
Der Neue trug schon das SVG-Trikot
Cory Schoenherr übernimmt vakante Mittelblock-Position
Es ist ein “Kanada-Wechsel” im Mittelblock: Nachdem sich Jackson Howe entschieden hat, die SVG zu verlassen, wird sein Nationalteam-Kollege Cory Schoenherr die Position im Mittelblock übernehmen. Er erhält einen Einjahresvertrag.
Der 23-Jährige kommt – wie so viele ambitionierte LüneHünen vor ihm – von der Trinity Western University aus seiner Heimat. Mit den “Spartans” holte er in diesem Jahr den nationalen Uni-Meistertitel – gemeinsam mit Anselm Rein, der ebenfalls neu im SVG-Team 2026/27 ist.
“Cory passt exzellent, ist ein Super-Typ mit positiver Ausstrahlung, bringt Potenzial mit”, ist Stefan Hübner vom 2,04-Meter-Mann überzeugt. “Er ist ein athletischer, schneller Mittelblocker, der sich auch gut seitlich bewegt.” Der Chefcoach konnt sich neben dem “guten Draht” zur Trinity University auch schon ein eigenes Bild machen: Im vergangenen Jahr war Schoenherr kurzzeitig Trainingsgast in der Vorbereitung, unterstützte die SVG auch im Trainingsvergleich mit Groningen und hinterließ da schon einen guten Eindruck. “Dass er kommt, verändert nicht groß etwas an der Art, wie wir spielen. Ich freue mich auf Cory. Wir kriegen einen tollen Typen, wir sind sein absoluter Wunschverein. Das hat alles – trotz der Situation um Jacky – viele positive Aspekte”, ergänzt Hübner.
Schoenherr, der mit den TWU Spartans auch schon 2023 den Titel holte, war in der vergangenen Saison bester Blocker des Teams. Zudem bringt er Erfahrung aus den kanadischen Auswahlteams mit. Mit 17 Jahren rückte er schon ins U21-Team, übersprang den U19-Jahrgang. 2023 spielte er bei der U21-WM, 2024 holte er mit Kanada beim Pan-Am-Cup Gold (u. a. mit Jackson Howe, Christopher Byam und Jesse Elser), im gleichen Jahr beim NORCECA-Final-6-Turnier Silber.
Teamgeist überzeugte: Voll auf die SVG-Chance gesetzt
Coach Hübner weiß, wie sehr Schoenherr auf den Schritt zur SVG gesetzt hatte: “Cory hatte die Chance, in Japan oder Frankreich zu spielen, hatte auch Angebote aus der Bundesliga.” Doch der Kanadier hatte einen klaren Fokus: “Das fühlte sich alles nicht richtig an. Bei der SVG ist die Begeisterung dafür da, mit Stefan zu arbeiten und einigen Jungs, mit denen ich schon in der Uni und im Kreis der Nationalmannschaft gespielt habe. Das war es, was ich wirklich wollte. Und als die Chance kam, habe ich sie genutzt”, betont der 23-Jährige.

Ausgerechnet Jackson Howe, der mit seinem Wechsel den Platz im Kader freimachte, gab einen weiteren Impuls. “Er hat sich wirklich sehr schwergetan, sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil er sich bei der SVG sehr wohlgefühlt hat. Er hat mir gesagt: ‘Wenn ich schon nicht mehr da bin, will ich, dass du dort spielst’, und hat das Stefan (Hübner) auch so vorgeschlagen.”
Immer wieder hatten sich die Wege von Howe und Schoenherr gekreuzt. “Als ich im ersten Uni-Jahr war, waren Jackson und Jordan Schnitzer gesetzt”, erinnert sich Schoenherr an den Start bei den Spartans. “Dank ihrer Qualität kam ich noch nicht zu Einsätzen.” Jetzt ist der 23-Jährige beeindruckt davon, sowohl an der Trinity als auch im Klub in die Fußstapfen der Vorgänger treten zu können.
Schon der Eindruck des Trainings-Intermezzos 2025 gab wichtige Orientierung in Sachen SVG. “In Kanada stehen vor allem Technik und Athletik im Fokus. Aber hier geht es um mehr. Es ist nicht nur so, dass man Geld bekommt und spielt – hier geht es auch um Teamgeist und Kameradschaft”, ist Schoenherr vom SVG-Gefühl überzeugt. “Jesse und Jackson haben mir erzählt, wie eng das Team zusammen war – und davon wollte ich unbedingt ein Teil sein!”
Weiter im Duo mit Anselm Rein – und ein Wiedersehen mit Reeve Gingera
Noch ein Pluspunkt: Schoenherr bleibt im eingespielten Duo mit Zuspieler Anselm Rein. “Anselm wird sich freuen”, ist auch Stefan Hübner sicher. “So eine Verbindung hilft dem Teamgefüge, hat positive Aspekte. Cory kennt Spielsystem und Laufwege. Beide stehen im Zentrum des Systems – das hilft, das System schnell reinzubringen. Mit ihm fangen wir nicht bei Null an.”
