Einfach siegen wäre zu einfach – LüneHünen müssen erneut in den Tiebreak

Aller verrückten Dinge sind drei: Schon wieder mussten die LüneHünen in den Tiebreak, zum dritten Mal in Serie und innerhalb von nur zehn Tagen über fünf umkämpfte Sätze gehen. Statt bei einem Gegner im Niemandsland der Tabelle einfach mal wieder einen Drei-Punkte-Sieg zu landen, hieß es im letzten Auswärtsspiel der Bundesliga-Hauptrunde 3:2 (25:13, 19:25, 25:22, 25:27, 15:10) bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen (KW) im brandenburgischen Bestensee.
Erneut verschenkte die SVG damit einen wertvollen Punkt im Endspurt um eine gute Ausgangsposition für das nahende Playoff-Viertelfinale. Zwei statt der erhofften drei Zähler kommen damit aufs Konto, die Kalkulation, einem der großen Drei der Liga aus dem Wege gehen und als Fünfter gegen Düren (4.) antreten zu können, ist nun schon fast Makulatur.
Die Entscheidung über den Gegner fällt am kommenden Sonnabend, wenn die SVG in der Gellersenhalle den Spitzenreiter Friedrichshafen erwartet (Beginn ausnahmsweise schon um 19 Uhr). Sicher ist aber, dass das Viertelfinale im Best-of-3-Modus auswärts beginnt und Spiel zwei dann am 31. März, 20 Uhr, in der CU Arena Hamburg-Neugraben steigt.

Vor 546 Zuschauern in Bestensee wiederholte sich ein Szenario, das in den letzten Wochen oft zu beobachten war. Die SVG hatte starke Phasen ebenso wie rätselhafte Einbrüche, gab ein Spiel, das sie sicher im Griff hatte, aus der Hand, kämpfte sich aber zurück und wendete im Tiebreak noch größeren Flurschaden ab. Dennoch bleibt erneut das Fazit, dass es ein weiteres ärgerliches, weil völlig unnötiges Ergebnis die Bilanz trübt – zumal gegen einen Kontrahenten, für den es seit Wochen weder nach oben noch nach unten um etwas geht.
Dabei starteten die Gäste, in der Startformation wie zuletzt, enorm stark, buchten den ersten Satz in nur 21 Minuten mit 25:13 überaus klar für sich: effektiv und variabel im Angriff, sicher in der Annahme, gut im Block – ab der ersten technischen Auszeit (8:5) wuchs der Vorsprung beständig. Der eingewechselte Jannik Pörner, seit langer Zeit mal wieder mir einer Chance, sorgte mit einer Aufschlagserie am Schluss dafür, dass der erneut starke Ray Szeto den Sack zubinden konnte. Szeto allerdings zog sich bei einer Rettungsaktion im letzten Satz eine Zehen-Verletzung zu und droht zumindest für das Friedrichshafen-Spiel auszufallen.
Durchgang zwei wurde ein erstes Wechselbad der Gefühle. Aus verpatztem Start mit 5:7-Rückstand machte die SVG ein 8:7, geriet aber durch abnehmenden Druck im Aufschlag wieder ins Hintertreffen, während den Hausherren nun nahezu alles gelang. Bis auf acht Punkte wuchs ihr Vorsprung (22:14).
Im dritten Satz schien aus SVG-Sicht wieder alles im Lot, allerdings auch mit Unterstützung von KW, das sich in einem Festival der Aufschlagfehler noch mehr Aussetzer leistete: 8:7 lautete hier die trübe Bilanz, die Ryan Sclater & Co. erlaubte, sich in der Crunchtime abzusetzen. Sclater war mit 15 Punkten bester Scorer vor Szeto (14), der zum MVP gewählt wurde. Eine starke Vorstellung zeigte aber auch Noah Baxpöhler (13 Punkte) in Block-Abwehr und -Angriff.
Bei KW sammelte Oldie Björn Andrae die meisten Punkte (22) und wurde MVP. Er spielte seine ganze Erfahrung von 280 Länderspielen aus, drehte immer mehr auf und wurde gerade für die wichtigen Punkte immer mehr gesucht. So auch im vierten Satz, als er sein Team immer wieder mitriss und in der Verlängerung auch den dritten Satzball zum 27:25 verwandelte.
Dabei hatte die SVG schon mit vier (17:13) und nach einer Aufholjagd der Gastgeber (18:18) noch einmal mit drei Punkten (21:18) geführt.
„Diesen Satz muss man gewinnen, den haben wir selbst weggegeben. Im fünften waren wir dann aber wieder konzentriert – das alte Thema“, konnte sich Trainer Stefan Hübner in seinem Fazit nur wiederholen und aufatmen, dass seine Mannen in die Spur zurückfanden. Warum aber muss die SVG neuerdings immer in den Tiebreak? „Weil wir die Ausdauer dafür haben…“, lieferte Kapitän Matthias Pompe mit Galgenhumor dazu den Spruch des Abends.