
Weiter am neuen SVG-Puzzle getüftelt
Bei Turnier auf Mallorca als Team gewachsen
Mission erfüllt: Nach zwei Duellen mit hochkarätigen Gegnern lässt die SVG die Woche mit viel Spielzeit sowie wertvollen Eindrücken für Spieler und Trainerteam ausklingen. Beim “Torneig Internacional THB Hotels” auf Mallorca trennten sich die LüneHünen am Freitag vom Gastgeber CV Manacor mit 1:3 (28:26, 16:25, 22:25, 17:25), am heutigen Sonntag endete das Spiel gegen Greenyard Maaseik ebenfalls 1:3 (22:25, 20:25, 25:19, 21:25). Nach dem Dreier-Turnier gab’s daher den kleinsten der drei Pokale, doch für den Lüneburg-Tross überwog knapp 1700 Kilometer Luftlinie von der Heimat entfernt etwas anderes.
Turnier-Bilanz vom Ausprobieren geprägt
“Wir arbeiten an der Connection als Team – und es ist gut, dass wir mit solchen Spielen jede Woche auf ein neues Niveau kommen”, fasst Tyler Koslowsky die Bedeutung des Turniers mit den beiden Teams zusammen, die 2026/27 wie die SVG in europäischen Wettbewerben starten. “Wir konnten alle Spieler einsetzen und wissen noch genauer, woran wir arbeiten wollen.” Der Eindruck des Co-Trainers: “Im Moment fehlt uns noch die Konsistenz. Wir haben gute Sätze, aber dann folgen nicht so gute. Wir haben in allen Bereichen gute und schlechte Aktionen. Wir wollen so lange wie möglich auf einem hohen Niveau bleiben – das ist noch unsere Herausforderung. Und dann müssen wir daran arbeiten, wo wir unsere Fehler machen: Wir freuen uns über ein starkes Ass – und machen dann einen schlechten Fehler …”
Und (natürlich) steht für das neu formierte Team viel Feinabstimmung an. “Die Connection aus Zuspiel und allen Angreifern ist mit Anselm neu, da müssen alle lernen. Das dauert einfach länger”, ordnet Koslowsky die aktuelle Aufgabe ein, die Geduld erfordert. Und dann müssen die Komponenten passen: “Wir haben die Physis – die müssen wir nutzen. Ein Aufschlag mit 120 km/h ist toll – aber wenn er ins Netz geht, ist es trotzdem ein Fehler.”
Davon gab es in den Partien einige. Am Freitag standen in der SVG-Statistik 19 Fehler von der Linie zu Buche (bei Manacor allerdings auch 20), am Sonntag waren es noch sieben (Maaseik: 9). Manacor hatte im Duell über 122 Minuten vor allem in der Annahme die bessere Qualität, gegen Maaseik zeigte sich in Annahme und Angriff ein leichtes Plus für die SVG. Das Spiel der LüneHünen war aber sehr von Phasen, Wechseln in der Aufstellung und dem Testen verschiedener Systeme geprägt. Wie im 106-Minuten-Duell mit Maaseik, als nach zwei verlorenen Sätzen ein souveräner dritter Satz folgte.

Einer, der wohl keine Einspielzeit brauchte, ist EM-Rückkehrer Axel Enlund. Der junge Schwede stand gegen Manacor auf dem Feld, war mit 17 Punkten bester SVG-Scorer (Topscorer: Denis Pablo/21). Auch Enlund nahm wichtige Eindrücke mit: “Es hat Spaß gemacht, es waren aber auch zwei echt fordernde Spiele. Gegen Maaseik haben wir es schon besser gemacht.” Er machte aber auch Faktoren mit Einfluss auf das SVG-Spiel aus: “Ein anderer Ball, eine flachere Halle” – da war erstmal Gewöhnung gefragt. Auch im Zusammenspiel: “Es war das erste Mal für mich und Patrick, da hatten wir erstmal etwas Mühe. Das haben wir hinbekommen – und freuen uns jetzt schon auf die nächste Trainingswoche!”