Auch für Schoenherr ist das weitere “Double” mit Rein ein wichtiger Aspekt. “Es ist schon nicht ganz einfach, das Zuhause zu verlassen und rund um die Welt umzuziehen. Da ist es schon etwas surreal, diese gemeinsame Reise mit einem meiner besten Freunde fortzusetzen.”
Einen weiteren Bekannten wird Schoenherr ebenfalls wiedersehen: Neu-Außenangreifer Reeve Gingera stand in der College-Liga mit den UBC Thunderbirds auf der anderen Seite des Netzes, war in den kanadischen Nationalteams aber auch Teamkollege, wie etwa 2024 in der U23-Auswahl. “Mit ihm und gegen ihn spiele ich schon seit vier Jahren. Ich freue mich darauf, mit ihm auf der selben Seite zu stehen.”
Hübners Eindruck vom Neuen reicht noch länger zurück als die Trainingsvisite 2025. Schon als Co-Trainer des kanadischen Nationalteams (2022) traf er Schoenherr. “Seitdem beobachte ich ihn. Wir haben uns da kennengelernt, er hat viele Fragen gestellt. Seitdem hat er eine tolle Entwicklung genommen, sich das mit viel Fleiß erarbeitet.” Schon jetzt sieht Hübner neben der Schnelligkeit “einen starken Arm, aber auch noch Potenzial im Aufschlag.”
Der junge Kanadier ist überzeugt vom Schritt an die Ilmenau. “Ich habe die Chance, für ein Team und einen Coach zu spielen, die mich auf ein neues Level bringen können – besonders als junger Mittelblocker”, weiß Schoenherr um den Ruf Hübners, der seine Erfahrung als früherer Weltklasse-Akteur auf dieser Position weitergibt. “Stefan ist bekannt für seine gute Arbeit mit Mittelblockern, wie eben Jackson oder auch Jordan Schnitzer”, schwärmt Schoenherr. “Wirklich jeder, mit dem ich gesprochen habe, hat gesagt: ‘Das passt perfekt!’ Und es sagt ja auch viel über den Klub und das Management aus, dass sie jedes Jahr wieder so eine Qualität im Team hinkriegen.”
Mit dem Nationalteam die Olympia-Quali für 2028 im Blick
Aktuell ist Schoenherr mit dem kanadischen Nationalteam in Japan. Er gehört in diesem Sommer – wie schon 2025 – zum VNL-Kader seines Landes, ist diesmal aber erstmals mit dem A-Nationalteam unterwegs. Bisher gab’s noch keinen Einsatz – auch aufgrund der Qualität auf der Position. Jackson Howe ist derzeit bester Blocker der VNL-Saison, überzeugt mit starken Auftritten. “Und auch Pearce (Ex-LüneHüne Pearson Eshenko) spielt stark.”
Die Rolle als Backup ist für Schoenherr kein Problem: “Ich will einfach startklar sein, wenn es auf mich ankommt, ansonsten der beste Teamkollege sein, der ich sein kann.” Zumal das VNL-Turnier selbst schon eine große Erfahrung ist: “Klar ist das Niveau an der Uni auch hoch und es gibt große Spiele. Aber hier ist die Konstanz auf einem ganz anderen Level. Druck und Erwartungen sind dauerhaft hoch, es gibt nur wichtige Spiele. Das ist eine Erfahrung und Umgebung, die mich auch gut für die Bundesliga vorbereiten wird.”
Doch zunächst sind die Ziele mit dem Nationalteam im Blick: “Ich will dazu beitragen, Kanada wieder zu den Olympischen Spielen zu bringen.” Das Team mit dem roten Ahorn war zuletzt drei Mal in Folge bei den olympischen Turnieren dabei. Die erste Chance auf ein LA-2028-Ticket gibt’s beim NORCECA-Turnier der Teams aus Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik im September. “Vielleicht kann ich da dabei sein”, hofft Schoenherr – auch wenn er dann spät zur SVG kommen würde.
Die Heimat des 23-Jährigen ist die 105.000-Einwohner-Stadt Waterloo in der Provinz Ontario, südwestlich von Toronto. “Ich bin, wie viele Kanadier, zuerst mit Eishockey und Baseball großgeworden”, erinnert sich Schoenherr. “Einer meiner Teamkollegen spielte auch Volleyball und hat mich mitgenommen, als ich 14 war. Anfangs habe ich parallel noch Eishockey gespielt, aber mit etwa 16 habe ich das Potenzial im Volleyball erkannt und mich später auch für den Weg an die Trinity-Uni entschieden.” Dort absolvierte er ein Studium im Bereich Rechnungswesen und Finanzen. “Ich weiß noch nicht, was ich später daraus mache. Aber ich mag Zahlen und Analysen”, begründet Schoenherr. Und neben dem Sport? “Ich mag es Sport sowohl selbst zu spielen als auch zuzuschauen. Und Kaffee.”
(gm)

Fünf Jahre gemeinsam bei den TWU-„Spartans“: Jetzt setzen Cory Schoenherr und Anselm Rein ihre Karriere bei der SVG fort. Foto: TWU/Edwin Tam