
SVG holt Platz im CEV Cup
Europa-Saison geht trotz 0:3-Niederlage in Zawiercie weiter
Es wurde der Nervenkitzel-Abend, den die SVG und ihre Fans gern noch vermieden hätten: Im letzten Spiel der Champions-League-Gruppenphase musste sich die SVG bei Aluron CMC Warta Zawiercie 0:3 (20:25, 17:25, 22:25) geschlagen geben.
Weil im parallelen Spiel Sporting Lissabon gegen Asseco Resovia Rzeszow einen 3:1-Sieg holte und damit sieg- und punktgleich mit der SVG im Pool D rangierte, musste der Quotient der Ballpunkte entscheiden. Hier hatte die SVG hauchdünn die Nase vorn: Zwölf Punkte und damit ein um 0,02 (!) besserer Quotient im vierten (!) Ranking-Kriterium sicherten den LüneHünen den 3. Platz – und damit einen Platz im CEV Cup. Dort treffen die Lüneburger – vorbehaltlich der endgültigen Bestätigung durch den CEV – im Viertelfinale auf den französischen Klub Alterna SPVB Poitiers, der sich gegen den VfB Friedrichshafen durchsetzte.
79 Spielminuten lang boten die LüneHünen dem polnischen Topteam Zawiercie mutig Paroli – am Ende setzten sich die Hausherren vor 2530 Zuschauern in der Hala Sportowa in Sosnowiec mit Erfahrung und Qualität durch. “Es war ein solides Spiel, nicht schlecht, aber nicht über unserem Niveau. Das ist es, was wir brauchen, um gegen einen starken Gegner die Sätze knapper zu halten”, fiel das erste Fazit von SVG-Chefcoach Stefan Hübner im Anschluss aus.
Offenes Duell zum Auftakt
Sein Team war gut gestartet, setzte mit gutem Aufschlag und guter Annahme früh Akzente, die mit einer Drei-Punkte-Führung belohnt wurden (3:6, 5:8). Erst nach einer Punkte-Serie samt gewonnener Blocktouch-Challenge lag Zawiercie erstmals vorn (9:8). Beide Teams lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, in dem die SVG mithielt, auch nach einem Rückstand (15:12) noch einmal ins Spiel kam. Christopher Byam, der (anders als im Hinspiel) für Axel Enlund die Diagonalposition besetzte, sorgte mit zwei Assen für eine SVG-Führung (15:16). Zawiercie-Coach Michal Winiarski reagierte mit einer Auszeit – und die hatte Wirkung: Sein Team holte vier Punkte in Folge. Den Vorsprung der Polen zum Start in die Crunchtime holte die SVG nicht mehr auf. Kyle Ensings Ball auf den Marktplatz (25:20) sicherte den Gastgebern den ersten Satzgewinn.
Im zweiten Satz startete Zawiercie dominant – nach Milosz Zniszczols Ass stand es schon 4:0. In einer frühen Auszeit forderte Stefan Hübner mehr Wachsamkeit von seinem Team. Das profitierte von Zawiercies Aufschlagfehlern – beim 10:6 hatten die Hausherren schon vier Punkte von der Linie abgegeben. Mit guten Aktionen von Byam und Joscha Kunstmann blieben die LüneHünen zunächst noch in Schlagdistanz (13:9). Doch Zawiercie blieb konsequent und bot dem Bundesliga-Spitzenreiter wenig Zugriff aufs Spiel.
Zur Crunchtime war der Vorsprung schon auf sieben Punkte gewachsen. Zwei erfolgreiche Pipe-Angriffe von Ethan Champlin (22:15, 23:16) setzten noch einmal Akzente, doch Bartosz Kwolek, der im Angriff immer wieder seine Routine ausspielte und bis Spielende auf eine beeindruckende 71-Prozent-Quote kam (10 aus 14), machte mit einem Block gegen Champlin den zweiten Satz klar (25:17). Gegenüber dem ersten Abschnitt hatten die Gastgeber nun ihre Rolle klar untermauert, sich vor allem im Angriff (15:10 Punkte) deutlicher behauptet.
