
Piacenza siegt mit vollem Fokus
Trotz Chancen: SVG unterliegt im Final-Hinspiel 0:3
Das war ein Abend mit europäischem Spitzenvolleyball, den die 3200 Fans in der ausverkauften Arena nicht so schnell vergessen werden. Zwar verlor die SVG im Hinspiel des CEV-Cup-Finales gegen Gas Sales Bluenergy Piacenza mit 0:3 (24:26, 22:25, 16:25). Doch die LüneHünen zeigten, dass sie einem Team auf diesem Topniveau Paroli bieten können.
“Es ist nicht ‘schade’, es ist nicht ‘enttäuscht’”, rückte Stefan Hübner das Ergebnis schnell in den Hintergrund. Er betont: “Das ist jetzt der nächste Entwicklungsschritt für die Spieler. Wir haben junge, sehr talentierte – die spüren: Ich kann auf diesem Niveau spielen. Jetzt geht es darum, das immer zu machen.”
Der Chefcoach hatte erneut der zuletzt etablierten Starting-Six vertraut. Eine personelle Überraschung gab es trotzdem: Ines Laube übernahm die Aufgabe als Co-Trainerin, nachdem sich Tyler Koslowsky beim Training am Dienstag die Achillessehne gerissen hatte und zunächst pausieren muss.
SVG startet gut, Piacenza in der Crunchtime stark
Vor richtig lauter, stimmungsvoller Kulisse in der rappelvollen LKH Arena waren die Hausherren stark gestartet. Beim 5:1 nahm Gäste-Coach Dante Boninfante die erste Auszeit. Die SVG behauptete aber weiter einen Vorsprung (8:4, 12:8, 14:9), hatte eine gute Spielkontrolle. Piacenza glich erstmals aus (17:17), war in der Crunchtime schließlich auf den Punkt zur Stelle. Beim 23:24 rissen die Gäste erstmals die Führung an sich – just zum ersten Satzball. Für die Fans war das Duell zum packenden Spektakel geworden, wie bei der Rally vor dem 24:25: Ein Piacenza-Block landete im Feld der Hausherren, aber die Fans feierten beide Teams für ihren starken Auftritt. Gegen einen Block von Gianluca Galassi war die SVG-Abwehr schließlich machtlos, musste Piacenza den Satz überlassen (24:26).
Auch im zweiten Satz legten die LüneHünen besser los, setzten sich erneut ab (5:4, 9:6). Gegen harte Angriffe der Gäste fand die SVG gute Mittel, auch im Angriff immer wieder gute Lösungen, wie Ethan Champlins Aktion zum Block-Aus (11:7). Doch jetzt wurden die Gäste deutlich konsequenter, der Diagonale Alessandro Bovolento etwa fand öfter den Weg durch den SVG-Block. Und erneut gab’s sehenswerte Volleyball-Action für die Fans: In einer spannenden Rally hielt Sho Takahashi den Ball dreimal per Rettungsaktion im Spiel, erst Simón schloss zum Punkt für die Gäste ab (12:9). Die SVG blieb aber vorn, feierte gelungene Aktionen bei Axel Enlunds hartem Angriff in den Block-Briefkasten (13:9) und seinem Angriff zum Block-Aus (16:10). Daniel Gruvaeus’ Pipe-Angriff ließ die Fans schließlich richtig ausrasten (17:10).
Doch gegen das ‘Geht da was?’-Gefühl auf Lüneburger Seite fand Piacenza die passenden Mittel. Champlin hatte den Ball noch diagonal ins Feld geknallt (19:13), doch dann starteten die Gäste eine Mega-Serie. Vor allem Bovolenta und Jose Miguel Suarez hatten immer wieder Ideen und punkteten – es wurde eine beeindruckende Sieben-Punkte-Serie von Piacenza (19:20). Auch Killblocks wurden nun zum Mittel der Gäste, Simón machte gleich zwei in Folge. Am Spielende hatte Piacenza in der Blockbilanz mit 9:3 Punkten die deutlich bessere Ausbeute.
Bei Gruvaeus’ Angriff – der Schwede war mit 53 % Quote effizientester SVG-Akteur des Abends – keimte noch einmal Hoffnung (21:20), doch den Gästen gelang nun fast alles. Zuspieler Paolo Porro punktete mit guten Szenen doppelt, den Satzball krachte Suarez platziert vor die Linie (22:25).
Wie knapp die Entscheidung ausfiel, zeigt die Statistik: Die Annahme zeigte die SVG bis dahin in der Positiv-Quote vorn (49:44 %), im Angriff lagen beide Teams eng beieinander (44:47 %) – Piacenza hatte sich die Punkte in den richtigen Momenten gesichert.
