Zum Hauptinhalt springen

Viele Stützen bleiben 

Wer bei der SVG bleibt und wer geht, ist inzwischen klar. Im Gegensatz zum Vorjahr trägt in der neuen Saison exakt die Hälfte des bisherigen Kaders weiter das LüneHünen-Trikot und darunter sogar ein Quintett, das zuletzt meist in der 7er-Startformation stand. Die sieben Abgänge:

Ihn als „alten Hasen“ zu bezeichnen, hört sich wegen seiner erst fast 23 Jahre (im Juli) merkwürdig an. Und dennoch ist Joscha Kunstmann tatsächlich der dienstälteste Spieler, der in der abgelaufenen Saison für die LüneHünen auflief. Nach drei Jahren an der Ilmenau mit insgesamt 95 Pflichtspiel-Einsätzen wechselt er nun das Trikot. „Ich glaube, dass es mir ganz gut tut, jetzt etwas anderes zu machen. Es ist der richtige Zeitpunkt, aus der Komfortzone auszubrechen“, sagt der Mittelblocker zu seinem Wechsel, betont dabei aber auch: „Ich habe mich hier super wohl gefühlt.“

Kunstmann war 2023 vom Internatsteam VC Olympia Berlin gekommen, der Junioren-Nationalspieler war davor auch auf dem Frankfurter Internat. „Beim VCO habe ich ja meist im Diagonalangriff gespielt, in der Mitte höchstens mal ausgeholfen“, blickt er zurück. „Daher wusste ich gar nicht so recht, was mich hier als Mittelblocker erwartet. Aber schon im ersten Jahr lief es sehr gut für mich, das war schon sehr besonders. Ich habe mehr gespielt, als ich erwarten konnte. Ich bin sehr dankbar für die Chance, die ich bekommen habe – und ich denke, dass ich die Chance genutzt habe.“

Unvergessen wird ihm aus dieser Debütsaison vor allem das Halbfinal-Rückspiel im CEV Cup gegen Izmir bleiben: „Das war der erste große Erfolg meiner Karriere – und dann diese Dramatik mit dem gewonnenen Golden Set …“ Der Jungprofi stand anschließend sogar in beiden Endspielen gegen Rzeszow in allen sechs Sätzen auf dem Feld. In der vergangenen Saison wurden es dann noch mehr Einsätze, 37 gegenüber zuvor 25. Hinzu kam im letzten Sommer, dass der B-Nationalspieler mit zwei Teilnahmen als Stammspieler an Universiaden auch im A-Team ein Thema wurde (bisher acht Länderspiele) und dort auch demnächst wieder dazu gehört.

In dieser Saison lief es nach stabiler Hinrunde nicht mehr ganz so rund, immer öfter bekam dann Cole Young den Vorzug – auch im DVV-Pokalfinale, wo er nicht eine Minute spielte. „Klar, man will immer spielen. Aber manchmal ist es schon schwer, das zu akzeptieren“, gibt er zu, dass es da besonders schwer fiel. „Aber die Trainer haben sich dabei ja auch etwas gedacht und der Erfolg gibt ihnen Recht. Es ist alles okay, wie es ist. Ich bin glücklich damit, was wir in dieser Saison alles erreicht haben.“ Wohin es nun geht, verrät er noch nicht, nur soviel: „Ins Ausland.“

Ethan Champlin: Der US-Nationalspieler war nach der Saison zuvor in Giesen auch in Lüneburg schnell ein Leistungsträger. Logisch, dass der 24-Jährige, der eine gute WM gespielt hatte, schon vor dem Bundesligastart das Interesse größerer Vereine auch im Ausland weckte. Doch Champlin wollte seinen Vertrag erfüllen. Er wurde schließlich in einer von Dyn ausgerichteten Trainerwahl zum stärksten Außenangreifer der Saison gekürt, weil er nicht nur immer wieder ordentlich punktete, sondern auch in der Annahme überzeugte. Im DVV-Pokalfinale war er mit 20 Punkten SVG-Topscorer. Durch die Bestätigung solch starker Auftritte auch auf europäischer Ebene war Champlin letztlich nicht zu halten.

