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SVG beweist Nervenstärke

LüneHünen bleiben nach 3:1 in Friedrichshafen Tabellenführer

Sollten die SVG-Profis vor dem Spiel beim VfB Friedrichshafen Druck verspürt haben, dann haben sie diesem standgehalten: Mit einem 3:1 (16:25, 25:20, 28:26, 28:26)-Sieg bei den “Häflern” behaupteten die LüneHünen ihre Tabellenführung, die nach den Siegen von Berlin und Düren an diesem Spieltag umkämpfter war wie wohl nie zuvor im Saisonverlauf.

Häfler legen besser los

Besonders im ersten Satz hatten die Konkurrenten wohl auf Schützenhilfe vom Bodensee gehofft. Denn die Gastgeber starteten vor 1000 Zuschauern stark, holten eine Vier-Punkte-Führung der SVG schnell auf. Beim 8:9 aus SVG-Sicht lag der VfB erstmals vorn – und gab die Führung auch nicht mehr ab. Mit einer Vier-Punkte-Aufschlagserie von Vojin Cacic, in der der Außenangreifer auch ein Ass beisteuerte, setzten sich die “Häfler” zur Satzmitte schon wirksam ab (9:13). Vor allem mit harten Aufschlägen hatten sie von Beginn an für Druck auf die SVG gesorgt, später kamen auch noch gute Momente im Block dazu, wie Gustavo Maciels doppelter Punktgewinn (13:19). Die SVG ließ sich nicht entmutigen, doch gegen die Effizienz der Gäste (Angriffsquote aus SVG-Sicht: 40:47 Prozent, 1:5 Asse) war im ersten Abschnitt kein Ankommen.

Das änderte sich im zweiten Satz. Der blieb zunächst eng umkämpft (5:5, 10:10, 12:12) – auch, weil sich beide Teams phasenweise (zu) viele Aufschlagfehler leisteten. Zur Satzmitte setzte sich die SVG ab, lag nach einem Ass von Jackson Howe erstmals mit zwei Punkten vorn (14:12). Friedrichshafen glich aus (16:16) – längst hatte sich eine echte Nervenschlacht entwickelt. Als die SVG sich auf drei Punkte absetzte (19:16), konterte VfB-Coach Adam Swaczyna mit einer Auszeit, schärfte seinem Team mehr Risiko ein: “If we play safe, they will kill us.” Fast hätte sich das ausgezahlt, doch eine gewonnene Challenge stoppte die Aufholjagd der Hausherren (22:19). Jetzt zog die SVG dominant durch (25:20), hatte nach dem Satz die Angriffsqualität gedreht (55:50 %) und lag auch mit 6:3 Blockpunkten vorn.

SVG holt sich die wichtigen Momente

Das nicht immer hochklassige, aber durchweg spannende Spiel blieb im dritten Satz weiter intensiv umkämpft. Erneut startete die SVG gut (3:0, 6:3), abermals kam der VfB zurück (6:6, 6:7). Stefan Hübner brachte mit Christopher Byam einen neuen Impuls für die Diagonalposition. Es blieb jedoch ein enges Rennen, in dem sich kein Team wirksam absetzte. Nach dem Start in die Crunchtime schien die SVG bei Howes Angriff gegen Louis Kunstmann (22:20) endlich einen Wirkungstreffer gelandet zu haben – doch der VfB zeigte Comeback-Qualität, vereitelte drei Mal den Satzball der SVG (26:26). Erst, als Libero Sho Takahashi per “Pancake” rettete und Daniel Gruvaeus den Spielzug abschloss (28:26), war die 2:1-Führung der SVG gesichert.

Der vierte Satz blieb fast identisch umkämpft. Diesmal lagen die LüneHünen zunächst zurück, glichen aber aus (8:8) und behaupteten bis zum Start in die Crunchtime immer wieder eine Führung. Doch auch jetzt war Geduld gefragt: Fehler auf beiden Seiten hielten das Spiel offen (18:18, 23:23). Louis Kunstmann vereitelte den ersten SVG-Matchball (24:24) – und erneut ging es in eine packende Crunchtime-„Extraschicht“. Ein Häfler Aufschlagfehler sorgte für die vierte Gelegenheit zum SVG-Sieg – diesmal konnten die Gäste jubeln: Simon Kohn konnte nach einem Lüneburger Angriff zwar noch neben dem Spielfeld retten, doch VfB-Routinier Cacic geriet beim Angriff in Rücklage und verzog den Ball ins Aus – 28:26.

