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Ein Europa-Abend, der in Erinnerung bleibt

Champions League: LüneHünen schlagen Rzeszow mit 3:1

Das war mal wieder ein Ausrufezeichen a la SVG: Die LüneHünen holten im Champions-League-Heimspiel gegen Asseco Resovia Rzeszow einen 3:1 (25:22, 25:27, 25:23, 25:20)-Sieg – und das absolut verdient. Mit dem Erfolg vor 2956 begeisterten Fans schloss die SVG in der Gruppe D auf den polnischen Topklub auf und hat als Tabellendritter nun gute Aussichten auf den 3. Platz, der nach der Gruppenphase zum Start im CEV Cup berechtigt. Und in den noch anstehenden zwei Auswärtsspielen in Lissabon und Zawiercie wäre jetzt sogar Platz 2 noch drin.

Doch daran verschwendeten die LüneHünen und ihre Fans wohl keine Gedanken, als sie noch Minuten nach dem Spiel euphorisch feierten und das gerade Erlebte erst einmal sacken lassen mussten. Denn über vier Sätze hatten sich beide Teams in den 116 Spielminuten ein intensives Duell auf hohem Niveau geliefert.

“Ein toller Sieg! Das Team hat viele Dinge einfach sehr gut gemacht. Wir haben uns vorgenommen, dass wir Aggressivität beibehalten, auch nach Fehlern. Und dann kommt man in so einen Flow, und dann wächst der Glaube in die eigene Qualität”, war Chefcoach Stefan Hübner nach dem Spiel äußerst zufrieden mit dem Auftritt seines Teams.

Hausherren legen effizient los

Das rasante Duell hatte schnell Fahrt aufgenommen – und sah die LüneHünen gleich im Vorteil. Mit Joscha Kunstmanns Ass (2:1) lag die SVG erstmals vorn, entwickelte ein gutes Spiel und bot den Gästen stets Paroli. Beim 6:5 übernahmen die Hausherren erneut die Führung und gaben sie nur in der Crunchtime noch einmal kurzzeitig ab. Dazwischen: Angriffe mit viel Effizienz (mit 67:60 % hatte die SVG bereits im ersten Satz die bessere Quote), Nervenstärke in den Rallys und Konstanz im Aufschlag.

Erst zur Satzmitte leistete sich die SVG den ersten Aufschlagfehler (14:13) – Rzeszow stand da schon bei vier. Aber es war wohl diese Phase, als auch die Fans ein Gespür dafür bekamen, dass an diesem Abend etwas drin sein könnte. Artur Szalpuk brachte die Gäste zwar noch einmal in Führung (19:20), doch die SVG war sofort wieder da. Als Ethan Champlin zum 22:20 punktete, kochte die Stimmung in der LKH Arena schon über. Eine gewonnene Blocktouch-Challenge von Stefan Hübner (23:21) setzte noch einen drauf – und als Kunstmann und Axel Enlund per Zweierblock (25:22) punkteten, war der erste heimische Satzgewinn gegen eine polnische Mannschaft seit Dezember 2024 (1:3 gegen Wegiel) sicher.

Auch im zweiten Satz lag die SVG schnell wieder vorn (2:1, 5:3, 9:6). Als Rzeszow herankam, Danny Demyanenko stark per Block punktete (9:8), gab’s Applaus von den Rängen für ein Spiel mit hoher Qualität auf beiden Seiten, in dem jeder Ball intensiv umkämpft war. Die Gäste hatten jetzt eine gute Phase (10:12, 17:19), doch beim Start in die Crunchtime war die SVG wieder da (21:20). Eine Lüneburger Auszeit beim 22:23 zahlte sich aus, ein Ass von Enlund zum ersten Satzball ließ die Halle beben (25:24). Ein Abstimmungsfehler auf SVG-Seite (25:27) vereitelte die Hoffnung auf den zweiten Satzgewinn. Wie eng es im Duell zuging, zeigt auch die Statistik: Sowohl in der Annahmequalität (42:43 %) als auch im Angriff (48:51 %) lagen beide Teams nach zwei Sätzen eng beieinander – und oft hatte die SVG das Momentum auf ihrer Seite.

Das setzte sich im dritten Satz fort. Erneut lag die SVG vorn (3:1, 6:3), dann drehten die Gäste den Spielstand. Zur Satzmitte rangelten beide Teams um die Führung. Auf Rzeszows Drei-Punkte-Führung (13:16) reagierte Stefan Hübner mit einer Auszeit – und die zahlte sich aus: Mit vier Punkten in Folge riss die SVG das Spiel wieder an sich – und wie! Enlund punktete erst per Angriff nach einer starken Rally, legte noch ein Ass drauf. Und spätestens beim 17:16 war’s dann purer Volleyball-Wahnsinn: eine packende Rally, Enlund rettete noch einarmig – und dann punktete Santeri Välimaa per Zuspielerball. Die LKH Arena in purer Ekstase. Nach dem 21:21 zum Start in die Crunchtime setzte sich die SVG entscheidend ab: Block von Howe, Ass von Gruvaeus, wuchtiger Angriff von Howe – 24:22. Champlins 25:23 sicherte dann den zweiten Satz sowie den Punktgewinn.

