SVG erarbeitet sich wichtige Punkte
LüneHünen holen Tiebreak-Sieg gegen Düren
Das waren wichtige Zähler – für die Hauptrunden-Tabelle, aber auch fürs Selbstbewusstsein: Im Topspiel gegen die SWD powervolleys Düren setzte sich die SVG mit 3:2 (26:24, 17:25, 25:20, 21:25, 15:9) durch. Weil Topkonkurrent Berlin Recycling Volleys gleichzeitig einen Punkt in Dachau abgab, behaupteten die LüneHünen trotz des verpassten Punktes auch ihre Position an der Tabellenspitze, liegen weiter vor dem punktgleichen Verfolger aus der Hauptstadt.
“Ein intensives Spiel, ein richtiger Fight mit vielen Emotionen, Challenges und wilden Aktionen”, fasste SVG-Chefcoach Stefan Hübner den 137-minütigen Schlagabtausch zusammen.
Im offenen Rennen im richtigen Moment zur Stelle
In der Tat lieferten sich beide Topteams vor 3012 Zuschauern – wie schon im Hinspiel und auch im Pokal-Halbfinale – ein intensives Duell. Das blieb fast über die gesamte Spielzeit eng umkämpft. Schon im ersten Satz konnte sich bis in die Crunchtime kein Team wirksam absetzen. Das Momentum schien dann zugunsten der Gäste zu kippen, die mit einem Ass von Jordan Canham eine der seltenen Zwei-Punkte-Führungen in diesem Abschnitt holten (18:20). Doch die SVG ließ gegen schwer zu knackende Dürener nicht locker, glich mit einem Block von Joscha Kunstmann aus (22:22). Als Daniel Gruvaeus auch noch zum Block-Aus punktete, wurde es so richtig spannend. Düren glich zwar noch einmal aus, doch ein platzierter Angriff von Axel Enlund und ein wuchtiger Angriff von Jackson Howe machten den Satzgewinn perfekt (26:24).
Beim Start in den zweiten Satz lief die SVG zunächst einem frühen Vier-Punkte-Rückstand hinterher (0:4, 1:5, 6:10). Die powervolleys zeigten sich den SVG-Angriffen gewachsen und bekamen viele Bälle unter Kontrolle. Die LüneHünen arbeiteten sich heran (10:12, 12:14), doch dann wuchs der Rückstand deutlich. Zum Start in die Crunchtime (14:20) gelang den Gästen phasenweise alles – wie bei Petteri Tyynismaas fast schon lässigem Block gegen Daniel Gruvaeus (16:23). Ein Angriff von Sjors Tijhuis, den die SVG nicht mehr unter Kontrolle bekam (17:25), sorgte für den Dürener Ausgleich.
Der dritte Satz startete ausgeglichener mit engem Führungswechsel (7:6, 8:8, 9:11) – bis zur ersten echten Highlightphase des Spiels: In einer Aufschlagserie von Axel Enlund holte die SVG fünf Punkte in Folge, machte aus einem Rückstand eine 15:12-Führung. Der junge Schwede ließ sich dabei auch von einer Dürener Auszeit nicht stoppen, steuerte zwei Asse in Folge zum Run bei und punktete auch per Angriff. Jetzt machten die LüneHünen spürbar Druck auf die Gäste, lagen nach einem starken Block von Jackson Howe schon vier Punkte vorn (20:16). Den zweiten Lüneburger Satzgewinn machte Enlund klar (25:20).
Vorsprung nicht ins Ziel gebracht
Im vierten Satz spielten die LüneHünen souverän weiter und hatten jetzt sichtbar mehr “Flow” im Spiel (6:4, 9:6, 13:9). Doch die Hausherren brachten den Vorsprung nicht ins Ziel, leisteten sich zu viele Fehler und ließen die Gäste wieder ins Spiel kommen. Düren nutzte das konsequent und drehte zum Start in die Crunchtime das Spiel (18:20, 19:22). Ein Lüneburger Angriff ins Aus besiegelte die Punkteteilung und den folgenden Tiebreak.
