
Triple-Finalist SVG will in Piacenza nochmal alles versuchen
Starke Sätze 1 und 2 vom Hinspiel sind der Maßstab
Die Hoffnung stirbt zuletzt – so lautet im Sport ein immer wieder gern zitiertes Motto, das in einer schier aussichtslosen Situation Mut für ein erhofftes Happyend machen soll. Nichts könnte wohl die Lage vor dem Final-Rückspiel im CEV Cup besser beschreiben, wenn die SVG Lüneburg an diesem Mittwoch (20 Uhr) mit der Bürde einer 0:3-Niederlage aus dem ersten Vergleich bei Gas Sales Bluenergy Piacenza antritt. Zu sehen ist es live im kostenpflichtigen Stream auf sporteurope.tv (Kommentator: Roman Gerth).
Höchst selbstbewusst waren die LüneHünen vor Wochenfrist in das erste Match gegangen, in Fankreisen wurden sogar Träume von einem Pokalgewinn gehegt. Stark spielten sie dann auch in den ersten beiden Sätzen auf, verloren aber jeweils in der Crunchtime noch knapp (24:26, 22:25). Gerade auf höchster europäischer Ebene wachsen eben die Bäume nicht in den Himmel. Die Spieler, stets selbstkritisch, sprachen hinterher von einer Lektion. Und Chefcoach Stefan Hübner äußerte die Hoffnung auf einen schnellen Lernprozess, sah seine Mannen vor einem ganz wichtigen Schritt im Entwicklungsprozess.
„Die Jungs wollen noch einmal Vollgas geben“
Genau aus der Leistung der ersten beiden Sätze schöpfen nun die LüneHünen, die seit Sonntag das Prädikat Triple-Finalist 2026 auszeichnet, Optimismus für das Rückspiel, in dem sie zunächst einmal das Resultat aus Spiel eins mit einem 3:1 oder 3:0 egalisieren müssen, um sich so in einem Golden Set noch die finale Chance zu eröffnen. „Die Jungs haben noch was vor, das spürt man“, gibt Hübner die Stimmung wider. „Sie werden nochmal alles reinhauen, auch mit dem Gefühl der ersten zwei Sätze des Hinspiels im Kopf. Die Jungs wollen sich zeigen, noch einmal Vollgas geben – das ist die Marschroute. Und dann schauen wir von Satz zu Satz.“
Aufgeben ist ohnehin keine Option und die Stimmung im Team weiterhin auf einem sehr hohen Level. Dazu trug natürlich auch der Sieg am Sonntag in Düren noch einmal zusätzlich bei. Der Chefcoach scherzte angesichts des kommenden freien Wochenendes: „Vielleicht schieben wir noch ein Testspiel ein.“ Und er berichtete schmunzelnd vom Mannschaftsessen im Hotel, das seit Jahren bekannt ist für seine vorzüglichen Schnitzel, mit Blick auf Axel Enlund und Neo Laumann: „Die Schnitzel sind nicht klein, einen halben Teller groß. Ich glaube, Marcus Böhme hält hier noch den Rekord – den knacken wir vermutlich.“ Friedrichshafens Oldie Böhme soll mal sieben Schnitzel und drei Steaks geschafft haben.
Zudem wirkte der Gewinn des vierten Satzes trotz klarem Rückstand (bis zu 6 Punkte) und damit des Spiels schon wie ein Teil des Lernprozesses seit letztem Mittwoch. Hübner: „Irre, wie konstant, stabil und fokussiert die Jungs sind. Wir waren da ein bisschen wie Piacenza: weiterspielen, Chancen nutzen – das hat geholfen.“ Übrigens: Der Einzug in die Bundesliga-Finalserie dürfte – vorbehaltlich der finalen Bestätigung – wohl auch gleichbedeutend mit der erneuten Qualifikation für die Champions League sein. Tags darauf wurde vor Ort noch eine Trainingseinheit eingeschoben, am frühen Montagabend ging es dann nach Düsseldorf zum Flieger gen Mailand.
Piacenza spielt sicher im nächsten CEV-Cup-Wettbewerb
Piacenza spielt in jedem Fall wieder im CEV Cup, die Hoffnung auf ein Champions-League-Ticket hat sich am Wochenende zerschlagen. Der Club war in den Halbfinal-Playoffs in drei Spielen gegen Perugia ausgeschieden. Im anderen Halbfinale setzte sich nun Lube Civitanova gegen Verona durch – und das unterlegene Verona bekommt als aktueller Pokalsieger Italiens dritten Startplatz in der Königsklasse. Die sonst übliche Spielserie um Platz 3 gibt es dieses Mal nicht.
Dennoch ist bemerkenswert, was die „Wölfe“ in dieser Saison geleistet haben, denn auch ihr Kader wurde wie der der SVG völlig neu formiert. Neun Neue waren zum Saisonanfang gekommen, nachdem das alte Team ebenfalls im Halbfinale gestanden und die Serie im Spiel um Platz 3 gegen Perugia verloren hatte. Doch der ebenfalls neue Coach Dante Boninfante (49) hat wieder eine erfolgreiche Mannschaft geformt, in der beim Hinspiel in Lüneburg auch zwei der Sommer-Zugänge von 2025 auftrumpften: Zuspieler Paolo Porro und der kubanische Außen Gutiérrez. Dazu stellten sich der Diagonale Alessandro Bovolenta (Topscorer mit 17 Punkten), Mittelblock-Altstar Simón, Außen Efe Ramazan Mandiraci, Mittelblock-Doppelweltmeister Gianluca Galassi (7 Angriffe = 7 Punkte) in Topform vor. Und der erst 20-Jährige Libero Luca Loreti kratzte immer wieder die SVG-Angriffe vom Boden (50%-Quote).
Kein Wunder, dass die LüneHünen so nicht in gewohnter Stärke auftreten konnten, im Angriff nur Daniel Gruvaeus zweistellig punktete (11). Dennoch wird Hübners Kollege Boninfante sicher kein Risiko eingehen und wieder seine beste, eingespielte Starting Six ins Rennen schicken. Er war schließlich im Hinspiel recht beeindruckt von der Qualität des deutschen Pokalsiegers 2026. Schwer vorstellbar ist aber trotzdem, dass der die gegnerischen Stars – und die, die noch auf der Bank sitzen (auch Nationalspieler) – im zweiten Vergleich (noch) besser in Schach halten kann. Aber: Die LüneHünen haben in dieser grandiosen Saison schon einiges vorher schwer Vorstellbare geschafft. Die Hoffnung stirbt zuletzt …
(hre/gm)
Ticket-Hinweis:
Der Ticket-Vorverkauf für das dritte Spiel der Playoff-Finalserie um den deutschen Meistertitel (Mi., 06.05., 19 Uhr) startet am Dienstag (21.04.) um 18 Uhr im Online-Ticketshop.