SVG fast wie im Rausch

Dafür, dass es am Ende sogar drei Punkte werden sollten, legten die LüneHünen im vierten Satz schnell den Grundstein. Von Beginn an lagen die Hausherren vorn und bauten ihre Führung konsequent aus (3:1, 8:3, 15:9). Als Gruvaeus per Ass auf 17:10 stellte, hatte sich die SVG längst in einen Rausch gespielt, während die Gäste zunehmend nervöser agierten. Die LüneHünen warfen sich motiviert in jeden Ball, wehrten zudem viele gute Angriffe ab – ein Lüneburg-Team aus einem Guss. Nur selten gelang Rzeszow einmal Entlastendes, wie Demyanenkos wuchtiger Angriff (19:14). Doch der SVG-Express ließ sich längst nicht mehr stoppen: Gruvaeus per Pipe (20:14), Enlund clever zum Aus gegen den Dreierblock (22:17) und Howes Angriff, den die Gäste nicht mehr abgewehrt bekamen, ebneten den Weg zum Lüneburger Matchball. Den historischen Erfolg – erstmals holte die SVG einen Pflichtspiel-Sieg gegen ein polnisches Team – machte um 20:06 Uhr ein Aufschlagfehler von Jakob Bucki perfekt.

Wie verdient der SVG-Erfolg ausfiel, zeigt die Statistik: Bei Block- (10:5) und Aufschlagpunkten (6:2) lagen die Lüneburger ebenso vorn wie in der Aufschlagqualität: 19 Fehlern der SVG standen 23 bei den Gästen gegenüber.

“Wir wollten im Aufschlag das Mindset zeigen, dass der Ball mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ins Feld geht. Und das haben wir gemacht, mit sehr hohem, kontinuierlichem Druck”, fand Stefan Hübner schnell eine Erklärung für den Erfolg. “Wir haben unglaublich abgewehrt, gute Hände im Block gehabt, sehr gut die Positionen gehabt, das Spiel sehr gut gelesen, lange Rallys gut gespielt. Auch im Gegenangriff waren wir besser als zuletzt.” Der Chefcoach sieht sogar noch mehr Potenzial in seinem Team: “Es ist definitiv eine gute Mannschaft, aber manchmal spielen sie fast noch etwas schüchtern. Ich hoffe, dass das den Jungs einen Boost gibt.”

Als MVP wurde Santeri Välimaa gekürt. Der Zuspieler lieferte, wie das gesamte Team, einen großartigen Auftritt, steuerte drei Punkte – darunter einen Blockpunkt – zum Erfolg bei. Bester Scorer war Daniel Gruvaeus (20 Punkte). Bei den Gästen holte Artur Szalpuk (16) die beste Ausbeute.

SVG: Champlin (17), Kunstmann (3), Välimaa (3), Gruvaeus (20), Howe (12), Enlund (17) – Takahashi; eingewechselt: Larsen, Byam

(gm)

Weitere Stimmen zum Spiel:

Massimo Botti (Chefcoach Asseco Resovia Rzeszow): „Es war ein enges Spiel. Lüneburg hat wirklich gut gespielt, viele Bälle verteidigt und die Transition sehr gut hinbekommen. Wir müssen ihnen zu ihrer Leistung gratulieren und unser Spiel analysieren. Die Mentalität hat den Unterschied gemacht. Bei uns fehlte der Glaube daran, erfolgreich lange Rallys zu spielen. Lüneburg hat heute den Sieg verdient.“

Axel Enlund (SVG-Diagonalangreifer): “Wir haben beim letzten Mal nicht so gut gespielt, also haben wir versucht, uns zu verbessern und auf uns selbst zu vertrauen. Wir haben vor dem Spiel nicht an den ersten Sieg gegen eine polnische Mannschaft gedacht, sondern wollten einfach nur Revanche für das letzte Mal nehmen und das Spiel gegen einen guten Gegner genießen. Wenn dann alles so gut läuft, sind wir froh, auf der Gewinnerseite zu stehen.“

Daniel Gruvaeus (SVG-Außenangreifer): „Im Vergleich zum Spiel gegen Berlin haben wir uns mit viel Energie zurückgemeldet. Wir wirkten heute etwas frischer.“

Danny Demyanenko (Rzeszow-Mittelblocker): „Wir sind in diese Halle gekommen und haben einen harten Kampf erwartet – und genau das war es auch. Lüneburg hat ein hervorragendes Spiel gemacht. Die Spieler haben viel Herz gezeigt und waren schwer zu stoppen. Sie haben mit großer Leidenschaft gespielt, um jeden Ball gekämpft und keinen Ball fallen lassen. Das hat es uns sehr schwer gemacht, Punkte zu erzielen. Es ist eine starke Mannschaft – das ist Champions League! Wir wissen, dass wir jeden Tag gegen hochkarätige Mannschaften spielen werden – es gibt einen Grund, warum sie derzeit die besten in Deutschland sind, und genau das haben wir heute Abend gesehen. Es war ein großartiger Kampf und eine großartige Atmosphäre hier in Lüneburg.”

Erik Shoji (Rzeszow-Libero): „Lüneburg hat fantastisch gespielt. Alles, was sie gemacht haben, war, als hätten sie Gold angefasst. Die Abwehr, das Blocken und die Transition waren einfach grandios – Hut ab vor ihnen! Sie haben einfach besser gespielt als wir. Mir hat auch die Atmosphäre hier sehr gut gefallen, ich bin zum ersten Mal in dieser Arena. Diese Kombination hat mir wirklich Spaß gemacht. Aber wir haben einfach nicht gezeigt, was wir wollten.“