SVG zieht den Kopf aus der KW-Schlinge
Netzhoppers zwingen die LüneHünen in den Tiebreak
Die Siegesserie hält: Zum zehnten Mal in Folge gewann die SVG am Freitagabend ein Bundesliga-Spiel. Bei den Energiequelle Netzhoppers Königs Wusterhausen mussten die LüneHünen allerdings zum zweiten Mal in dieser Woche in den Tiebreak, setzten sich gegen fordernde Gastgeber erst spät mit 3:2 (27:29, 25:19, 23:25, 25:22, 15:11) durch.
Chefcoach Stefan Hübner hatte seine Starting Six nach dem 3:2 gegen Haching auf drei Positionen geändert. Libero Sho Takahashi stand dabei wieder von Beginn an auf dem Feld und behielt diese Rolle über die gesamte Spielzeit. “Sho ging es wieder gut. Und er ist auch wichtig für uns”, begründete Hübner, warum der Routinier den Vorzug vor seinem Vertreter Joris Backhaus bekam, der ihn am Mittwoch nach einer Verletzungspause unterstützt hatte.
In der Paul-Dinter-Halle wurden 127 Minuten lang nicht nur die Nerven der knapp 800 Zuschauer gefordert – auch die SVG sah sich einer fordernden Aufgabe gegenüber. Die Gastgeber fanden gut ins Spiel, machten viel Druck im Angriff und behaupteten im ersten Satz fast durchgehend eine Führung. Die SVG hielt zwar mit, schaffte es aber nicht, das Momentum auf ihre Seite zu ziehen. Beim 12:12 waren die LüneHünen gleichauf, doch die Netzhoppers übernahmen erneut die Initiative. Beim 20:20 war die SVG wieder da, lieferte sich dann ein enges Rennen um den Satzgewinn. Doch Isaiah Olfert nutzte den sechsten Satzball der Hausherren, knallte den Ball gegen Santeri Välimaa auf den Boden (27:29 aus SVG-Sicht).
Starke Reaktion im zweiten Satz
Im zweiten Abschnitt zogen die Lüneburger schnell davon (7:2) und bauten die Führung auf bis zu sechs Punkte aus (10:4). In Angriff und Abwehr gelang der SVG jetzt mehr, Axel Larsen etwa holte drei Punkte in enger Folge (12:6). Netzhoppers-Coach Liam Sketcher versuchte mit einer Übertritt-Challenge den Spielfluss zu stören – doch nach zwei Punkten war eine Aufholjagd seines Teams wieder gestoppt. Zur Crunchtime lag die SVG nach einem Block von Joscha Kunstmann erneut klar vorn (20:14), ein Punkte-Doppelpack von Jackson Howe per Angriff und Ass (25:19) machte den 1:1-Satzausgleich klar.
Im dritten Satz wurde das Duell enger. Lange lieferten sich beide Teams ein enges Rennen (4:4, 13:13). Nach einer 14:13-Führung zeigten die Netzhoppers Nerven, lagen nach Aufschlagfehlern 14:16 zurück. Doch KW-Routinier Theo Timmermann brachte sein Team mit zwei Assen in Folge wieder nach vorn (18:19). Es folgte erneut eine spannende Crunchtime mit engem Schlagabtausch (20:20, 22:22). “Ihr müsst euch helfen, wenn wir in schwierigen Situationen sind”, justierte Stefan Hübner in einer Auszeit die Feinabstimmung nach. Einen ersten Netzhoppers-Satzball verhinderte sein Team danach noch, doch die Hausherren setzten sich schließlich durch. Erst schloss Timmermann nach einer Rally ab (23:24), dann sicherte Carl Möller seinem Team per Ass zum 2:1-Satzstand den Punktgewinn.
SVG hält dem Druck stand
Vor dem vierten Satz wechselte Stefan Hübner, brachte Daniel Gruvaeus für Larsen, Die SVG geriet zunächst erneut ins Hintertreffen (3:7). Die Netzhoppers zeigten sich gut vorbereitet, ließen sich von den Angriffsvarianten der Gäste nicht überraschen. Als Ethan Champlins harter Ball gegen den Block im eigenen Feld zu Boden ging (12:14), feierten die Hausherren und ihre Fans einen wichtigen Moment. Doch die SVG kam zurück, hielt das Duell nun offen (14:14; 17:17; 19:19) und riss beim 20:19 wieder die Satzführung an sich.
