SVG merzt den nächsten schwarzen Fleck aus

Ray Szeto beim 3:2-Triumph wie aufgedreht

Die LüneHünen haben gleich im ersten Match des neuen Jahres wieder gezeigt, wie stark sie in dieser Saison sind und haben da weitergemacht, wo sie 2018 aufgehört haben. Nach der knapp zweiwöchigen Pause landeten sie beim Rekordmeister VfB Friedrichshafen ihren achten Sieg im elften Spiel und kletterten zum Hinrundenabschluss der Hauptrunde mit einem 3:2 (25:22, 19:25, 29:27, 22:25, 15:13)-Erfolg auf Platz zwei.

Vom Bodensee hatte die SVG nie zuvor auch nur einen Punkt entführt, wieder ist ein schwarzer Fleck ausgemerzt – ein Zeichen auch an die Häfler: In sechs Wochen beim Pokalfinale in Mannheim bekommt Ihr nichts geschenkt. Dafür gibt es übrigens noch bis zum 25. Januar Tickets, eine gemeinsame Busfahrt und Fan-Utensilien (Trikot, Schal) zu ordern. Ein Bestellformular findet sich auch der Homepage.

 

VfB-Trainer Heynen muss viele harte Nüsse knacken

Die weiteste und beschwerlichste Anreise in der Bundesliga – zumal bei winterlichen, schwierigen Wetterverhältnissen im Süden – hat sich für die SVG und ihre etwa 30 Fans gelohnt. Wieder einmal lieferte das Team um den überragenden Raymond Szeto eine große Leistung ab. „Raimund“ war nie zu kontrollieren, punktete als bester Scorer 25-mal und wurde nicht zuletzt auch deshalb verdient MVP, weil er viele der ganz wichtigen Punkte machte.

Er, aber auch alle anderen LüneHünen, gaben VfB-Weltmeister-Trainer Vital Heynen (mit Polen) viele harte Nüsse zu knacken. Heynen reagierte früh mit den ersten Wechseln, brachte im Verlauf des langen Abends (Spielzeit: 2:26 Std.) insgesamt 13 Spieler zum Einsatz und konnte so doch nicht verhindern, dass die Häfler nur einen Punkt in der ZF Arena behielten und von der SVG in der Tabelle überholt wurden. Dennoch bilanzierte er: „Ich bin mit dem Spiel zufrieden, aber nicht so sehr mit dem Ergebnis. Aber angesichts unserer Verletzungsprobleme war unsere Leistung gut.“ Einige seiner Spieler waren nach Blessuren noch nicht wieder fit, Libero Markus Steuerwald musste nach dem ersten Satz raus (Schulter), seine Position übernahm der sonstige Außenangreifer David Sossenheimer. In der Starting Six stand auch der neue Zuspieler Rafael Redwitz.

 

Glänzender Start gibt SVG Selbstvertrauen

Den besseren Start erwischte die SVG, zeigte gleich, dass sie wild entschlossen war, auch vom Bodensee endlich mal etwas Zählbares mitzunehmen. Sie führten bei der ersten technischen Auszeit 8:3 und bauten den Vorsprung bis auf 16:9 aus. Die defensive Blockarbeit und die Feldabwehr um den wieder einmal starken Libero Tyler Koslowsky (61% positive Annahmen, 39% perfekt) waren in dieser Phase einfach vorzüglich. Doch der Abstand schmolz wieder zusammen (16:14), der VfB glich sogar aus (18:18). Aber die SVG schlug zurück (21:18) und machte den Satz mit zwei Szeto-Schmetterbällen zu.

In Abschnitt zwei kamen die Hausherren mit stark verbesserter Feldabwehr und effektiverem Blockspiel besser zum Zug, führten bei der ersten technischen Auszeit 8:5 und drehten einen zwischenzeitlichen Rückstand (9:10) umgehend. Denn die SVG machte zu viele Fehler im Aufschlag, ließ im Angriff gute Chancen liegen und ließ sich einige Male von der Cleverness des VfB düpieren: Insbesondere Athanasios Protopsaltis, Wirbelwind im Außenangriff, schlug immer wieder geschickt den Block so an, dass der Ball ins Aus abprallte – 25:19, Satzausgleich.

