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Eindrücke, die nachhallen

Länderspiel-Premiere eine rundum runde Sache

Auch wenn Volleyball-Highlights in der LKH Arena zuletzt keine Seltenheit waren: Die Länderspiel-Premiere in Lüneburg sorgte für Momente, die wohl lange in Erinnerung bleiben. Als Georg Grozer am Samstag um 21:29 Uhr den Matchball zum 16:14 im Tiebreak verwandelte, lagen nicht nur zweieinhalb Stunden Volleyball-Action hinter beiden Teams und den 3200 Fans in der seit Monaten ausverkauften Arena.

Das „Erlebnis Länderspiel“ begann für viele schon vor der Arena: Die bestens besuchte Fanmeile lockte mit Spiel & Spaß, Gewinnspiel und Snacks. In der Halle folgten nach Spielende besondere Momente beim Nationalteam-Abschied von Lukas Kampa und Christian Fromm. Während die beiden DVV-Legenden die eine oder andere Träne verdrückten, gab es kurz darauf unzählige strahlende Gesichter. Denn Georg Grozer und Tobias Brand ließen sich von der langen Schlange bei der Autogrammstunde nicht abschrecken, sondern zogen gut gelaunt und fan-nah durch – bis kurz vor 23 Uhr, 1,5 Stunden nach Spielende. Derweil: Zufriedene Gesichter allerorten. DVV, SVG, Teams, Fans – dieses Länderspiel-Highlight an der Ilmenau machte alle glücklich. Und für einen Teil des Teams, der den Abend in der Innenstadt ausklingen ließ, gab’s noch etwas „Lüneburg-Gefühl“ obendrauf.

Stimmen zum Spiel:

Florian Krage (DVV und Ex-LüneHüne): “Wir sind nach Kienbaum alle etwas fertig. Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht, auch wenn zwischendurch etwas die Luft raus war. Dann haben wir uns gesagt: ‘Jetzt haben wir endlich mal ein Länderspiel in Lüneburg und wollen die Halle nochmal anzünden.’ Das hat dazu geführt, dass wir nochmal Energie freisetzen konnten – und auch viel zurückbekommen haben. Es ist beeindruckend, wie sich der Standort Lüneburg entwickelt. Für mich ist es wie ein zweites Zuhause, weil ich lange hier war – und schön, dass die Fans auch wieder für einen klatschen. Es macht Spaß, dass unabhängig vom Verein der deutsche Volleyball unterstützt wird. Wir als Team haben gesehen, woran wir arbeiten müssen – und ich bin zuversichtlich, dass wir das mit den nächsten Testspielen gut hinkriegen.”

Ferre Reggers (Belgien): „Zuallererst: Eine wahnsinnig tolle Halle, ein richtig tolles Publikum! Wie sie Stimmung gemacht und auch uns, nicht nur das deutsche Team, unterstützt haben, hat es zu einem Erlebnis gemacht. Für uns war das die perfekte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft: Wir konnten gegen ein richtig gutes Team spielen. Wir haben uns in diesen zwei Spielen stark präsentiert, nehmen viel Selbstvertrauen mit.”

Jan Zimmermann (DVV-Zuspieler): „Wir haben es geschafft, das Publikum mitzunehmen. Wir sind sehr happy, es war sehr schön hier. Ich hab’ noch nie hier gespielt – nur in der Gellersenhölle, aber das ist schon ein bisschen her. Ich glaube, eine bessere Volleyball-Arena habe ich selten gesehen. Wenn hier 1000 mehr reinpassen, wären 1000 mehr gekommen. Es war mega! Die Fans haben uns so gepusht … Ich glaube, auswärts wäre es schwieriger geworden, zu gewinnen – danke ans Publikum! Für die WM haben wir einen Schritt nach vorn gemacht, brauchen aber noch ein bisschen, sowohl physisch als auch in der Abstimmung.”

Theo Mohwinkel (DVV und Ex-LüneHüne): „Der Fokus war nicht das beste Ergebnis, sondern wir hatten uns in Kienbaum gut vorbereitet, hart trainiert. Daher war klar, dass es nicht zu 100 Prozent sauber wird, was wir hier machen. Nichtsdestotrotz war es super, die Atmosphäre hier mitzunehmen und vor deutschen Fans abzufeiern. Und dass wir ein Spiel gewinnen konnten, war super. Die Halle wurde nochmal besser mitgenommen als am Freitag – der Ruf der LKH Arena hat sich schon rumgesprochen. Wenn man das auch als Nationalmannschaft so genießen kann, ist das super!”

… und wie war es, als zum Nationalteam-Spiel plötzlich der vertraute SVG-Bus in Kienbaum vorfuhr?
“Ich habe mich nicht auf meinen Platz gesetzt – die Reihe hat Georg für sich beansprucht, da hatte ich wenig mitzureden (lacht). Aber meine Busfahrer waren da … schön, es war heimisch.”

