Die Volleyballer der SVG Lüneburg lassen einfach nur noch staunen. Der Bundesliga-Neuling punktete nun auch bei seinem fünften Auftritt – und wie: Mit einem famosen 3:1-Erfolg gegen die VSG Coburg/Grub schraubte das Team von Trainer Stefan Hübner sein Konto auf elf Punkte und unterstrich damit, dass es nicht nur längst in der Beletage angekommen, sondern dort eine Bereicherung ist.
In der mit 800 begeisterten Fans wiederum ausverkauften Gellersenhalle vertraute Hübner nach dem Pokal-Intermezzo mit einigen Personalwechseln nun wieder der Anfangs-Sechs der bisherigen Bundesligaspiele, und die war sofort auf Betriebstemperatur und legte zwei nahezu perfekte Sätze vor. Da griff ein Rädchen ins andere, geriet die SVG auch dank einer sicheren Annahme – Libero Erik Mattson: 68 Prozent positive, 52% perfekte Annahme – nicht einmal in Rückstand, spielte souverän und variabel, mit Wucht und Rafinesse.
Vor allem Tijmen Laane, mit 22 Punkten bester Scorer, konnte Coburg nicht kontrollieren, er war über Außen und Mitte, mit Urgewalt und „mit Auge“ erfolgreich. Der später zum MVP gekürte Carlos Mora Sabaté servierte aber auch seinen Mitspielern die Bälle so, wie sie sie brauchten, hatte am Ende sogar selbst sechs Punkte (inklusive zweier Aufschlag-Asse) auf dem Konto – nicht alltäglich für einen Zuspieler. Und Riesen-Probleme hatten die Gäste mit den Flatter-Aufschlägen von Michel Schlien.
„Das waren insgesamt zwei ganz starke Sätze. Und wir hatten einige Probleme, uns auf die niedrige Halle einzustellen, was aber keine Entschuldigung sein soll“, erkannte Coburg sympatischer Trainer Milan Maric den „vollauf verdienten Sieg“ der Hausherren an. Vor allem Diagonalangreifer Itamar Stein, in der vergangenen Bundesliga-Saison Topscorer, kam nicht wie gewohnt zum Zuge, machte aber immerhin noch 13 Punkte und damit mehr als sein Pendant auf der Gegenseite, Falko Steinke (12). Überragend bei den Gästen und auch MVP war Vuk Karanovic (18), beeindruckend aber auch Youngster Moritz Karlitzek, gerade 18 Jahre alt geworden, „nur“ 1,91 Meter groß, aber mit enormer Sprungkraft und auch schon Übersicht gesegnet.
Das half aber zunächst alles nichts gegen eine souverän auftrumpfende SVG, die einem guten Eingangssatz einen noch stärkeren zweiten Durchgang folgen ließ und dann nach der Zehn-Minuten-Pause den Rhythmus verloren hatte. Nun war vor allem bei den Aufschlägen Sand im Getriebe, und bei Coburg versenkte Karanovic nahezu jeden seiner Angriffe und kam nun auch Stein besser zum Zug. Dennoch kämpfte sich die SVG besonders dank eines starken Renè Bahlburg, der sein bisher bestes Saisonspiel machte, wieder heran, war beim 21:23 der Wende nahe. Doch da stellte Karlitzek einen Monsterblock gegen Steinke, 21:24, die Entscheidung, die Gäste verkürzten auf 1:2.
Doch die Hausgerren fanden den Faden wieder, ließen sich auch nicht beirren, als aus einem vermeintlich sicheren 8:5 ein 8:10 wurde, drehten den Spieß wieder um und hatten in den engen Schlagabtausch endgültig Oberwasser, als Coburg auf 18:17 herankommen konnte, ja musste, aber einen einfachen Ball versemmelte – im Fußball ein Elfmeter ohne Torwart. 19:17 somit, die Vorentscheidung. Den Sack dann zuzuschnüren, blieb, passend zum Abend, Sabaté vorbehalten. Und wieder einmal stimmten die Fans, völlig aus dem Häuschen, an: „Oooh, wie ist das schön…“
Das fand auch Trainer Stefan Hübner: „Es macht mir Spaß zu sehen, wie wir spielen, wie wir unser Niveau, das wir im Training zeigen, abrufen können. Und ich bin froh, dass die Jungs sich für ihre Arbeit auch mal mit drei Punkten belohnt haben, nachdem wir zuletzt zweimal 2:3 gespielt haben. Das war heute mal ein konstant sehr gutes Niveau von uns, vielleicht abgesehen vom dritten Satz. Aber dann haben wir uns wieder gesteigert und Coburg musste sich jeden Punkt wieder hart erarbeiten.“