Halbfinale stets ein gutes Omen
Gegen Düren ist zum vierten Mal der große Coup möglich
Dezember, Pokal-Knüller, Heimspiel, Halbfinale gegen Düren – da werden Erinnerungen wach. Denn so etwas gab es für die SVG Lüneburg schon einmal, bevor es an diesem Dienstag, 19 Uhr, in der LKH Arena zu einer Neuauflage kommt (Online-Ticketshop). Wie damals kann dabei die Mannschaft von Chefcoach Stefan Hübner ins Endspiel einziehen.
Ohnehin war es stets ein gutes Omen, wenn die LüneHünen in der Runde der letzten Vier standen. Dann erreichten sie stets das Finale: noch zwei weitere Male im DVV-Pokal und einmal sogar im CEV Cup.
Gleich in der ersten Bundesliga-Saison sorgte die SVG für Furore, wurde zum bis heute stärksten Aufsteiger aller Zeiten. Ein Baustein dabei: der 28. Dezember 2014, das Halbfinale im DVV-Pokal gegen die powervolleys Düren vor 800 Zuschauern noch in der Gellersenhalle. „Ja, das war schon etwas Besonderes, hat richtig Spaß gemacht. Wir waren ja klarer Außenseiter und wurden sicher etwas unterschätzt. Und etwas Glück war auch dabei. Aber wie ist das noch ausgegangen, 3:1 oder 3:2 ?“, grübelt, darauf angesprochen, einer der Haupt-Protagonisten von damals, René Bahlburg. Der Außenangreifer steuerte 15 Punkte bei und verwandelte nach 127 Minuten im Tiebreak den Matchball.
Als René Bahlburg die Pokal-Premiere möglich machte
„Stimmt – jetzt, wo du’s sagst… “, kommt die Antwort, „mein Erinnerungsvermögen ist in solchen Dingen nicht das beste“, lacht der heute 37-Jährige, der noch gelegentlich in der 2. Mannschaft aufläuft, „und wie ging das Spiel nun genau aus?“ 20:25, 25:23, 25:19, 19:25, 15:10 lauteten die Satzergebnisse. Beim Telefonat kommen dann aber doch die Erinnerungen zurück: „Wenn man jetzt darüber spricht, hat man die Bilder wieder vor Augen. Den Matchball habe ich diagonal von Position vier geschlagen.“ Und dann brachen alle Dämme, wurde die Gellersenhalle zur Gellersen-Partyhölle.
Der erste Volleyballer aus Stadt und Land, der Karriere machte, war zu Saisonbeginn aus Rottenburg zurückgekehrt, nach Stationen davor bei den YoungStars Friedrichshafen, in Eltmann und Bamberg. „Das ist einmalig, ein Höhepunkt meiner Karriere“, war Bahlburg damals total begeistert wie alle (außer Düren). Die Fans wollten einfach nicht gehen, feierten die Sensation noch lange nach Spielschluss und nach der Ehrung des MVP, Youngster Jannik Pörner. Die Spieler, teils schon in der Kabine, „mussten“ noch einmal zurückkommen und mit La-Ola-Wellen und Schlachtgesängen mitfeiern.
Auch daran hat Bahlburg kaum noch Erinnerungen, selbst die Starting Six bekommt er nicht mehr komplett zusammen. „Das ist so lange her, seitdem ist so viel passiert. Und längst gibt es wichtigere Dinge“, wirbt der Ex-Profi lachend um Verständnis. Auch wenn er nicht oft die Zeit findet, die Nachfolger in der LKH Arena zu beobachten, ist er überzeugt: „Die Chancen aufs Finale stehen nicht schlecht, gerade zu Hause. Und dann auch in Mannheim. Die SVG hat eine tolle Entwicklung genommen und ist, anders als wir damals, nicht mehr der große Außenseiter.“
Eine Duplizität der Ereignisse fällt bei einem weiteren Blick zurück noch auf: Auch damals hatte die SVG vor dem Pokal-Knüller das Punktspiel in Düren klar 0:3 verloren – an einem 22. November, nun wiederholte sich das am 21. November. Das blieb bis dato die einzige Saisonniederlage. Und das, obwohl beim Gegner Leistungsträger Robin Baghdady früh verletzt passen musste. Inzwischen ist er wieder fit. Damals wurde der Außenangreifer problemlos ersetzt durch Ryan Poole. Später erzielte der eingewechselte Mittelblocker Kyle Paulson (für den indisponierten Petteri Tyynismaa) ähnlich viel Wirkung.
SVG im Punktspiel klar unterlegen
Dürens Stärke in dieser Saison ist auch darauf gegründet, dass der Kader wie bei der SVG breit und ausgeglichen aufgestellt ist. So bekamen zuletzt Zuspieler Gregor Pernus, der Diagonale Sjors Tijhuis und Mittelblocker Philipp Lauter, sonst wenig auf dem Court, vermehrt Einsatzzeit. Am Sonntag lautete die Achse Zuspiel – Diagonalangreifer aber wieder Joris Berkhout – Jordan Canham, wie im Match gegen die SVG. Berkhout führte da stark Regie und wurde MVP. Ihn gilt es nun besser zu „lesen“, damit es für die SVG besser läuft als im Punktspiel. Zudem muss das Service der LüneHünen wieder besser werden als zuletzt gegen Freiburg und Herrsching, die Fehlerquote war doch enorm.
Das allgemein eher zähe 3:1 gegen Freiburg ordnete Bernd Schlesinger, Sportlicher Leiter und Co-Trainer, richtig ein: „Man kann nicht immer hundert Prozent bringen, aber unter dem Strich stehen drei Punkte. Und das, obwohl wir Fehler gemacht haben, die uns sonst nicht passieren. Die werden uns aber, da bin ich mir sicher, am Dienstag nicht passieren – weil wir sie auch zuvor in der Champions League nicht gesehen haben. Von daher bin ich recht optimistisch.“
Im anderen Halbfinale stehen sich am Mittwoch, 19 Uhr, Friedrichshafen und Titelverteidiger Berlin gegenüber. Bei den Frauen haben der Allianz MTV Stuttgart und der VfB Suhl LOTTO Thüringen schon das Finale in Mannheim erreicht.
(hre)