Zawiercie behauptet sich mit Konsequenz
Im dritten Satz legte die SVG wieder gut los (2:3, 5:6, 7:8) und bot den Hausherren zunächst Paroli. Bis zum 12:11, dem fünften Aufschlagfehler von Zawiercie, blieben die LüneHünen den “Jurassic-Rittern” im Nacken, dann riss die Schlagdistanz ab (14:11, 19:14, 21:15). “Macht es ihnen schwerer zu punkten!”, hatte Hübner zwischenzeitlich in einer Auszeit an sein Team appelliert. Und auch wenn der SVG immer wieder gute Aktionen gelangen und sie in Rallys den Punktgewinn lange offen hielt – Zawiercie blieb konsequent. Ein Aufschlagfehler von Biniek holte die Gäste kurz vor dem Matchball nochmal ins Spiel (24:22), doch als Sho Takahashi einen Angriff von Kwolek nicht mehr abgewehrt bekam, war das Duell entschieden.
„Sie haben mit ihrem Aufschlag mehr Druck ausgeübt, hatten einen konstanteren Druck. Wir hätten auch etwas mehr Druck ausüben müssen, um sie aus dem Konzept zu bringen”, machte Stefan Hübner einen der Unterschiede aus. “In einigen Situationen, in denen Zawiercie in Schwierigkeiten war, haben sie manchmal zu leicht mit dem Tipp gepunktet. Wir müssen es ihnen vielleicht etwas schwerer machen, um den Punktestand knapper zu halten. Letztendlich haben sie konstant auf hohem Niveau gespielt”, erkannte der Chefcoach die Leistung der Hausherren an. Neben dem Aufschlag hatte Zawiercie auch in der Annahme (52:38 % Positiv-Quote) und mit 6:1 Blockpunkten die Nase vorn.
Als MVP wurde Diagonalangreifer Bartlomiej Boladz geehrt, der auch die beste Punkteausbeute seines Teams holte (14) und mit 65 Prozent Angriffsquote einen wichtigen Anteil am Erfolg hatte. Topscorer war SVG-Diagonalangreifer Christopher Byam, der auf 15 Punkte kam.
SVG: Kunstmann (1), Välimaa (2), Gruvaeus (1), Howe (4), Byam (15), Champlin (11) – Takahashi; eingewechselt: Larsen (5)
(gm, Foto: CEV/K. Popiół)
Weitere Stimmen zum Spiel:
Michal Winiarski (Chefcoach Aluron CMC Warta Zawiercie): “Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir die Gruppenphase als Erster abgeschlossen haben. Ich freue mich auch über das Ergebnis. Wir konnten sehen, dass Lüneburg zuweilen wirklich guten Volleyball gespielt hat, insbesondere in der Abwehr. Beim Aufschlag sind sie viel Risiko eingegangen. Deshalb bin ich doppelt glücklich, denn die Mannschaft hatte alle Sätze ab dem 15. Punkt unter Kontrolle, manchmal sogar schon früher. Wir haben drei Punkte und warten nun auf unseren Gegner im Viertelfinale.“
Ethan Champlin (SVG Lüneburg): „Wir müssen Zawiercie Anerkennung zollen, sie sind eine großartige Mannschaft. Es gibt einen Grund, warum sie an der Spitze der PlusLiga-Tabelle stehen. Ich fand, dass sie heute besser verteidigt haben als wir, sie haben wirklich gut aufgeschlagen. Bestimmte Fähigkeiten haben bei uns nicht so gut funktioniert, der Aufschlag, der Angriff. Ich bin ein bisschen unzufrieden mit unserer Leistung, aber wir kehren nach Deutschland zurück und haben dort einige wichtige Spiele vor uns. Ich denke, unser Team kann aus dieser Champions-League-Erfahrung viel lernen.”
Aaron Russell (Aluron CMC Warta Zawiercie): “Ich denke, der große Unterschied lag wirklich im Block, in der Abwehr und in unserem Side-Out. Wir konnten die Vorteile, die wir uns mit unserem Block und unserer Abwehr verschafft hatten, durch ein gutes Side-Out halten. Im ersten Satz haben sie einige Asse geschlagen und uns ein wenig in Schwierigkeiten gebracht, aber wir konnten konzentriert bleiben und gut annehmen, sodass wir den Ball auch bei schwierigen Aufschlägen im Spiel halten konnten. Migi (Miguel Tavares) hat mit seinen Zuspielen ein gutes Spiel gemacht und die Angreifer in eine gute Position gebracht.“
Infos zum anstehenden Viertelfinale im CEV Cup (Heimspiel: 03.-05.03., Auswärtsspiel 10.-12.03.) sowie zum Ticket-Vorverkauf folgen schnellstmöglich. Behaltet dafür auch die Social-Media-Kanäle der SVG (Instagram, Whatsapp) im Blick.