Piacenza-Routine zahlt sich aus
Im dritten Satz war der Fokus der Gäste von Beginn an da. Beim 3:6 aus SVG-Sicht hatte Piacenza schon mit drei Assen gepunktet, Stefan Hübner bereits eine Auszeit genommen. Ein Ass von Gruvaeus sorgte für Entlastung (9:12), doch dann riss die Schlagdistanz ab, auch weil sich Ungenauigkeiten ins Lüneburger Spiel einschlichen (10:15, 12:18). Doch die LüneHünen gaben nicht auf, suchten weiter motiviert nach Lösungen. Die Routine der Gäste zahlte sich nun aus, Ramazan Mandiraci und Paolo Porro konnten mit guten Aktionen souverän punkten (14:21). Gruvaeus zwang die Gäste noch einmal zu einem Abwehrfehler (15:21), doch als der Angriff von Suarez vom Lüneburger Doppelblock ins Aus ging, waren Satz und Partie nach 82 Spielminuten entschieden (16:25).
“Wenn das jetzt dabei hilft, den eigenen Standard hochzuschrauben, wenn man in so eine Liga will und mit der Nationalmannschaft international spielen will, dann ist es das, was passieren muss”, fand Stefan Hübner eine Quintessenz aus dem Abend. “Du kannst dich keinen Zentimeter rückwärts bewegen, Du musst es dir holen. Du kannst nicht einen kleinen Moment nicht fokussiert sein. Das zu verstehen, ist der schwerste Schritt. Aber das ist das spannende. Ich hoffe, dass der eine oder andere das mitnimmt und dass uns das als Team auch in den nächsten Spielen hilft – ein bisschen kaltschnäuziger zu sein, um das noch ein bisschen besser zu Ende zu spielen”, setzte der Chefcoach auf einen Entwicklungsschritt seines Teams.
Von den Fans gab es nach dem Spiel riesigen Applaus – und der fühlte sich nicht aufmunternd gemeint an, sondern anerkennend-begeistert nach einem guten Auftritt auf europäischer Bühne. Als MVP wurde Paolo Porro gekürt – die Auszeichnung gab’s von Niedersachsens Sportministerin Daniela Behrens -, Topscorer war Alessandro Bovolenta (17 Punkte).
SVG: Young (6), Välimaa, Gruvaeus (11), Howe (5), Enlund (9), Champlin (8) – Takahashi; eingewechselt: Larsen, Elser, Byam
(gm)
Weitere Stimmen zum Spiel:
Dante Boninfante (Cheftrainer Piacenza): „Wir wussten schon vorher, dass dies ein hartes, sehr schwieriges Spiel werden würde, denn sie sind eine sehr gute Mannschaft. Und hier ist es fantastisch, die Arena, das fantastische Publikum – Glückwunsch an die Stadt Lüneburg! Sie sind sehr gut ins Spiel gestartet, wir hatten zu kämpfen, vor allem mit unserem Sideout. Nach guten Aufschlägen und einigen Blocks kamen wir zurück. Im dritten Satz haben sie meiner Meinung nach ein wenig aufgegeben.“
Santeri Välimaa (SVG Lüneburg): „Das ist eine Lektion für uns. Eine Lektion in Volleyball auf hohem Niveau. Wir können hier definitiv mithalten, das hat sich heute gezeigt. Aber wir haben es nicht über das gesamte Spiel hinweg geschafft – das ist die Lektion, die wir daraus lernen müssen. Wir müssen es so lange durchziehen, wie es nötig ist, um ein solches Spiel zu gewinnen. Sie haben gut gespielt, wir haben es nicht zu Ende gebracht – das ist das Schlimme daran. In beiden Sätzen hatten wir Chancen, wir waren einfach nicht in der Lage, den letzten Spielzug, den letzten Push zu machen.“
Simòn (Piacenza): „Im zweiten Satz haben wir etwas besser gespielt. Sie haben es uns zeitweise schwer gemacht. Zu Beginn der Sätze hatten wir in der italienischen Liga oft große Schwierigkeiten, sind häufig wirklich schlecht in die Sätze gestartet. Manchmal haben wir uns ein wenig erholt und weiter gekämpft, haben nie aufgegeben und weitergespielt. Und danach konnten wir die Sätze manchmal gewinnen. Das Gute an der Mannschaft ist, dass wir in jedem Moment des Spiels an jeden Spieler der Mannschaft glauben. Diese Arena ist wirklich gut, die Atmosphäre ist wirklich schön, besonders für mich, da ich noch nie hier in Lüneburg war. Ich liebe es, wenn die Leute so sind.“
Sho Takahashi (SVG Lüneburg): „Ich habe das Gefühl, dass wir unsere Sätze nicht richtig auf die Reihe bekommen haben. Wir hätten gewinnen können, es war ein so knappes Spiel, besonders im zweiten Satz. Sie waren die ganze Zeit über so gut, von Anfang bis Ende. Wir hatten einen tollen Start, aber wir müssen dranbleiben und bis zum Schluss konzentriert bleiben. Sie sind besonders nach dem 20. Punkt stark, sie haben nie einen dummen Fehler gemacht. Sie haben den Ball im Spiel gehalten und versucht, unsere Schwachstellen auszunutzen. Damit müssen wir umgehen können, besonders wenn wir gegen eine stärkere Mannschaft spielen. Das ist eine gute Lektion für uns.“