Es ist eines dieser Spiele, die in der blumigen Sportsprache oft so beschrieben werden: „Sie haben eigentlich keine Chance, aber die wollen sie nutzen“.

Stefan Hübner, Chefcoach der LüneHünen kann solchen Floskeln außer einem Schmunzeln wenig abgewinnen. „Sicher wird das sehr schwer,“ ist ihm vor dem Auftritt beim Spitzenreiter VfB Friedrichshafen klar, „wir dürfen keine einfachen Fehler machen und brauchen konstant gutes Niveau, nicht diese Aufs und Abs wie bisher in unseren Spielen. Und dann darf der Gegner nicht seinen besten Tag haben. Schauen wir mal…“

Die Häfler spielen in dieser Saison offenbar in einer anderen Liga, eilen von Sieg zu Sieg. Nun versucht sich die SVG am scheinbar Unmöglichen, wenn sie am Sonnabend (19.30 Uhr, sportdeutschland.tv) mit frisch gestärktem Selbstvertrauen nach dem famosen 3:1 gegen Bühl am Bodensee antreten wird. Im Pokal hatte die SVG schon einmal das zweifelhafte Vergnügen, verkaufte ihre Haut Ende November beim 21:25, 18:25, 22:25 im Viertelfinale einigermaßen teuer, ohne wirklich eine Chance zu haben.
Damit befindet sie sich aber in guter Gesellschaft. Jeder Gegner konnte am Ende nur anerkennend zum Sieg gratulieren. Wer einen Satzgewinn verbucht, hat schon viel erreicht. Der VfB hat immer eine Antwort, lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Nicht durch Verletzungssorgen, auch nicht durch das Werben des polnischen Verbandes um Trainer Vital Heynen als neuen Nationalcoach im „Nebenjob“. Gespräche gab es schon. Wobei bei einer künftigen Doppelbeschäftigung wohl das Engagement beim Weltmeister eher die Haupt-Tätigkeit werden würde. Heynen soll dort ein neues Team aufbauen. Am Bodensee ist ihm das schon mit Bravour gelungen, seit er 2016 dort einstieg.

„Friedrichshafen ist ja keine Mannschaft, die einen Gegner überrennt. Die sind nicht abhängig von einem Spiel-Element, kaum ein Spieler taucht in den Ranglisten vorne auf – die halten aber den Druck immer hoch, berühren viele Bälle, spielen und warten auf Fehler. Sie sind einfach unheimlich stabil und setzen die Philosophie von Vital Heynen sehr gut um“, weiß Hübner. Heynen selbst drückt es so aus: „Ich bin ein großer Liebhaber vom Spiel ohne Fehler – daran arbeiten wir jetzt im zweiten Jahr.“

Und dies mit einem überaus ausgeglichen besetzten Kader, in dem Ausfälle kaum ins Gewicht fallen. So fehlte am Mittwoch gegen die Alpenvolleys u.a. die griechische „Sprungfeder“ Athanasios Protopsaltis (Grippe), nur 1,83 Meter groß, aber unglaublich variabel bei seinen Angriffen. Im Pokal gegen die SVG kam er auf 21 Punkte und war MVP wie in so vielen anderen Spielen auch.
Eine Woche zuvor beim 3:1 gegen RheinMain schied Zuspieler Simon Tischer mit einer Blessur aus, Tomas Kocian – älterer Bruder unseres Zuspielers Adam – ersetzte ihn glänzend. Schon länger fallen Daniel Malescha (Diagonal) und der Bulgare Martin Atanasov (Außen) mit Schulter-Problemen aus.
Bei der SVG dagegen gibt es derzeit keine Sorgen. Morgen früh macht sich der komplette Kader auf die lange Reise an den Bodensee.