Ohne Drama geht es für die SVG Lüneburg nicht

Düren mit 3:1-Sieg abgeschüttelt – Rottenburg wird nun am Sonntag ebenso ernst genommen

Wer bei diesem Match nicht dabei war, hat einiges versäumt – aber auch erheblich seine Nerven geschont. Wieder einmal haben die LüneHünen die Besucher mit einem dramatischen Match auf die Folter gespannt und in ein Wellental der Gefühle gestürzt. Unter dem Strich steht ein Happyend nach dem 3:1 (14:25, 26:24, 25:23, 25:20)-Heimerfolg der SVG gegen die powervolleys Düren. Ein enorm wichtiger Sieg, der den Abstand zu dem Rivalen auf sieben Punkte anwachsen ließ und der am Wochenende nun sogar noch größer zu werden verspricht. Denn Düren spielt gegen Friedrichshafen, die SVG muss zum Tabellenvorletzten TV Rottenburg (Sonntag, 17 Uhr/Stream auf sporttotal.tv).

 

Lautstarke Fans holen Mannschaft aus dem Loch

Dieser 11. Saisonsieg im 16. Spiel gehört zu einem großen Teil den Fans, die mit ihrer nie erlahmenden Unterstützung, gefühlt lautstärker denn je, für den Umschwung in einem Spiel sorgten, das schon verloren schien. Denn die Mannen von Chefcoach Stefan Hübner hatten wohl noch das Aufschlag-Gewitter vom 1:3 gegen Haching in den Köpfen und zeigten einen ersten Satz zum Vergessen.

Bei Düren unterstrich der bullige Diagonalangreifer Sebastian Gevert, warum er mit großem Abstand an der Spitze der Bundesliga-Topscorer steht, machte für sein Team gefühlt jeden Punkt und sorgte zunehmend für Verunsicherung bei den LüneHünen und lähmendes Entsetzen im Publikum. Denn bei der SVG schnellte nach passablem Beginn die Fehlerquote in die Höhe und derart viel ging schief, dass sich schon manch einer wünschte, das Licht möge ausgehen und dauerhaft ausfallen.

Nach einem 6:8 bei der ersten technischen Auszeit wuchs der Rückstand für die SVG auf 6:12, eine Aufschlagserie von Adam Schriemer brachte kurz Besserung (10:12), ehe die Gäste endgültig davonzogen (10:15, 12:20). Dann kam Matthias Pompe (für Ray Szeto), um der SVG neues Leben einzuhauchen – was mit großer Verzögerung schließlich gelang. Zunächst einmal boten nur Florian Krage (für Michel Schlien in der Starting Six) mit guten Blockaktionen und wirkungsvollen Aufschlägen sowie der verlässlich punktende Cody Kessel – später bester Scorer mit 19 Punkten und auch erneut MVP – Paroli.

 

Eineinhalb Sätze zum Vergessen

Das änderte sich auch in Durchgang zwei zunächst nicht wirklich. Beim 1:6 kam Jannik Pörner für Ryan Sclater, der Abstand wuchs dennoch auf 4:11 und 7:13. Eine Aufschlagserie von Krage führte zum Anschluss (12:14) und nun blieb es so knapp. Beim 19:21 kam noch Schlien für Noah Baxpöhler und ein Monsterblock von Kessel gegen Gevert zum 20:21 war das letzte, entscheidende Signal zur Wende. Gevert verlor zunehmend seine Selbstsicherheit, die Gellersenhölle kochte, beim 23:22 ging die SVG erstmals in Führung und verwandelte dann durch Pörner den zweiten Satzball.

Die ungewohnte Aufstellung blieb auch nach der 10-Minuten-Pause auf dem Feld und sorgte tatsächlich nun für ein ganz anderes Bild. Düren geriet mehr und mehr unter Druck und verlor seine Linie, die LüneHünen waren wieder auf gewohntem Niveau. Über 7:8 und 16:13 bei den technischen Auszeiten ging Satz drei knapp an die Gastgeber, Abschnitt vier blieb zunächst umkämpft, ehe erneut Krage eine Aufschlagserie von 9:10 auf 15:10 hinlegte und der kraftloser werdende Gevert sich zunehmend entnervt zeigte. Zwei Aufschläge ins Netz ließen die Gäste schließlich ernüchtert die Heimreise antreten.

„Das war anfangs eine ganz, ganz schwere Situation für die Mannschaft“, analysierte Hübner, „ein Riesen-Kompliment an die Leute, die ich eingewechselt habe. Sie haben für den Umschwung gesorgt, haben den Schlüssel gefunden, dass die Mannschaft wieder ins Spiel gekommen ist und die Zuschauer mitgenommen hat.“ Einer dieser Protagonisten, Jannik Pörner, sah es sogar so, dass die Mannschaft von den Fans ins Spiel geholt wurde: „Die Welle kam vom Publikum aufs Feld rüber, die haben uns krass gepusht.“ Und auch der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger gab den Fans einen großen Anteil am Erfolg: „Großes Kompliment an die Zuschauer, diese Unterstützung war klasse. Ich hatte mir zwischendurch schon überlegt nachzuschauen, ob ich meine Badehose eingepackt hatte – so, wie wir geschwommen sind.“

 

Rottenburgs dritter Sieg ist Warnung genug

Schlesinger blickte auch gleich wieder voraus auf die nächste Aufgabe am Sonntag bei Kellerkind Rottenburg: „Dieses Spiel gehen wir an wie jedes andere auch und wollen da natürlich die Punkte mitnehmen. Wir wollen ja nach der Hauptrunde unter den ersten Vier landen.“ Und dafür sollte man in so einem Match tunlichst einen Ausrutscher vermeiden. Warnung genug ist da sicher, dass Rottenburg gerade seinen dritten Saisonsieg landete (3:2 in Bestensee), obwohl mit dem Diagonalen Alex Duncan-Thibault (Sprunggelenk) und Weltenbummler Lima Martins Idner („Idi“, Fingerbruch) zwei Leistungsträger fehlen.

Zu sehen gibt es auch dieses Match wieder im Public Viewing in der Grill-Taverne „Alexander der Große“ bei Stelios in Kirchgellersen.

Gegen Düren spielte die SVG mit: Kessel, Szeto, Sclater, Krage, Baxpöhler, Schriemer, Koslowsky; eingewechselt: Pompe, Pörner, Schlien, van Solkema.