“Wer will es mehr?” brachte Hallensprecher Dirk Böge die Spannung vor dem Entscheidungssatz auf einen Nenner. Und die Antwort lieferte ein Team schnell: die SVG. Die LüneHünen zogen jetzt durch, behaupteten sich auch in wilden Rallys (4:2). Als Kunstmann nach einer weiteren Rally den Ball auf den Boden hämmerte, flippten die Fans aus (7:2). Mit seinem vierten Ass baute Enlund die SVG-Führung auf sechs Punkte aus (9:3) – und machte kurz darauf seinen vierten Punkt im Tiebreak (10:5).
Den wohl umkämpftesten Punkt sahen die Fans abseits des Feldes: Beim 13:8 für die SVG lieferten sich beide Coaches ein Challenge-Duell: Düren hatte auf Übertritt gesetzt, die Hausherren hielten mit dem Verdacht auf Netzberührung dagegen – und hatten Erfolg. Spätestens jetzt war der Weg zum Sieg frei. Gruvaeus drosch den Ball noch mit Wucht an die Dürener Blockhände (14:8), Enlund drückte zum umjubelten erfolgreichen Matchball runter (15:9).
“Das Angriffsspiel war nicht gut, was sonst ein Fundament für unser Spiel ist. Uns haben die Extrapunkte über Aufschlag und Block geholfen”, fasste Stefan Hübner das Spiel zusammen. “Im vierten Satz spielen wir drei Viertel ganz gut, machen dann viele Fehler: Aufschlagfehler, Angriffsfehler, … Dadurch geben wir ihn selbst weg. Wenn wir das sauberer machen, kann es auch 3:1 ausgehen.” Der Chefcoach zollte seinem Team großen Respekt für die mentale Stärke in einer belastenden Saisonphase: “Dass die Jungs immer wieder die Energie finden und auch in so einem fünften Satz nicht aufstecken … das ist aktuell die größte Herausforderung. Spielerisch ist es super, aber vom Kopf her kostet es schon Körner.”
Als MVP wurde SVG-Zuspieler Santeri Välimaa gekürt. Topscorer war Axel Enlund, der auf 25 Punkte kam. Die beste Ausbeute der Gäste holte Robin Baghdady (13). Stark zeigte sich erneut die Annahme der SVG: Libero Sho Takahashi zeigte sich mit 78 % positiver und 39 % perfekter Annahme als Rückhalt, auch Daniel Gruvaeus und Ethan Champlin leisteten viel in der Annahme. Wie eng das Duell am Ende war, zeigen die gleiche Aufschlagfehler-Quote (23:23) und nur ein Punkt Unterschied in der Gesamtbilanz (104:103).
SVG: Kunstmann, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Enlund, Champlin – Takahashi; eingewechselt: Larsen
(gm)
Weitere Stimmen zum Spiel:
Christophe Achten (Chefcoach Düren): “Es war von beiden Teams kein so gutes Spiel. Wir haben unsere Momente nicht genutzt. Im ersten Satz war mehr drin, im dritten Satz haben wir alles unter Kontrolle und dann verlieren wir es durch unsere Aufschlagfehler. Dann übernimmt Lüneburg. Ich kann nur stolz sein, dass wir im vierten Satz zurückkommen und den Punkt mitnehmen. Jetzt geht es weiter – am Freitag ein schweres Heimspiel gegen Freiburg. Wir müssen jeden Tag um Punkte kämpfen.”
Santeri Välimaa (SVG Lüneburg): “Klar gewinnen wir gern gegen diese Teams von der Tabellenspitze. Das sind Siege, die man am Saisonende braucht. Es hätte heute auch anders ausgehen können, beide Teams hatten gute Phasen. Es war echt schwer, aber wir sind glücklich, dass wir gewonnen haben. Und das hilft uns: Wir brauchen Spiele gegen die guten Teams. Wenn man in die Playoffs geht und gegen Teams wie Berlin, Friedrichshafen oder Düren nicht gewonnen hat, wird es schwer, sie auch in den Playoffs zu schlagen. Daher gibt uns das Selbstvertrauen.”
Jordan Canham (SWD powervolleys Düren): “Wir haben nicht unser bestes Spiel gezeigt, aber hatten gute Momente. Lüneburg ist eine richtig gute Mannschaft – und das haben sie gezeigt, vor allem am Ende des dritten Satzes. Gut, dass wir einen Punkt geholt haben – aber wir wollten mehr. Der Aufschlagdruck und viele kleine Fehler haben uns zurückgeworfen.”