Enlund war erst wenige Tage vor dem Turnier von der EM nach Lüneburg zurückgekehrt. “Es ist schön, wieder im Team zu sein. Ich freue mich einfach auf die neue Saison!”
Die beste Ausbeute am Sonntag holte Sebastiano Sani (18 Punkte), der mit Shane Holdaway (14) und Lovis Homberger (13) ein Punkte-Trio bildete, das vor der besten Maaseik-Bilanz lag (Gabrijel Cvanciger/11).
Positiver Eindruck nach “Training mit Gegner”
Von den Erfahrungen beim Turnier ist Co-Trainer “TK” jedenfalls angetan: “Die Mannschaft hat Potenzial! Und wenn man wochenlang nicht im Team spielen kann und quasi nur gegen ein leeres Netz trainert, ist das nicht ideal und die Jungs sind nach ein paar Wochen genervt – das war auch meine Erfahrung in der kanadischen Nationalmannschaft. Daher sind solche Spiele jetzt super. Geblockt zu werden, ist cool!”, betont er den “Faktor Gegner”. Und ganz allgemein: “Die Eindrücke sind positiv”, betont Koslowsky – und freut sich augenzwinkernd: “Das Team ist wie ein schönes Puzzle – nur die Teile sind noch nicht richtig zusammengebaut.”
Die “Puzzlestücke” sind aber selbst längst aktiv: Die Tage auf Mallorca fördern den Teamgeist auch abseits des Feldes. “Wir sitzen alle zusammen im Kreis am Strand”, berichtet Tyler Koslowsky. “Die Sitzplanung ist jeden Tag anders, auch die Zimmeraufteilung haben wir per Zufall gemacht – es ist völlig egal, wer hier mit wem sitzt, das passt. Die Jungs genießen einfach die Zeit zusammen.”
Diesen Eindruck teilt auch Axel Enlund: “Ja, der Teamgeist wächst schon. Wir sind so viele nette Jungs und ich bin sicher, dass wir ein richtig starkes Team werden, auf dem Feld, aber auch darüber hinaus. Jetzt freuen wir uns darauf, dass wir mit Santi bald komplett sind. Aber das sah schon gut aus. Und wir haben in Manacor schon eine Menge gelernt.”
Die Bedingungen für das Team-Klima klingen jedenfalls ideal: “Nur 20 Meter vom Hotel entfernt ist ein traumhafter Sandstrand, außerdem gibt’s richtig gutes Essen”, berichtet Tyler Koslowsky. Der Strand, auf dem auch der Ex-LüneHüne und gebürtige Mallorqiner Simon Torwie in der kurzen Nach-EM-Pause bei seinem Ex-Klub vorbeischaute, ist auch am Montag noch einmal angesagt, bevor es am Abend von Palma aus zurück gen Hamburg Airport geht. Doch auch die “Einheit im Sand” muss noch erarbeitet werden: Am Vormittag geht’s zunächst in die Videoanalyse des Spiels gegen Maaseik.
Mit Uģis Krastiņš, dem Trainer der Belgier, tauschten sich die SVG-Coaches nach dem Spiel noch im Smalltalk aus. Eines der Themen dabei (neben der jüngsten EM-Erfahrung des Letten mit seinem Nationalteam): Santeri Välimaa. Den Zuspieler hatte Krastiņš einst bei Barkom-Każany Lwów im Team, riet ihm auch zum Schritt nach Lüneburg. Jetzt konnten sich beide Seiten über den EM-Erfolg des Finnen freuen.
SVG gegen Manacor: Rein, Gruvaeus, Young, Enlund, Rogers, Schoenherr – Goto; eingewechselt: Sani, Gingera, Holdaway
SVG gegen Maaseik: Rein, Gingera, Holdaway, Homberger, Sani, Young – Goto; eingewechselt: Rogers
(gm)

(Fotos: Josep Gomez)