Heynen wechselte weiter munter durch. So blieb Mittelblocker Jakob Günthör, der das Duell gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Noah Baxpöhler klar verlor, auf der Bank. Und Satz drei wurde dramatisch. Friedrichshafen drehte ein 7:9 in ein 12:9 um und zog auf 16:11 davon, doch spätestens nach dem 18:18 war alles wieder offen. Die SVG legte dann mehrfach vor, der VfB glich immer wieder aus – und schien beim 23:22 das Glück auf seine Seite zu ziehen. Aber so leicht sind die LüneHünen nicht umzustoßen. Vier Satzbälle wehrten sie ab und verwandelten schließlich selbst ihren ersten durch Ryan Sclater zum 29:27. Der frisch gebackene Vater war nach seinem Fehlen im letzten Spiel gleich wieder zweitbester Punktesammler (15), aber nicht so effektiv wie sonst. Aber der erste, von der SVG so ersehnte Punkt war nun gebucht.

 

Alle drei Punkte sogar möglich

Und es lag in der Luft, dass noch wesentlich mehr möglich war. Satz vier brachte dank der aufdrehenden Noah Baxpöhler (13 Punkte) und Michel Schlien (11) über weite Strecken eine Führung (8:7, 12:10, 15:14, 20:18). Beide blockten hervorragend und verwandelten ihre Schnellangriffe traumwandlerisch sicher. Doch beim Gegner punktete Protopsaltis aus nahezu jeder Position und mit jeder Schlagvariante (18). Und Außen Michal Petras sowie der Diagonale Bartlomiej Boladz wurden immer besser. Boladz war schließlich bester VfB-Scorer (20 Punkte) vor Silber-MVP Protopsaltis (18). Der Slowake Petras, im Saisonverlauf noch nicht herausragend, kam noch auf 17 Punkte, obwohl er erst im dritten Satz eingewechselt wurde. So glich der VfB zum 20:20 aus und sorgte schließlich mit einem 25:22 für den Gleichstand und Tiebreak.

Da führten die LüneHünen schnell 5:2 und speziell Szeto war nun nicht mehr zu bremsen, nachdem der VfB wieder herangekommen war (5:4). Vor allem er und Baxpöhler bauten den Vorsprung wieder aus (11:6), der VfB kämpfte sich erneut heran (12:10), doch Sclater und Baxpöhler stellten auf 14:10. Aber erst der vierte Matchball brachte die Entscheidung, als Boladz seinen Aufschlag ins Netz setzte.

3:2 – was für ein Statement der LüneHünen vor dem nahenden Pokalfinale! Urteile wie gerade vom „Volleyball Magazin“ wird es nun wohl öfter geben: „Der Favoritenschreck hat wieder zugeschlagen! Die SVG Lüneburg gewinnt knapp in einem hart umkämpften Match gegen den VfB Friedrichshafen – und zeigt, dass man sie im DVV-Pokalfinale in Mannheim auf jeden Fall auf dem Zettel haben sollte!“

 

Häfler sind vor dem Pokalfinale gewarnt

Chefcoach Stefan Hübner strahlte schon während des Matches große Ruhe und Zuversicht aus, blieb aber nach dem Triumph trotz aller Freude kritisch: „Vieles war gut, zum Beispiel die Block-Abwehr und auch die Angriffe über die Mitte. Es gab aber auch Phasen mit zu vielen Fehlern, in denen wir uns das Leben selbst schwer gemacht haben. Dann wieder haben wir von deren Fehlern profitiert. Und man darf nicht vergessen, dass sie einige Verletzungsprobleme hatten. Davon haben wir sicher auch profitiert.“ So schärft man die Sinne seiner Mannen, sich nicht zufrieden zurückzulegen, sondern weiter konzentriert an Verbesserungen für die nächsten Schritte zu arbeiten. Am kommenden Wochenende geht es erst einmal zum schweren Spiel nach Frankfurt.

Die SVG spielte mit: Szeto, Schriemer, Schlien, Baxpöhler, Sclater, Kessel, Koslowsky; eingewechselt: Pörner, van Solkema, Pompe.