
SVG verpasst wichtigen Punktgewinn
Europa-Vorentscheidung nach 1:3 in Lissabon vertagt
Das ist bitter: Obwohl sich die LüneHünen im Champions-League-Spiel bei Sporting CP Lissabon nach 0:2-Satzrückstand noch einmal stark ins Spiel zurück kämpften, mussten sie sich mit 1:3 (21:25, 19:25, 25:16, 29:31) geschlagen geben. Weil die SVG keinen Punkt holte und Lissabon nun ebenfalls noch Chancen auf den 3. Platz in der Gruppe D hat, bleibt auch die “Europa-Zukunft” der SVG nach der Gruppenphase zunächst offen, wird erst nach dem letzten Spieltag in der kommenden Woche entschieden.
Unter den 1056 Zuschauern im Lissaboner Pavilhão João Rocha hatte der SVG-Fanblock fast ein akustisches Heimspiel. Etwa 100 Fans waren mit in die portugiesische Hauptstadt gereist, sorgten für den größten Auswärtsblock bei einem SVG-Spiel außerhalb Deutschlands. “Da ist gute Energie entstanden!“, war Chefcoach Stefan Hübner nach der Partie vom Support begeistert. „Deshalb wollte das Team auch für die Fans, die die weite Reise auf sich genommen haben, mit Charakter, Fight und Spirit weiterspielen. Das war auch wichtig. Und es war irre, unglaublich, dass so viele Fans mit hierherkommen.”
In der Crunchtime den Zugriff verloren
Auf dem Spielfeld lief es zunächst gut für die Gäste, die mit der gleichen Starting Six antraten wie beim 3:1-Erfolg im Hinspiel. Die SVG hielt den ersten Satz in einem ausgeglichenen Spiel lange offen (11:11, 15:15, 18:18). Just zur Crunchtime hatte Lissabon-Mittelblocker Eulavia Semedo Tavares seinen großen Auftritt: Mit einem Ass brachte er sein Team in Führung (21:20), seine Aufschlagserie brachte weiter Druck auf das SVG-Spiel und baute den Vorsprung weiter aus (24:20). Einen ersten Satzball vereitelte Ethan Champlin noch, doch Jonas Aguenier knallte den Ball zum ersten Satzgewinn der Hausherren auf den Boden (25:21).
Das Selbstvertrauen nahm Sporting mit in den zweiten Satz. Die Gastgeber setzten sich schnell ab (6:2, 13:8) und verhinderten, dass die SVG Zugriff aufs Spiel bekam. Eine Drei-Punkte-Serie der LüneHünen ließ kurz Hoffnung keimen (18:14), doch mit einem Ass von Jan Galabov (20:14) untermauerte der tschechische Außenangreifer die dominante Rolle von Sporting in dieser Phase. Vor allem im Angriff hatten die Portugiesen bis dahin Vorteile, hatten nach dem 25:19-Satzgewinn mit einer Positiv-Quote von 64 Prozent (SVG: 43) die Führung durchaus verdient.
SVG findet den Reset-Knopf
Im dritten Satz gelang der SVG eine Trendumkehr. Die LüneHünen kämpften leidenschaftlich um einen Punktgewinn – und fanden jetzt auch ihren “Flow” wieder. Beim 1:3 lag die SVG erstmals im Spiel mit zwei Punkten vorn, Axel Enlund holte drei Lüneburger Punkte in Folge (4:6). Die Gäste hatten jetzt klar das Momentum, ließen sich auch von einer Sporting-Auszeit nicht stoppen (6:10) und bauten ihren Vorsprung zum Start in die Crunchtime auf acht Punkte aus (12:20). Beim ersten Satzball lag das Team von Stefan Hübner sogar mit zehn Punkten vorn (14:24). Als Champlin die Blockfinger von Aguenier erwischte (15:25) und damit den Lüneburger Satzgewinn sicherte, war die klare Hoffnung auf einen Punktgewinn wieder da.
Vorsprung in der Crunchtime vergeben
Jetzt entwickelte sich ein intensives Duell. Eine erste deutliche SVG-Führung (5:8) konterte SCP-Coach Joao Coelho erfolgreich mit einer Auszeit (8:8), doch zur Satzmitte rissen die LüneHünen das Momentum an sich (11:15, 12:17) und gingen mit einer Fünf-Punkte-Führung in die Crunchtime (15:20). Zuspieler Santeri Välimaa gewann ein wichtiges Drückduell – und konterte dann einen Zuspielerball von Volleyball-Legende Sergej Grankin seinerseits mit der gleichen Aktion (17:22). Nach Joscha Kunstmanns clever getippten Punkt zum Satzball (19:24) hatte die SVG den Fuß bereits in der Tür zum Tiebreak, doch eine starke Aufschlagserie von Tavares sorgte für den Ausgleich (24:24) und einen nervenaufreibenden Schlagabtausch um den Satzgewinn.
