
„Step by Step weiterentwickeln“
Hübner sieht SVG vor Auswärts-Doppelpack auf richtigem Weg
Nach der Heimpremiere 2026/27 gegen Warnemünde vor ausverkauftem Haus dauert es drei weitere Wochen bis zum nächsten stimmungsvollen Volleyball-Abend in der LKH Arena. Schade, mag mancher Neu-LüneHüne finden, der am Samstag von der Heimspiel-Atmosphäre angetan war wie Patrick Rogers: „Die Unterstützung durch die Fans hier ist einfach unglaublich“, staunte der US-Außenangreifer. „Das ging schon vor dem Spiel los, als wir zum Einlaufen bereitstanden und dann das Intro sahen. Das war wirklich cool, da hatte ich Gänsehaut! Ich freue mich darauf, das bald wieder zu erleben!“
Doch erst einmal steht für die SVG Lüneburg eine Reisezeit mit vier Auftritten an, beginnend mit einem Auswärts-Doppelpack an diesem Mittwoch, 19.30 Uhr, bei den Netzhoppers in Königs Wusterhausen (KW) und tags darauf (18 Uhr) beim VC Olympia Berlin. Ziel ist eine weitere Steigerung und die volle Ausbeute von sechs Punkten, wobei beide Aufgaben keineswegs zu unterschätzen sind.
Die erhofften drei Zähler, sogar ein glattes und problemloses 3:0, Einsatzzeit für den kompletten 13-Mann-Kader: Dieser Auftritt im Nordduell hat Lust auf mehr gemacht. Anders als zuvor in Karlsruhe (0:3) kämpften die LüneHünen um jeden Ball auf jedem Zentimeter des Courts, auch die Kommunikation und Körpersprache auf dem Feld waren wieder viel besser. Im fortschreitenden Match waren vermehrt auch Spielfreude und Spielwitz zu sehen, besonders auffällig war die Blockstärke mit einem herausragenden Cole Young an der Spitze (fünf Kill-Blocks). Der war glücklich: „Ich war einfach irgendwie voll im Flow – der Moment, in dem man gar nicht mehr nachdenkt. Man macht es einfach. Der Ball trifft auf die Hand und man blockt ihn ab. Da dachte ich mir: Mann, könnte ich das nicht in jedem einzelnen Spiel haben? Das ist es, was ich will.“
Chefcoach Stefan Hübner, der mit der Mannschaft jede gelungene Aktion geradezu euphorisch abfeierte, sah einen deutlichen Aufwärtstrend: „Auch wenn noch nicht alles hundertprozentig passt – wir haben aber das Vertrauen in den Prozess gehabt, dass wir uns zusammen Step by Step weiterentwickeln.“ Und erleichtert war der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger: „Ich freue mich, dass wir den Schalter ein bisschen umlegen konnten. Es ist wichtig, dass wir von außen der Mannschaft immer das Selbstvertrauen geben und dass sie das dann auch im Spiel ausüben können. Wir haben deutlich weniger Eigenfehler gemacht als im ersten Spiel.“ An diesen Auftritt gilt es nun in Brandenburg anzuschließen.
Netzhoppers wollen wieder in die Playoffs
Für die Netzhoppers, bisheriger Club von Neu-LüneHüne Lovis Homberger, gilt die Parole: Aller guten Dinge sind drei – zum dritten Mal in Folge wollen sie in dieser Saison in die Playoffs einziehen. Nach den Plätzen 8 und zuletzt 7 wähnt sich der Verein auf einem guten Weg nach zuvor schweren Zeiten mit einer Insolvenz im Frühjahr 2023 und dem Abzug von sechs Punkten 2024 für Lizenzvergehen in der Saison davor. Und eine Nicht-Erteilung der Lizenz gab es ja auch schon einmal (nach der Saison 2012/13).
Anfang Oktober sorgten die Netzhoppers dann wieder einmal für einen Schreck in der Bundesliga. Geschäftsführer Dirk Westphal drohte mit der Abmeldung der Mannschaft aus dem Spielbetrieb und seinem Rücktritt – eine Kürzung der Sportförderung durch die Stadt und dadurch ein Fehlbetrag im KW-Budget von bis zu 20.000 Euro stand bevor. Letztlich wurde dann der Fehlbetrag mit einer Verteuerung der Eintrittsgelder und von Merchandise-Artikeln um zwei Euro abgefedert.
