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SVG-Rivalen wittern Morgenluft

Friedrichshafen will für noch mehr Spannung sorgen

Vom internationalen Spitzen-Volleyball zurück in den Bundesliga-Betrieb. Auch der ist in der aktuellen Phase höchst fordernd für die SVG Lüneburg, nicht nur wegen der engen Taktung der Spiele im letzten Drittel der Hauptrunde. Die ohnehin anspruchsvollen bevorstehenden Aufgaben, beginnend am Sonntag (15 Uhr) beim VfB Friedrichshafen, sind noch ein Stück brisanter geworden, weil die Verfolger nach der zweiten Saisonniederlage des Tabellenführers zuletzt gegen Berlin Morgenluft wittern. Doch frühere Spiele am Bodensee, der weitesten Auswärtsfahrt, haben längst ihren Schrecken verloren. Beim einstigen Angstgegner hat die SVG in den letzten zwei Jahren stets gepunktet, zuletzt auch im Playoff-Halbfinale das Spiel 2 (von 5) gewonnen.

SVG hat schwerstes Restprogramm

Zumindest auf dem Papier haben die LüneHünen sicherlich das schwerste Restprogramm in der Gruppe der ersten Vier, die am engsten zusammenstehen. Nach dem 1:3 des Seriensiegers zuletzt muss der Immer-noch-Spitzenreiter nun nicht nur am Bodensee bestehen, dann gleich auch am kommenden Mittwoch daheim gegen Düren – zwei weitere Hammer-Aufgaben. Berlin hat all diese schon hinter sich, auf die beiden anderen Rivalen wartet nur noch je eine so hohe Hürde, eben gegen die SVG. Doch Bangemachen gilt nicht, im Gegenteil.

Der kleine Hänger mit je nur einem mühevollen 3:2 gegen die Underdogs Haching und Netzhoppers scheint überwunden. Schon das Match gegen Zawiercie (0:3) zeigte einen Aufwärtstrend, der sich gegen Berlin trotz der knappen Niederlage bestätigte und nun gegen Rzeszow ein historisches Glanzstück mit den ersten Punkten gegen ein polnisches Team lieferte. Die Ankündigung danach von Chefcoach Stefan Hübner muss den Bundesliga-Rivalen wie eine Drohung in den Ohren klingen: „Das Ziel für die nächsten Wochen ist, immer noch ein Stück besser zu werden, wenn wir das Trikot anziehen.“ Motto: Wir sind nicht zufrieden, es geht immer noch mehr.

In der Tat war bei aller außerordentlichen Qualität noch nicht alles perfekt, wurden immer noch ein paar unnötige Eigenfehler im Angriff zu viel gemacht. Zehn Angriffsfehler standen am Ende zu Buche, Rzeszow machte nur vier. Aber die LüneHünen kümmerte es wenig, sie holten gegen einen international renommierten, starken Gegner auch größere Rückstände wieder auf. Hübner sprach später von „mutigen Fehlern“, die seine Mannen machten, vom Mut zu weiterhin hohem Risiko in den Aktionen, zum Beispiel bei konstant hohem Aufschlagdruck. Eine Marschroute, die vom Erfolg gekrönt wurde. „Ein Sieg, der sehr, sehr wichtig war für die Moral“, wie der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger wertete.

Die zurück erarbeitete Stärke gilt es nun zu untermauern, bei einem Gegner, der doppelt heiß auf die Revanche ist (Hinspiel 0:3, Playoffs letzte Saison) und bei einer Niederlage den Anschluss an das Führungstrio verlieren würde. Wie gefährlich die Häfler nach wie vor sind, zeigte sich noch einmal am Dienstag im CEV Cup, als sie schon zum zweiten Mal trotz Heimniederlage mit einem Auswärtssieg und dann per Golden Set weiterkamen – erst gegen Levski Sofia (Bulgarien), nun gegen Tectum Achel (Belgien). Ins Nachbarland waren sie gleich von Hildesheim aus weitergereist. Der Erfolg in Achel war um so bemerkenswerter, als ohnehin bestehende Personalsorgen sich noch zuspitzten.

Häfler immer wieder mit Personal-Puzzle

Nationalspieler Tim Peter fehlt schon seit Wochen (Fußverletzung). Nun fiel Kapitän und Zuspieler Aleksa Batak kurzfristig aus (Rücken). Auch Parker van Buren, der sich längst als Diagonaler gegen Kyle Hobus durchgesetzt hat, musste erkrankt passen, wie auch der spät verpflichtete Außen Jonas van Huizen, der nach schwierigem Start inzwischen Spiele entscheiden kann. Zwischendurch erkrankt war auch Nationalmannschafts-Libero Leonard Graven. Drei Tage zuvor gegen Giesen waren Hobus, Mittelblocker Gustavo Maciel und Außen Simon Kohn ausgefallen. Kohn war 2023 aus der 2. Mannschaft aufgestiegen und hat sich inzwischen zum Leistungsträger entwickelt. Ihm eifern nun Lucas Huckle (Libero) und Daniel Habermaas (Zuspiel) nach, die schon zu Starting-6-Einsätzen kamen.

Umso erstaunlicher, dass der VfB angesichts des Personal-Puzzles, zu dem Trainer Adam Swaczyna oft gezwungen ist, zu solchen Leistungen fähig ist. Aber fighten können die Häfler um Mittelblocker Louis Kunstmann, dem Bruder von SVG-Joscha. Dazu trägt auch wieder der monatelang verletzte Rückkehrer Vojin Cacic – Spitzname: Warrior (Krieger) – maßgeblich bei. So wird es sicher auch Sonntag ein heißer Kampf.

(hre)