Vier weitere Satzbälle vergaben die Gäste, brachten Lissabon mit einem missglückten Angriff schließlich nach vorn (30:29). Die Hausherren nutzten ihren ersten Matchball: Tavares verwandelte mit Wucht, sicherte seinem Team nach 115 Spielminuten die ersten Punkte in der Champions-League-Gruppenphase. Die LüneHünen blieben ohne Zähler – bitter, denn in den Statistiken lagen sie nach dem mäßigen Start sogar durchweg vorn (7:5 Asse, 54:50 % positive Annahme, 52:50 Angriffspunkte, 9:7 Blockpunkte).
“Es war ein gutes Spiel”, fand SVG-Chefcoach Stefan Hübner im Anschluss trotz der Niederlage. “Wir sind gut in den ersten Satz gestartet. Bis zum 20:20 lief es gut, dann machen wir drei, vier Eigenfehler und geben den Satz weg. Umso erfreulicher war dann der dritte Satz. Da sind wir mit Moral gut zurückgekommen, haben gut gespielt, gefightet, einen Weg ins Spiel gefunden. Auch im vierten Satz haben wir gut gespielt, waren in einer guten Position – und dann kann man auch sagen: Gratulation an Sporting, dass sie nach dem 24:21 die Aufschläge so getroffen haben. Das passiert, das ist auch nicht schlimm – aber danach haben wir es nicht gut zu Ende gespielt. Es wirkte, als hätten alle ein bisschen auf eine gute Aktion des Nebenmannes gehofft. Da fehlte etwas der Spirit ‘Ich nehme das in die Hand!’. Das haben wir im Kollektiv nicht gut gemacht, zwei, drei Chancen nicht genutzt.”
Als MVP wurde Lissabon-Zuspieler Sergej Grankin gekürt. Bester Scorer war SVG-Diagonalangreifer Axel Enlund (24 Punkte), bei Sporting kam Jan Galabov auf die beste Ausbeute (17 Punkte).
SVG: Champlin, Kunstmann, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Enlund – Takahashi; eingewechselt: Larsen, Young
(gm)
Weitere Stimmen zum Spiel:
Joao Coelho (Chefcoach Sporting CP): “Wir sind gut reingekommen, haben auf dem Niveau von Lüneburg gespielt. Wir waren besser im Angriff. Nach dem 2:0 sind wir eingebrochen, da hat die SVG ihr Potenzial als gutes Team gezeigt und uns Probleme bereitet. Im vierten Satz, als jeder schon den Tiebreak als normalen Verlauf erwartet hatte, haben wir an uns geglaubt, eine gute Aufschlagserie gehabt. Und wir hatten auch das glückliche Momentum, das jedes Team braucht – besonders unser Team, für das es das erste Mal in der Gruppenphase war. Aber es war ein schweres Spiel, gegen Lüneburg ist es sehr schwer zu spielen. Wir sind froh über den Sieg, brauchen jetzt aber noch mehr als ein bisschen Glück, um aus diesem Ergebnis etwas zu machen.”
Ethan Champlin (SVG Lüneburg): “Am Anfang war es eng, aber dann haben wir uns zu sehr zurückgezogen. Die ersten beiden Sätze haben sich nicht gut angefühlt. Im dritten Satz hatten wir nichts mehr zu verlieren, hatten dann auch Erfolg. Annahme und Aufschlag liefen dann besser, aber am Ende des vierten Satzes haben wir nicht mehr gut abgeschlossen, da hat manches nicht mehr geklappt.”
Jan Galabov (Sporting CP): “Ein gutes Ergebnis. Ich denke, wir haben umgesetzt, was ich zuvor gesagt habe, dass wir auf dem Feld aggressiver sein müssen, und ich bin wirklich froh, dass wir das getan haben. Das war wahrscheinlich der Schlüssel zum Sieg und dazu, die Kontrolle über das Spiel zu behalten.”
Axel Enlund (SVG Lüneburg): “Sporting ist eine gute Mannschaft. Sie haben eine großartige Atmosphäre zu Hause und spielen gut. Und wenn wir unser Niveau, unseren Standard nicht erreichen, dann sind wir nicht gut genug. Und dann müssen wir das ändern, damit wir versuchen können, immer unser Niveau zu erreichen.”