Noch ist nichts verloren – aber nun liegt der Druck des Gewinnenmüssens bei den LüneHünen. Und die sind wild entschlossen, im zweiten Playoff-Viertelfinale nach der Auftaktniederlage bei den Berlin Volleys noch ein drittes Match zu erzwingen, wenn an diesem Sonnabend (20 Uhr) in der CU Arena in Hamburg-Neugraben Teil 2 der best-of-3-Serie ansteht.

Vor mehr als 4500 Fans im Volleyball-Tempel Max-Schmeling-Halle setzten die Berliner zunächst mal ein Zeichen und nordeten die SVG nach deren 3:0-Triumph im Februar wieder ein. Der danach gekommene neue Trainer Stelian Moculescu hatte vor den K.o.-Spielen noch einmal die Sinne gschärft („Wir wollen ins Finale“), Manager Kaweh Niroomand den Druck erhöht: „Wir müssen die verbleibenden Wochen nutzen, um ins Endspiel zu kommen und vielleicht unser wichtigstes Ziel, nämlich die Deutsche Meisterschaft, zu erreichen.“ Und dazu sei es wichtig, das erste Spiel gegen die SVG klar zu gewinnen fügte er an, mit der Betonung auf „klar“.

Der noch amtierende Meister ließ diesen Forderungen Taten folgen, trat zielstrebig und stets konzentriert auf und stellte im ersten Abschnitt ab der zweiten technischen Auszeit die Weichen auf Satzführung (von 16:14 auf 20:14. Da stieg die SVG-Fehlerquote – bezeichnend der Übertritt beim Aufschlag von Ryan Sclater ausgerechnet beim ersten Berliner Satzball.

Dabei hatte die SVG, mit Zuspieler Gijs van Solkema und Jannik Pörner diagonal (Sclater dafür Außen) sowie mir Ray Szeto nach seiner Verletzungspause, stark begonnen.  Bei  Szeto reichte es aber noch nicht für ein ganzes Match. Pörner und van Solkema überzeugten dagegen, Pörner war schließlich sogar bester Scorer (12 Punkte) und MVP.

So sah es dann auch im zweiten Durchgang lange sehr gut für die Gäste aus, die ein 7:4 vorlegte und den Berliner alles abverlangte. Die drehten das auf 11:9, die SVG konterte (12:14), ständig wechselte nun nach oft langen Ballwechseln die Führung – bis in der Crunchtime Paul Carroll, Berlins Routinier auf Diagonal, seine ganze Klasse abrief: Er machte die Punkte 21 bis 25 für sein Team.

Zum Satzball war übrigens der Reisebus des LüneBlocks endlich eingetroffen – die Fans saßen wegen eines Mega-Staus auf dem Berliner Ring mit stundenlanger Vollsperrung der Autobahn 10 fest. Was sie dann noch sahen, war ein Satz zum Vergessen. Ihre Lieblinge ergaben sich nach einem schnellen Rückstand (1:4, 4:8) in ihr Schicksal, über 5:12, 9:18 und 12:22 wurden sie vom Feld geschossen.

„Da sind wir leider auseinandergebrochen, im ersten Satz haben wir es aber lange gut gemacht, im zweiten noch besser“, beurteilte Trainer Stefan Hübner den Auftritt als „über das ganze Spiel gesehen okay“, denn: „Berlin war sehr stark, hat viel Druck und wenig Fehler gemacht. Wenn wir diesem Druck im zweiten Spiel besser standhalten können und noch weniger Eigenfehler machen, ist beim Spiel in Hamburg der Ausgleich drin – und dann schauen wir mal…“

Auch Bernd Schlesinger, Sportlicher Leiter der SVG, machte den hoffentlich zahlreich in der CU Arena erscheinenden Fans Mut:  „Ich bin mir sicher, wir werden im zweiten Match besser spielen und den einen oder anderen Satz gewinnen.“

Selbst  Trainer-Ikone Moculescu ist bewusst, dass er mit den Berlinern das Halbfinale noch nicht gebucht hat: „Wir müssen am Samstag eine ähnliche Leistung abliefern – oder sogar noch ein bisschen besser.“