Sho Takahashi: Der erste Japaner bei der SVG eroberte die Fan-Herzen im Sturm, nicht nur durch die typisch stets freundliche japanische Art des Auftretens. Auch sportlich ließ er Vorgänger Gage Worsley schnell vergessen. Der 31-Jährige hechtete kamikaze-artig durch die Hallen, riss durch spektakuläre Rettungstaten nicht nur die Besucher der LKH Arena zu Begeisterungsstürmen hin, und das, obwohl er nach einer monatelangen Verletzungspause aus Polens PlusLiga in die Bundesliga gewechselt war. Enorm ehrgeizig, kam er früh als erster Neuzugang, arbeitete in Sonderschichten an der Fitness und strebte dann in jedem Spiel nach der Perfektion in der Annahme. Dass ihm das recht gut gelang, bestätigen die schon erwähnte Trainerwahl zum Besten auf seiner Position und die Auszeichnung als MVP der gesamten Bundesliga-Saison.

Christopher Byam: Der Kanadier wurde aus Frankreich als Nachfolger seines Landsmannes Xander Ketrzynski für den Diagonalangriff geholt, schlug auch ein, musste sich aber mehr, als zu erwarten war, einem starken Konkurrenten erwehren: mit Youngster Axel Enlund, erst in Lüneburg 18 Jahre alt geworden, gab es so ein Job-Sharing. Beide hatten etwa gleich viele Spielanteile, war der eine mal nicht so gut drauf, kam der andere, und beide konnten Spiele entscheiden. Byam, auch erst 24, machte als 8. im Bundesliga-Ranking der Topscorer zudem im Ausland so sehr auf sich aufmerksam, dass nun der nächste Wechsel ansteht.

Jesse Elser: Der Kanadier ist der Inbegriff eines Teamplayers. Nach einer starken Saison 2023/24 kam er nach einem Jahr in Sète zurück, wissend, dass es hier angesichts starker Konkurrenz schwer werden könnte. In einem Interview machte er einmal deutlich, dass er in Frankreich nicht glücklich wurde, weil ihm nicht zuletzt die Wertschätzung fehlte: „Eine Niederlage mit Lüneburg fühlt sich immer noch besser an als ein Sieg mit Sète.“ Die Wertschätzung hatte er in der SVG-Familie schon allein als verlängerter Arm des Trainers, auch wenn der Kapitän nur in der Hälfte der Spiele auf dem Court stand. Als Führungsspieler war Elser dennoch unverzichtbar, lebte vor, dass er einen Mannschaftssport ausübt, in dem eben nicht alle gleichzeitig spielen können. Highlights auf dem Feld hatte er aber auch, so wie beim Spiel in Dachau, als er satte sieben Asse aus dem Ärmel zog und mit 20 Punkten MVP wurde. Leider musste er vorzeitig zurück in die Heimat, als sein Vater einen Schlaganfall erlitt.

Axel Larsen: 2024 als Backup zu Xander Ketrzynski gekommen, wechselte der Däne gegen Ende der letzten Saison dauerhaft in den Außenangriff. Satte 45 Einsätze stehen da in dieser Spielzeit zu Buche, aber er wurde aber vor allem als Aufschlagjoker in der Crunchtime ein wichtiger Faktor, servierte meist mit Wirkung, oft auch mit Assen. Doch auch, wenn er länger spielte, überzeugte der noch 21-Jährige. Folgerichtig sucht er nun mit einem Wechsel die Chance, Stammkraft zu werden. Der Linkshänder wird seinen Weg machen, spannend wird aber, auf welcher Position ihn künftige Coaches und auch sein Nationaltrainer sehen.

Neo Laumann: Wie Kunstmann hat der Zuspieler drei Jahre SVG im Lebenslauf stehen, in der ersten Saison gehörte er aber als Junioren-Nationalspieler vom VCO Berlin nur mit Zweitspielrecht dazu und blieb hier ohne Einsatz. Ab 2024 war er dann endgültig ein LüneHüne mit 43 Pflichtspiel-Einsätzen, wenn auch viele nur in Teilzeit. Denn die Konkurrenz war groß für den bald 21-Jährigen (im August): aktuell Santeri Välimaa, davor Michael Wright. Wenn er aber auch mal länger auflief, konnte er meist sein Talent nachweisen. Wertvoll war Laumann auch am Rand, immer gut gelaunt – und insbesondere in dieser Saison als Motivator in den Auszeiten.

Die SVG dankt ihnen allen für ihren Einsatz im Trikot der LüneHünen und wünscht alles Gute für die sportliche und persönliche Zukunft.

(hre)