Schon zuvor hatte Ex-Nationalspieler Westphal, der sich seit Jahren sehr für den Standort engagiert, wiederholt auf die Hallenproblematik aufmerksam gemacht. Die kleine, flache Paul-Dinter-Halle ist eigentlich nicht für die Bundesliga tauglich, die Ausnahmegenehmigung der Liga läuft nach dieser Saison aus. Ein Ausweichen nach Potsdam, wie schon gelegentlich geschehen, stößt bei Fans, ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren schon wegen der Entfernung (eine Stunde) auf wenig Gegenliebe. „Aber wir müssen das mittelfristig umsetzen, wenn in der Stadt KW nichts passiert“, so Westphal, „ob in Potsdam oder anderswo.“
Der Geschäftsführer musste noch einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Denys Kaliberda (36), Ex-Nebenmann im Nationaltrikot, der eigentlich nach einem Jahr in Herrsching zurückkehren wollte, stieg aus dem Vertrag wieder aus. Die Lücke im Außenangriff konnte dann noch durch Max Schulz geschlossen werden. Der 24-Jährige (fünf Länderspiele) hatte seine Profikarriere einst dort begonnen, bevor er über Spanien, Belgien und Polen (2. Liga) zuletzt in Frankreich (Poitiers) gelandet war. Nach einer langwierigen Verletzung will er nun bei KW wieder aufs alte Niveau kommen, erhielt zunächst einen Vertrag bis Ende November.
Hannes Gerken führt weiterhin als Kapitän Regie
Die Rolle von Diagonalangreifer Homberger hat im Team des neuen Cheftrainers Constant Tchouassi (48), zuletzt in Cannes und 2023/24 Co-Trainer in Friedrichshafen, der Däne Kristoffer Bisgaard (21) übernommen. Der 2,05-m-Mann kam aus der französischen 2. Liga (Narbonne), davor wurde er in der Heimat immerhin schon Meister und Pokalsieger. Mit Neu-Nationalspieler Carl Möller (zwei Kurzeinsätze) ging im Mittelblock ein weiterer absoluter Leistungsträger (nach Giesen), insgesamt sieben Spieler verließen das Team um Ex-LüneHüne und Kapitän Hannes Gerken. Die weiteren Neuzugänge:
Tom Friesen: Der kanadische Außenangreifer, der auch schon diagonal eingesetzt wurde, spielte in den letzten Jahren für die „Bobcats“ der Brandon University. 2025 wurde der 24-Jährige mit ihnen Landesmeister und spielte nach einer starken Saison im B-Team der Nationalmannschaft beim PanAm-Final6-Turnier.
Jonah Dueck: Ebenfalls aus seiner heimischen College-Liga kommt der kanadische Mittelblocker (23), machte dort mit starken Leistungen für die „Bisons“ der Manitoba University auf sich aufmerksam.
Maximilian König: Aus der Bundesliga schon bekannter Mittelblocker (21), der vor einem Jahr vom VCO Berlin nach Karlsruhe wechselte und nun nach einer guten Saison ins Berliner Umland zurückkehrte.
Neu sind ferner Außenangreifer Julian Lenz, der 2. Libero Jaden Janke (beide vom VCO Berlin), Mittelblocker Richard Balz (eigene 2. Mannschaft) und der 2. Diagonale Tim Schmidt (Schöneiche, 3. Liga) – alles Youngster, die wohl eher weniger Einsatzzeit bekommen werden.
Info: Neben dem Abo-Stream bei Dyn läuft das Spiel bei den Netzhoppers auch im kostenfreien Kanal Dyn Sport Mix sowie in Livestreams auf bild.de und sportbild.de.
Von KW geht es dann weiter in die Hauptstadt, um dort ca. 21 Stunden später im Sportforum Hohenschönhausen nach einer Vormittags-Trainingseinheit gleich noch die Aufgabe beim VC Olympia Berlin abzuhaken. In der Vergangenheit war das stets nur eine Pflichtaufgabe gegen das Internatsteam, das aber am 1. Spieltag mit einem 3:0 gegen Freiburg aufhorchen ließ. Dabei ragte Joris Backhaus heraus, ehe er dann ein paar Tage später mit Zweitspielrecht für die SVG auflief. Und nun gibt es gleich nochmal ein Wiedersehen. Am Jahresende wechselt der Libero ja dann endgültig nach Lüneburg.
(hre/gm)