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Erst holprig, dann dominant behauptet

SVG holt sich bei 3:1 in Herrsching den “Flow” zurück

Kurz vor Mitternacht machte sich die SVG Lüneburg nach dem Spiel bei den WWK Volleys Herrsching auf den 750 Kilometer langen Rückweg. Mit im Gepäck: drei Punkte aus dem 3:1 (23:25, 25:22, 25:21, 25:10) – und ein Comeback, mit dem die LüneHünen eine Woche vor dem Zoi DVV-Pokalfinale Nervenstärke bewiesen.

SVG fehlt anfangs noch der Druck

Denn die Gastgeber vom Ammersee machten es den LüneHünen – wie schon beim Hinspiel im November – vor 1900 Zuschauern im Münchener BMW Park zunächst schwer. Die Hausherren profitierten dabei auch vom etwas unsicheren Start der Gäste, denen im Aufschlag der Druck auf die Annahme fehlte, was Herrsching gute Angriffe ermöglichte. Beim 14:13 lag Herrsching erstmals vorn, hatte sich diese Führung auch erarbeitet. Schon zuvor hatten die WWK Volleys gute Aktionen in Block und Angriff gezeigt.

Obwohl der SVG ihre Routine fehlte, hielten die LüneHünen den Satz bis in die Crunchtime offen (20:20). Zum Satzende wechselte Stefan Hübner auf der Diagonalposition, brachte Christopher Byam für Axel Enlund – und der Kanadier hielt mit zwei Punkten das Rennen noch offen (24:23). Ein Block von Santeri Välimaa gegen Denis Kaliberda, der im Aus landete, besiegelte das Herrschinger 1:0.

“Herrsching hat am Anfang sehr gut und super fokussiert gespielt, wenig Fehler, Druck gemacht, diszipliniert Blockfeld-Verteidigung gespielt”, zollte Stefan Hübner dem Spiel der Gastgeber Respekt. “Auch im zweiten Satz war Herrsching vom Momentum her vorneweg. Wir haben dann eine Chance gekriegt – und die haben wir genutzt.”

Gestartet war der Satz mit wechselnder Führung. Zur Satzmitte schien mit dem cleveren Ball des stets gefährlichen Jannes Wiesner das Momentum tatsächlich an die Hausherren zu gehen (13:11). Hübner brachte erneut Byam für Enlund. Eine gewonnene Challenge half Herrsching, sich auf 16:13 abzusetzen. Die SVG war nach einer Übertritt-Challenge wieder heran (16:15) und bei Byams Ass, dem ersten des Spiels, wieder zurück im Rennen (18:17). Drei Punkte in Serie drehten das Spiel (22:23), ein Block von Jackson Howe gegen Wiesner machte den Satzausgleich perfekt.

Die Routine des Spitzenreiters ist nicht mehr zu stoppen

Im dritten Satz war die Routine des Spitzenreiters sichtbar wieder da. Die SVG lag nun fast durchweg vorn, gab nach dem 9:10 die Führung nicht mehr ab. Ob Angriffe von Cole Young, der für Joscha Kunstmann in die Starting Six gerückt war, oder von Byam – jetzt machte die SVG ihrerseits Druck. Herrsching-Coach Bob Ranner hielt mit Wechseln dagegen, brachte etwa Zuspieler Moritz Gärtner für Außenangreifer Uhl.

Doch die SVG hatte nun einen Lauf – und feierte den: Als Välimaa seinen ersten Angriffspunkt machte, rannte der Zuspieler zum Abklatschen zu Coach Hübner (13:17). Jetzt prasselte es fast durchweg auf die Gastgeber ein: Der frühere Herrschinger Daniel Gruvaeus sorgte für Tempo von Position 4, Howe und Ethan Champlin punkteten – 19:24. Eine Herrschinger Auszeit zahlte sich aus, stoppte den Durchmarsch der SVG zum Satzball noch, doch ein Angriff von Byam auf Mittelblocker Gustavo Bryan Avila ließ die zum Auftakt noch angespannten LüneHünen-Mienen schon lockerer werden.

Der vierte Satz begann mit einem Lüneburger Block-Festival: Beim 3:6 hatten die Gäste schon vier Blockpunkte gesammelt – sieben sollten es am Satzende sein, während Herrsching gar keiner mehr gelang. Auch im Angriff gelang nun fast alles – und bei Byams Ass (5:13) schien die Vorentscheidung schon gefallen. Als Howe in der Mitte frei zum 8:20 punktete, untermauerte das die SVG-Dominanz in diesem Abschnitt weiter.

Howe war es auch, der in der Schlussphase weitere Akzente setzte: Ein Block gegen Wiesner (9:23) und ein weiterer Block sicherten ihm eine eindrucksvolle Gesamtbilanz von fünf Blockpunkten. Weil er mit 15 Punkten und 83 Prozent Angriffsquote (10 aus 12) auch sonst überzeugte, ging die MVP-Auszeichnung wenig später verdient an den Kanadier, der sich gut gelaunt kurzzeitig auch die Krone des “Königs von Herrsching” aufsetzte. Ein Aufschlagfehler von Uhl hatte zuvor den Strich unter den SVG-Erfolg gezogen. Der fiel verdient aus: Mit einer Angriffsquote von 60:45 Prozent lagen die LüneHünen ebenso vorn wie in der Block-Bilanz (12:4 Punkte).

“Wir sind dann gut ins Spiel gekommen, haben selbst deutlich besser gespielt”, war Stefan Hübner nach dem Spiel zufrieden. “Der Angriff aus der Annahme ist besser geworden, Chris hat uns gut getan, Santi den Rhythmus im Angriffsspiel etwas geändert. Und zum Ende kam dann ein Flow, da ist Herrsching dann etwas weggebrochen.”

SVG: Young, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Enlund, Champlin – Takahashi; eingewechselt: Larsen, Byam

(gm)

Weitere Stimmen zum Spiel:

Bob Ranner (Cheftrainer WWK Volleys Herrsching): “Lüneburg ist nach dem ersten Satz ins Spiel eingestiegen. Grundsätzlich ist die Erwartung klar, dass Lüneburg mit höherer Belastung auf höherem Niveau spielt. Es ist schwer, vor so einem Pokalfinale emotional gleich voll da zu sein. Aber da ist Lüneburg eben eine Spitzenmannschaft, die nach dem ersten Satz eine Reaktion zeigt. Sie haben uns besser in Situationen gezwungen, in denen wir zuviel riskieren mussten. Großes Lob an Lüneburg! Fantastisch zurückgekommen, fantastisch das Level erhöht – und dann haben sie uns im letzten Satz wirklich geknackt. Ein verdientes 3:1.”

Christopher Byam (SVG Lüneburg): “Wenn man ins Spiel rein kommt, ist klar, dass man einen Impuls setzen soll. Ich wusste, dass es meine Rolle ist, den Schalter umzulegen und Energie reinzubringen. Ich denke, das hat gut funktioniert und uns am Ende geholfen.”

Bastian Korreck (WWK Volleys Herrsching): “Wir haben auch nach dem ersten Satz sehr gut mitgehalten und auch eigentlich im zweiten Satz die Chance gehabt, den Satz zu Ende zu bringen. Wir müssen da volles Risiko gehen und es ist ärgerlich, weil es eine riesige Chance ist, die man nicht oft hat, gegen so ein Top-Team einen Punkt mitzunehmen. Und dass die dann auch ein bisschen anfangen, mehr Druck zu machen, wir dann schwächer werden und nachlassen, passiert dann auch oft einfach. Das muss man jetzt abhaken – die wichtigen Spiele sind jetzt die nächsten zwei.”