiden. Daran änderte auch die Umbenennung 2018 in United Volleys Frankfurt nichts.

Zuschauerzahlen im dreistelligen Bereich waren die Regel, auch bei Europacup-Teilnahmen. Mehr wurden es allenfalls mal in den Playoffs. Selbst der erste Titelgewinn des Vereins, der DVV-Pokal 2021, löste keine Euphorie aus. Das Fehlen von genug Sponsoren machte lange Vereinsgründer Jörg Krick, der Vater von Nationalspieler Tobias, wett. Diese Quelle ist auch versiegt. Seit dem Rückzug des Geschäftsführers 2020 versuchten die Nachfolger vergeblich, die Löcher mit neuen Sponsoren zu stopfen.

Schon in der vergangenen Saison wurde der Verein nach der Hauptrunde mit Punktabzügen bestraft, die zu einer schlechteren Platzierung in der Zwischenrunde und Änderungen der Playoff-Paarungen führten. United wurde der Viertelfinal-Gegner der SVG Lüneburg – der just zu dem Zeitpunkt Corona zu schaffen machte (0:3, 1:3). Frankfurt schied dann im Halbfinale gegen Berlin in vier Spielen aus.

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