“Es waren enge Sätze – das kann auch andersrum laufen”, war Stefan Hübner der Nervenkrimi-Faktor nach dem Spiel klar. “Wenn man es mit dem Spiel gegen Rzeszow vergleicht, haben wir diesmal den Druck im Aufschlag nicht so konstant hinbekommen. Das ist in der Halle aber auch nicht ganz so einfach, die Spieler warten teilweise länger, bis der Arm kommt, weil sie den Ball nicht ganz so gut sehen”, sah der Chefcoach die zwar bekannten, aber immer wieder ungewohnten Lichtverhältnisse in der SpaceTech-Arena als Faktor. Nach den 116 intensiven Spielminuten war er letztlich zufrieden: “Unser Angriffsspiel hat gut funktioniert. Da waren noch ein, zwei Fehler zuviel drin, aber das hatten wir als stabilen Faktor. Und wenn dann der Aufschlag gekommen ist, hat er uns etwas extra gegeben.”

Die Statistik zeigt, mit welchen Vorteilen sich die SVG im engen Duell (Gesamtbilanz: 97:97 Punkte) entscheidend behaupten konnte: In der Annahmequalität (29:19 % perfekte Annahme), im Angriff (50:42 %) und auch im Block (11:9 Punkte) lag die SVG vorn. Der Aufschlag war für beide Teams ein Manko: mit 21:26 Fehlern war der VfB leicht besser, hatte auch mit 7:4 Assen die Nase vorn.

Als MVP wurde Sho Takahashi gekürt, der sein Team in engen Momenten mit starken Aktionen im Spiel hielt und mit einer starken Quote (43 % perfekte Annahme) überzeugte. Mit Daniel Gruvaeus (18 Punkte) stellte die SVG auch den Topscorer. Beim VfB holte Mittelblocker Gustavo Maciel die beste Ausbeute (12 Punkte).

Und für mindestens einen im SVG-Team war der spannende Sport-Abend mit dem Sieg um 17:07 Uhr noch nicht zu Ende. Denn Axel Larsen hatte auch das EM-Finale im Handball im Blick: „Klar schaue ich mir das an! Ich tippe auf ein 34:30 für Dänemark“, setzte er beim Einsteigen in den Bus für die knapp 800 Kilometer lange Rückfahrt auf „seine“ Dänen im Duell mit Deutschland.

SVG: Kunstmann, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Enlund, Champlin – Takahashi; eingewechselt: Byam, Larsen

Weitere Stimmen zum Spiel:

Adam Swaczyna (Chefcoach VfB Friedrichshafen): “Ich bin froh, dass wir so gekämpft haben – ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass niemand gekämpft hat. Wir hatten eine schwere Situation im ersten Satz, wir hatten eine schwere Situation im dritten Satz. Mit ein paar Anpassungen waren wir wieder im Spiel, haben Lüneburg an ihre Grenzen gebracht. Es war vermutlich nicht ihr bestes Spiel, aber vielleicht war das die Konsequenz, dass wir sie im ersten Satz so gefordert haben – da ist dann normal, dass sie gewinnen. Mit unserem Spiel bin ich nicht völlig zufrieden. Wir haben zu viele Chancen, zu viele Punkte an den Gegner abgegeben. Das ist nicht der Volleyball, den wir spielen wollen. Wir wollen smart und aggressiv sein – das klappt nicht immer, aber wenn wir ein Top-Team sein wollen, müssen wir das besser hinkriegen. Aber ich bin sicher, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir müssen vor dem Pokalfinale nur noch mehr an den Sieg glauben – auch dann, wenn der Gegner mal etwas besser macht.”

Daniel Gruvaeus (SVG Lüneburg, Außenangreifer): “Wir haben einfach den letzten Punkt gemacht, das ist am wichtigsten. Es war wirklich ein schweres Spiel, aber wir sind ruhig geblieben und haben die wichtigen Momente geholt. Das war einfach ein Kampfsieg.”

Louis Kunstmann (VfB Friedrichshafen, Mittelblocker): “Wir haben mit sehr viel Aufschlagdruck angefangen, das hat vor allem im ersten Satz sehr gut funktioniert. Im Mittel haben wir ganz gut Blockabwehr gespielt, aber das ist noch ausbaufähig. Der größte Unterschied war wohl die Angriffseffizienz – da sollten wir noch ein bisschen dran arbeiten.”

(gm, Fotos: VBL/A. Hoth)