
SVG zum Rollenwechsel bereit
Im Fernduell mit Berlin vom Gejagten zum Jäger
Nach Pokalfinale und CEV Cup nun wieder Bundesliga: Die SVG Lüneburg hastet weiter durch die englischen Wochen, verbunden mit langen Reisen. Vor einer Woche feierte sie gerade den ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte in Mannheim, nun geht es noch tiefer in den Süden, zum 25. Ligaspiel bei der FT 1844 Freiburg (Sbd., 20 Uhr). Dort gilt es, den 23. Sieg – und im Idealfall die nächsten drei Punkte – zu verbuchen, um zu den Berlin Volleys auf Schlagdistanz zu bleiben.
Wochenlang waren die LüneHünen als Spitzenreiter in der ungewohnten Rolle des Gejagten und hielten dem bravourös stand. Dass sie den Platz an der Sonne abgeben mussten, lag einzig daran, dass der Titelverteidiger aus der Hauptstadt ein Spiel vorlegte (3:0 im Stadtderby gegen den VC Olympia), während sich die SVG in der vorigen Woche auf das Pokalevent vorbereitete. Und der Konkurrent von der Spree wird wohl vorerst die Nase vorne behalten, ein Ausrutscher erscheint unwahrscheinlich.
Berlin gastiert nun in Haching und erwartet am Spieltag danach die Netzhoppers, während die SVG dann gegen Dachau antritt. Sie könnte dann am Mittwoch, 18. März, gegen den VC Olympia Platz 1 zurückerobern, wenn beide Rivalen wieder die gleiche Anzahl an Spielen haben und bis dahin jeweils die volle Ernte einfahren. Es gilt also, in der letzten Phase der Hauptrunde den Druck auf den Meister aufrecht zu erhalten – der Vizemeister ist nun also in der Rolle des Jägers. Dass er dazu in der Lage ist, hat er in dieser Saison oft genug bewiesen. Und das inzwischen nach einer kleinen Delle auch wieder in Hochform, wie das Match in Mannheim gezeigt hat.
LüneHünen nehmen gerne an Dschungelparty teil
Doch dieses vorletzte Auswärtsspiel vor den Playoffs wird für die Mannen von Chefcoach Stefan Hübner alles andere als leicht. Freiburg (9.) kämpft noch verbissen um jeden Punkt für die Playoff-Qualifikation, Platz 8 ist derzeit einen Zähler entfernt. Dabei setzt die „Affenbande“, wie sich das Team aus dem Breisgau selbst nennt, auf die Unterstützung ihrer Fans, die jedes Heimspiel zu einem lautstarken Event machen und schon angekündigt haben: Das wird „eine Dschungelparty der Extraklasse“. Die Halle dürfte mit 1500 lautstarken Fans ausverkauft sein, aber so eine Atmosphäre lieben die LüneHünen ja.
Und ehrgeizig und fokussiert sind sie ohnehin, eindrucksvoll untermauert im CEV Cup gegen Poitiers (3:1) nur vier Tage nach dem emotionalen Triumph im DVV-Pokal. So fürchtet Cheftrainer Stefan Hübner auch keinen Spannungsabfall. „Ich glaube, dass die Jungs den Fokus hinkriegen. Dafür macht es zu viel Laune, dafür ist der Moment zu cool. Was gibt es Schöneres, als auf so einer Welle zu surfen?“, wischte er nach dem Sieg gegen die Franzosen Bedenken zur Seite.
Aber Hübner räumte auch ein: „Es kostet Energie. Das müssen wir gut managen. Man hat ja gesehen, dass die Mannschaft sofort nach dem letzten Ball den Akku runtergefahren hat. Wir müssen die Zeit jetzt vor allem nutzen, um gut zu regenerieren. Aber die Jungs sind ehrgeizig, wollen sich in der Liga eine gute Ausgangsposition verschaffen. Wir haben in dieser Saison noch etwas vor.”
Dabei könnte zeitnah auch einer helfen, der trotz Langzeitverletzung und anstrengender Reha immer freudestrahlend ganz dicht am Team war, in Mannheim zur Freude vieler Fans sogar beim Einschlagen zu beobachten war und auf dem Spielberichtsbogen stand: Shane Holdaway. Der Mittelblocker konnte damit schon etwas „Einsatz-Luft“ schnuppern, stieg beim Freiburg-Trip auch erstmals in dieser Saison zu einer Liga-Auswärtstour mit in den Teambus. Womöglich könnte er demnächst sein Debüt feiern – ganz so, wie es sich Chefcoach Stefan Hübner im vergangenen Sommer erhofft hatte, als er nach der Holdaway-Verletzung sagte: “Wir wollen ihn weiterhin zu uns holen, damit er hier voll gesund wird – und uns vielleicht sogar am Ende der Saison noch helfen kann.”
Bei der FT fehlte im letzten Spiel Stamm-Zuspieler Fabian Hosch, er soll auch jetzt noch nicht wieder fit sein. Starke Auftritte zeigte in den letzten Wochen der Diagonale Brendan Mills. Im Sommer gekommen, fand er zunächst nur schwer ins eingespielte, weitgehend zusammen gebliebene Team, ist aber nun mittlerweile Dritter in der Rangliste „Angriffspunkte“ und Zweiter bei den Topscorern (alle Spielelemente).
(hre)