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SVG zeigt Nerven, Berlin legt die Messlatte höher

Die BR Volleys holen den ersten Meister-Matchball

Ein klar besserer Auftritt als im ersten Spiel, ein starker Start und deutliche Führungen reichten nicht: Im zweiten Spiel der Playoff-Finalserie unterlag die SVG den Berlin Recycling Volleys mit 1:3 (25:22, 22:25, 23:25, 23:25). Der amtierende Meister hat damit im dritten Spiel am Mittwoch die erste Chance, die Serie für sich zu entscheiden und seinen Titel zu verteidigen.

“Wir haben es nicht geschafft, das durchzukriegen, was wir uns eigentlich in der Anfangs- und Mittelphase der Sätze erarbeitet haben”, blickte SVG-Chefcoash Stefan Hübner auf das Spiel seines Teams.

SVG legt bissig los

Vom Start weg hatten die Gäste vor 6.311 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle ein anderes Gesicht als beim ersten Duell am Mittwoch gezeigt. Mit Gruvaeus-Aufschlägen und drei Punkten in Folge setzten sich die LüneHünen ab. Auch danach machte die SVG Druck, hielt mit guten Aktionen einen Vorsprung (4:1, 6:3, 11:9). Zur Satzmitte glich Berlin aus (12:12) und hielt die Phase offen, doch ein Aufschlagfehler von BRV-Kapitän Schott verhinderte die erste Berliner Führung (16:15). Ein Aufschlagfehler von Moritz Reichert brachte der SVG eine 20:18-Führung zum Start in die Crunchtime. Die zogen die LüneHünen nun zum Satzgewinn durch: Gruvaeus’ harter Angriff von Position 4 (23:21) wirkte wie die Vorentscheidung, Champlin verwandelte den Satzball (25:22).

Im zweiten Satz legten die Gäste erneut forsch los, bauten ihre 1:0-Führung zügig aus und lagen schnell mit 7:2 vorn. Mittendrin: zwei Asse von Christopher Byam, der für Axel Enlund die Diagonalposition in der Starting Six übernommen hatte. Beim Lüneburger 8:4 nahm BRV-Coach Markus Steuerwald bereits die zweite Auszeit. Die hatte Wirkung: Eine Aufschlagserie von Kapitän Schott leitete eine eindrucksvolle Aufholjagd ein. Aus einem 6:10-Rückstand machte Berlin das 10:10, unter anderem mit einem harten Angriff und einem Killblock von Jake Hanes in Folge – der Diagonale war vorher noch kein prägender Faktor des Berliner Spiels.

Nun brodelte auch die Heimkulisse, in der die 300 mitgereisten SVG-Fans lautstark mithielten. Auf dem Spielfeld entwickelte sich ein enger Schlagabtausch mit engen Szenen und strittigen Entscheidungen. Immer wieder sprachen die Kapitäne mit dem Schiedsrichter. Beide Teams lauerten auf den Lucky Punch für einen Vorteil in der Crunchtime (18:18, 21:21). Mit einem Block von Ivanov setzte sich Berlin wirksam ab (21:23), Hanes knallte hart zum Satzball rein. Ex-LüneHüne Florian Krage-Brewitz krönte die Berliner Serie, brachte einen Angriff durch den Block und sicherte den Berliner Satzausgleich (22:25).

Crunchtime-Führung reicht der SVG nicht

Es ging eng weiter: Im dritten Satz sorgte Berlin früh für Dynamik. Doch die SVG hielt stand und lieferte mit guten Aktionen ein intensives Duell, in dem sich lange kein Team absetzen konnte (4:4, 8:8, 10:10, 12:12). Zur Satzmitte holte die SVG ein Momentum, lag nach dem erfolgreichen Challenge-Beweis eines Champlin-Asses vorn (15:12). Diese Führung behauptete die SVG bis in die Crunchtime und lag dann sogar mit fünf Punkten vorn (21:16). Doch eine Aufschlagserie von Jake Hanes, in der Berlins Nummer 22 auch ein Ass gelang, brachte die Hausherren zurück ins Spiel (21:21). Erneut kam Crunchtime-Dramatik auf – und erneut mit dem schlechteren Ende für die SVG. Krage und Ivanov blockten gegen Välimaa (22:23), nach einem Champlin-Angriff hatte die SVG per Challenge das Nachsehen (22:24) – und dann erwischte Hanes beim Angriff die Finger von Gruvaeus (23:25), holte damit die Berliner Satzführung.