Äußerst zufrieden war auch DVV-Präsident Markus Dieckmann, an beiden Tagen zu Gast: „Ich war ja schon vor Monaten begeistert, als das Länderspiel innerhalb weniger Minuten ausverkauft war. Und nun sogar zweimal eine volle Halle – unglaublich. Und dann diese Atmosphäre! Wir sind sicher nicht das letzte Mal hier. Aber auch andere Bundesligisten haben Interesse, ein Länderspiel auszurichten. Wir haben als Ziel, dass im Jahr je zwei für Damen und Herren in Deutschland stattfinden.“

Auch sportlich stimmte es, zumindest der zweite Auftritt bot klasse Volleyball. Die Statistik unterstreicht es mit u. a. 10 Assen (Belgien 7) und 10 Kill-Blocks (Belgien 5) und mit einer Angriffsquote von 56 Prozent (Belgien 52), wobei im DVV-Team nicht nur Georg Grozer begeisterte (55 %), auch Erik Röhrs, Tobias Brand und Florian Krage verzeichneten über 50 %, Anton Brehme sogar 70 %. Dennoch sah Bundestrainer Michal Winiarski drei Wochen vor dem ersten WM-Auftritt gegen Bulgarien (13. September, 11.30 Uhr deutscher Zeit) nach dem 3:2 noch Luft nach oben: „Jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt, um topfit zu sein. Aber wir haben heute alles gegeben – nicht nur für den Sieg, sondern auch für die Fans.“

Für die Spieler waren die Tage hier quasi der Abschluss eines dreiwöchigen Trainingslagers in Kienbaum, aus Lüneburg ging es in einen Heimaturlaub für ein paar Tage. Anton Brehme, Jan Zimmermann und Filip John nahmen dazu Blessuren mit. Am Mittwoch fliegt das Team dann von Frankfurt/Main nach Turin, nimmt dort ab Freitag an einem dreitägigen Turnier teil. Das ist mit den Italienern, dem DVV, mit der Türkei und den Niederlanden stark besetzt – alles WM-Teilnehmer, die Generalprobe vor der Abreise nach Manila/Philippinen am 6. September. Dann startet der DVV-Tross erneut von Frankfurt aus, wo die Mannschaft nach der Rückkehr aus Turin noch mal ein Kurz-Trainingslager abhält.

Die DVV-Spiele beim Turnier „FIPAV Cup Men Elite“ in Turin: 29. August gegen die Niederlande (17 Uhr), 30. August gegen Italien (20.30 Uhr) und 31. August gegen die Türkei (15 Uhr).

(hre/gm)

DVV-Trikot geht auf die Färöer-Inseln

Unterrang, Block A, Reihe 8, Platz 18: Das war bei der Verlosung beim Länderspiel am Samstag das Ticket ins Glück für Lena. Als Preis gab’s ein signiertes Trikot des DVV-Nationalteams – und das (ausgerechnet) für den einzigen Fan im Belgien-Trikot.

Doch es traf die Richtige. Denn Lena war mit Tochter Siv zu den beiden Spielen extra von den Färöer-Inseln (im Atlantik zwischen Island und Norwegen) angereist. „Vor drei Jahren haben wir Wout D’Heer kennengelernt, seitdem verfolgen wir seine Spiele. Zu seinen Spielen in Italien ist es ganz schön weit – und jetzt dachten wir: Wow, Lüneburg ist nicht so weit von Kopenhagen“, erzählt Lena vom Auslöser für den Besuch in der LKH Arena. Außerdem gab es zusätzliche Motivation: „Ein dänischer Volleyball-Trainer aus Ikast sagte mir: ‘Fahrt nach Lüneburg, es ist fantastisch!’ – Und das ist es!“, schwärmte sie nach Spielende. „Es ist großartig! Eine unglaubliche Atmosphäre! Das war den Aufwand definitiv wert!“

Dass sie dann noch das DVV-Trikot gewann, sorgte für ein weiteres Highlight – auch für die Frau im Belgien-Trikot: “Deutschland hat so viele tolle Spieler. Es war beeindruckend, sie live zu sehen!” Nach der zwölfstündigen Rückreise gab’s in der heimischen Volleyball-Szene garantiert viel zu erzählen. Denn Lena ist selbst mittendrin: „Ich bin Teammanager unseres Teams bei Fleyr Tórshavn. Wir spielen Challenge Cup … gegen ein belgisches Team“, lacht sie nach dem Duell in Lüneburg. „Das liebe ich am Volleyball – jeder ist irgendwie verbunden!“

Und ein Versprechen ließ sie noch da: „Wir kommen auf jeden Fall mal wieder nach Lüneburg! Das hier ist zu gut, um nicht nochmal wiederzukommen!“

(gm)

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