Vor allem Champlin glänzte in dieser Phase, machte beim Start in die Crunchtime schon seinen fünften Angriffspunkt des Satzes. Die Gäste konnten nun endlich ihr Spiel durchziehen, zeigten starke Szenen: Välimaa rettete stark, Champlin schloss wuchtig ab (22:20) – und legte gleich einen Monsterblock gegen Homberger nach (23:20). Auch beim Satzgewinn war der US-Boy zur Stelle, verwandelte per Pipe-Angriff zum 25:22.
“The final countdown” untermalte in der Halle den Start in den Tiebreak. Jetzt zeigte die SVG deutlich ihre Qualität, lag nach einer Aufschlagserie von Champlin schon 7:2 vorn. Die Hausherren jubelten kurz danach aber doch – nach einer Aufholjagd und Timmermanns Punkt zum 7:5 schien der Lauf der LüneHünen gestoppt. Doch der SVG gelang jetzt vieles, was die Hausherren zuvor vereitelten: der eingewechselte Axel Enlund traf Block und Annahme (8:5) und punktete, von Champlin clever eingesetzt, gleich nochmal (9:5).
Eine 10:6-Führung war gegen motivierte Netzhoppers aber noch immer nicht genug, die erneut gefährlich herankamen (10:9). Erst Joscha Kunstmanns Block gegen Homberger (12:9) wirkte wie eine Vorentscheidung. Kunstmann lieferte auch einen guten Aufschlag, nach dem Välimaa stark gegen Homberger blockte (14:10). Champlin, der mit 56 Prozent Angriffsquote überzeugte – ebenso wie Jackson Howe, der sogar auf 60 Prozent kam – machte den SVG-Sieg dann klar (15:11).
“Die Netzhoppers haben auch heute wieder sehr gut gespielt”, würdigte Stefan Hübner den Auftritt der Gastgeber. Sein Fazit nach dem Tiebreak-Sieg: “Die Teams gehen viel Risiko gegen uns im Aufschlag, auch KW hat die Aufschläge wieder gut getroffen. Wir selbst sind aktuell nicht in allen Elementen konstant. Das müssen wir akzeptieren und reden darüber, wie wichtig es ist, durch diesen Moment durchzukommen. Deshalb sind wir super-happy und zufrieden, dass wir die Energie noch gefunden haben und dass der Spirit am Ende da war. Das versuchen wir mitzunehmen.”
Als MVP wurde Ethan Champlin geehrt, der mit starken 28 Punkten auch Topscorer des Abends war. Bei den Netzhoppers holten Lovis Homberger und Isaiah Olfert mit je 20 Punkten die beste Ausbeute.
SVG: Kunstmann, Välimaa, Champlin, Howe, Byam, Larsen – Takahashi; eingewechselt: Elser, Enlund
Weitere Stimmen zum Spiel:
Liam Sketcher (Chefcoach Netzhoppers): “Es ist ein weiterer Schritt nach vorn für uns, die Entwicklung, die wir schaffen wollen. Aber dieser eine letzte Schritt fehlt noch. Lüneburg war super-konstant und hat uns in Situationen, in denen wir besser punkten hätten müssen, echt Arbeit bereitet. Aber: Für uns war es ein Fortschritt – und es zeigt auch, warum Lüneburg aktuell Spitzenreiter ist.”
Joscha Kunstmann (SVG): “Es war gut, dass wir uns wieder reingekämpft haben und es geschafft haben, das Spiel am Ende noch heurmzudrehen. Vor allem bei den letzten Punkten im letzten Satz hat man gesehen, wie wir eigentlich spielen können – und auch spielen sollten. Und das machen wir in Zukunft hoffentlich auch weiter mit dem gleichen Spaß und der gleichen Energie auf dem Feld.”
Lovis Homberger (Netzhoppers): “Über den Punkt kann man sich natürlich freuen. Lüneburg ist Erster, spielt eine solide Saison. Wir hatten die Chance auf drei Punkte, die konnten wir leider nicht ergreifen. Aber wir sind trotzdem happy, dass wir so einen guten Fight abliefern und einen Punkt mitnehmen konnten.”
(gm)