Der vierte Abschnitt wurde nun zur echten Herausforderung. Der hielten die LüneHünen stand, erarbeiteten sich nach ausgeglichener Startphase eine Führung (11:9). Doch erneut waren die Comeback-Serien-Berliner zur Stelle und drehten den Spielstand (11:12). Die LüneHünen gingen erneut in Führung (17:15), doch eine Aufschlagserie von Schott warf die Gäste abermals zurück – 17:20 stand es für die BR Volleys, denen nun fast alles gelang. Erst Jackson Howe brachte wieder einen Angriff durch (18:20). Ein Aufschlagfehler von Hanes ließ nochmal auf einen Wundepunkt hoffen (20:22), Byam hielt die SVG nach einer Rally im Spiel (21:23). Als Hanes’ Angriff im Aus landete, keimte letztmals Hoffnung, doch ein Aufschlagfehler von Cole Young besiegelte den Berliner Sieg.

“Es waren zwei wichtige Momente im dritten Satz: Die Aufschlagserie von Jake Hanes, wo wir es nicht schaffen, das Momentum schneller zu stoppen. Das waren sehr gute Aufschläge, aber dieser Lauf ist zu lang geworden”, fand Stefan Hübner nach dem Spiel. “Zudem gab es viele strittige Momente mit dem Schiedsgericht, die etwas unglücklich waren. Trotzdem haben wir noch gut weitergespielt.” Und der Coach sah weiter Positives: “Es war ein ganzer Schwung Dinge, die heute besser waren: Wir haben den Angriff von Berlin besser runtergebracht, einige Leute besser kontrolliert” – ein Ansatzpunkt fürs dritte Aufeinandertreffen am Mittwoch in der LKH Arena (19 Uhr).

Als MVP wurde Jake Hanes gekürt. Der Berliner Diagonale hatte mit 30 Punkten und 62 Prozent Angriffsquote dominanten Anteil am Spiel der Gastgeber, sicherte sich damit auch die Topscorer-Krone. Die beste Punktebilanz auf Lüneburger Seite holte Daniel Gruvaeus (17).

SVG: Gruvaeus, Howe, Byam, Champlin, Young, Välimaa – Takahashi

(gm)

Weitere Stimmen zum Spiel:

Christopher Byam (SVG Lüneburg): “Wir wussten, dass es ein harter Kampf wird und es da keine leichten Dinge geben wird. Da waren ein, zwei Momente, die sie genutzt haben – und wir nicht. Wir müssen eigentlich die Gelegenheiten nutzen, die sie gegen uns genutzt haben, insbesondere in den engen Duellen. Da gab’s ein paar Schwächen – aber wir haben nicht den Kopf verloren. Sie haben einiges einfach besser umgesetzt, als wir es gemacht haben.”

Ruben Schott (Berlin Recycling Volleys): “Es war ein geiler Fight von beiden Mannschaften. Am Anfang haben wir uns schwer getan, Aufschlagdruck auf den Lüneburger Annahmeriegel auszuüben – sie haben es echt gut gemacht. Block-Feldabwehr war da nicht so einfach – das haben wir am Mittwoch in Lüneburg noch besser gemacht. Je länger das Spiel ging, umso besser haben wir herausgefunden, auch mit den Aufschlägen. Das hat am Ende auch den Ausschlag gegeben. Wir haben es geschafft, die Annahme zu halten, um es so leicht wie möglich zu machen, die Bälle zu verteilen, haben unsere Mittelblocker wieder geil in Szene gesetzt. In den richtigen Momenten waren wir dann da.”